Donnerstag, 21. Mai

Der Klang der Glocken ist heute zu Himmelfahrt ein ganz besonderer. Ihr Läuten kommt mir so lieblich vor, wie: Alles ist gut und alles in Liebe … Die Welt sieht heute so prächtig aus, dass ich fühl, das Paradies ist hier und ich bin mittendrin.

Der Himmel ist schön gezeichnet heute, in Pastellfarben, und viel mehr, als mir das Aquarell anzusehen, mach ich heute nicht. 4 x heute …

Hier versucht einer, 4 mal sein Motorrad zu starten, bevor er losbrettern kann. Ich lehn mich zurück und lächle. Oh Gott, warum konnte ich nicht immer so entspannt sein wie heute?

Mittwoch, 20. Mai

Guti-Gutshaus open – ab 25. Mai, Montag. Gestern kam ein Anruf mit der Mitteilung. Geöffnet ja, aber mit Auflagen – 60 % Auslastung, d. h. Frühstück und Abendessen in 2 Durchgängen, um den Security-Abstand zu gewährleisten, was abends automatisch längere Schicht bedeutet. Außerdem Handschuhe und Maske! Ich krieg schon Zustände, wenn ich die 7 Minuten bei EDK zum Einkaufen bin. Die Frage, ob ich weiter mitmache, hab ich mit ja beantwortet, mit einer Intensität von 3 auf einer Skala von 1 – 10. Ich guck einfach mal, wenn es geht, geht’s, wenn nicht, dann nicht. Die Pause jetzt hat mir gezeigt, dass ich auch sehr gut ohne Arbeit kann, bestens. Hauptsache, ich hab geistige Anregung und die hab ich.

Pfingsten wird busy hat sie gesagt. Pfingsten bin ich verreist. Ich kann erst ab Juni … Ich will es mir nur noch so schön wie möglich machen. So schön wie möglich heißt, auch so bequem wie möglich. Schließlich hab ich schon ein Arbeitsleben hinter mir – anders als Martina, die noch was sinnstiftendes sucht – und das hier fällt unter geringfügig beschäftigt – Nebenverdienst, und das soll es auch bleiben. Überstunden, wie bisher, werde ich weitgehend vermeiden, höchstens mal im Ausnahmefall, sonst nicht. Das ist meine Agenda für Arbeit und Beruf.

Das war rege heute, schönes Treffen mit Ramona, Carmen und Fritzi, die Sitzung von Notfallbegleitung hatten, außer Fritzi. Da hab ich gleich meine Sachen abgegeben. Das mach ich nicht mehr.

Danach war meine Schwester hier zum Baden, die einen Wohnwagen hat, aber keine Badewanne. Dann hat Michael geschrieben, dass er mit Tamina und Jonte am Freitag herkommen will. Bei aller Freude darüber, gleich das Gehirn in Grübelfalten, was koch ich vegan? Das ist kein Genuss mehr, das ist eine Philosophie. Wenn ich Soja-Schnetzel in der Tüte sehe, denk ich an Holz-Späne, die würden im Feuer gut brennen. Das erste, was mir einfiel, war – Essen vom Chini-Mann zu holen.

Klar ist Ernährung zunehmend ein Thema auf der Welt und ich könnt mich schon noch umstellen, aber ich will es nicht, maximal bis vegetarisch. Vegan kann die nächste Generation machen.

Dienstag, 19. Mai

Wenn Martina und ich uns unterhalten, fallen uns manchmal Wörter nicht ein. Das geht ihr so und mir auch. So kam ich z. B. nicht auf Graffiti. Diese Aussetzer nennen wir jetzt Dingsbums. Martina sagt, das ist doch schlimm. Peter sagt, das ist normal. Dingsbums hieß mal eine Sendung, in der Kinder Begriffe erklären, die Erwachsene erraten sollten. Das gibt es noch auf MDR Jump Dingsbums.

Wir waren Freitag um 17 Uhr verabredet, da hat Michael Feierabend. Am Morgen hat er geschrieben, dass Tamina und Jonte mit ihrem Vater mit nach Schwerin gefahren sind. Der war als Babysitter da, weil sie Klausur-Runde hatte und lernen musste. Dafür hat er vorgeschlagen, mal an einem der nächsten Wochenenden herzukommen, denn sie wollen mich natürlich auch gerne sehen, sagt er.

Da hab ich umdisponiert und bin auf blauen Dunst zu meiner Tochter und Paul gefahren. Autobahnabfahrt Rostock-Süd war gesperrt und so bin ich Ost abgefahren und nach Benthwisch abgebogen. Klein Kussewitz liegt dahinter. Die haben sich gefreut über den Überraschungsbesuch. Andrea war bei den letzten 5 Minuten ihres Online-Englisch-Kurses, hat also gut gepasst. Der Student hat das mitbekommen und ihr viel Spaß mit ihrer Mom gewünscht. War lustig. Paul war auch Zuhause in Homeoffice. Ich hatte ihnen Tomatenpflanzen Harzfeuer, die mir Aniko aus der Gärtnerei besorgt hatte, mitgenommen. Sie legen gerade ihr Grundstück und ihren Garten an. Der ganze Anbau steht voller Pflanzen.

Jedenfalls war das richtig schön und ich hatte nachher zu tun, dass ich meinen Frisör-Termin noch rechtzeitig schaffe. Die beiden waren sehr entspannt und Andrea hat gesagt: Das Sprachenzentrum der Uni hat bis Semester-Ende Fernunterricht beschlossen. Das ist das beste, was mir passieren konnte, Mutti! Corona – der Segen Gottes …

Sonst ist sie nicht so gläubig. Ach, wart mal, hat sie beim Abschied gesagt und mir noch eine schöne Flasche Wein geschenkt, aus dem Karton der Großlieferung, die sie bestellt haben, um die Winzer-Wirtschaft zu fördern, nach ihren Worten.

Montag, 18. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft. Fjodor M. Dostojewski

Montag Ruhetag – nach einem Wochenende mit 2 kurzen Nächten. Heute kommt nur Tine Schwesterchen am späten Nachmittag, weil ihre Schwiemu Termin beim Nierenarzt hat.

Die Gastronomie kommt langsam wieder in die Gänge. Nicole Früstücksfeee von Guti-Gutshaus hat geschrieben, heute geht es wieder los, mit Putzen, Putzen, Putzen … Gut, dass ich das weiß, da halt ich mich raus. Es reicht, wenn ich wieder anfange, wenn die Gäste eintreffen.

Heute hab ich den Anruf bekommen, dass unsere für das Himmelfahrts-Wochenende geplante Fahrt in den Wörlitzer Park auf Pfingsten verschoben ist. Dann dürfen Auswärtige wieder ins Hotel. Das ist sogar noch besser, weil wir dann mit Pfingstmontag noch einen Tag länger haben.

Abends um 7 werd ich langsam munter. Auf dem Markt ist Stimmengewirr – Montags-Spaziergang gegen Corona-Maßnahmen. Das tangiert mich nicht. Jonti seh ich wieder nur als Foto und Video. Aus dem Besuch am Freitag wurde nichts, abgesagt. Irgendwas liegt quer zwischen meiner Schwiegertochter und mir.

Was mir das liebste auf der Welt ist, kann ich nicht sehen. Das ist Kummer, der zu Herzen geht und den ich schon mal erlebt habe. Ich hab keinen Halt mehr, mein Fundament ist gesprengt und ich hangel mich von einem Tag zum anderen. Gottvertrauen ist anders. Wenn ich mal weinen könnte, das wär besser als ein versteinertes Herz.

Wenn Maik auch viel Kraft gekostet hat, das war in seiner reinsten Form auch Glück und Freude. Corona ist unerbittlich, was Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Lebenssinn angeht. Krisensituationen bringen hervor, was der normale Alltag nicht schafft.

 

Sonntag, 17. Mai

Ein bewegter Sonntag mit Martina und Peter, der sie abholen gekommen ist und Manuel und Lukas waren auch hier, kurze Spritztour von Rostock zum Kaffee auf dem Markt bei Jannys Eis. Ein schöner Tag, schönes Wetter, schöne Erlebnisse zusammen mit Spaß und  guter Laune. Mehr Begegnung an einem Tag, als in vielen Wochen davor zusammen.

Nun sind sie wieder weg und der Sonntag klingt geruhsam aus.

Wir haben geredet und gelacht bis in die Nacht bei Wein und Kerzenschein, auch über WhatsApp-Witze wie diesen:

Der Hase wird gespickt, der Pullover wird gestrickt, der Ball wird gekickt, die 19 jährige wird? 20

Sonnabend, 16. Mai

Als ich mit Martina heute um die Feisnek gefahren bin, kam auf halber Höhe ein junger Husky-Mischling auf uns zu gelaufen und hat uns den restlichen Weg bis in die Specker Straße begleitet. Dort lief er auf ein Grundstück und der Anwohner hat gefragt, ob uns der Hund gehört. Nein, dann haben wir ihm berichtet, wie wir dazu kamen. Er hat ihn fotografiert und gleich in Facebook gestellt. Wir sind dann weiter gefahren. Als wir zu Hause ankamen, war ein Foto vom Hund an der Leine in fb: Dieser Hund wurde gerade in der Specker Straße liebevoll aufgenommen und der Besitzer kann ihn bei uns abholen. Telefon … Darauf schrieb jemand: Ich kenne den Besitzer und sage ihm Bescheid.

Wenig später hat schon Wir sind Müritzer kommentiert: Der Hund ist wieder zu Hause!

Dazu hab ich in einem Kommentar geschrieben: Ach, schön zu sehen, dass der Süße „dingfest“ gemacht werden konnte. Er hat meine Freundin und mich um die halbe Feisnek begleitet und wich uns nicht von der Seite, bis in die Specker Straße. Dort hat ihn dann ein Anwohner fotografiert und gleich in fb gestellt. Als wir zu Hause ankamen, haben wir uns gefreut, den guten Ausgang zu sehen. Toll!

Das war ein Erlebnis! Wir haben schon gedacht, was machen wir jetzt mit ihm? Die Rückführung hat ja dann noch gut geklappt!

Freitag, 15. Mai

I like the way manchmal gar nicht, deshalb fand ich es so originell, mir das Lied zu schicken. Es ist ein Weg der Meisterschaft zu seinem besten Ich, er geht langsam voran und zwischendurch geht einem auch mal die Puste aus. Dann eine kurze Pause und wieder weiter … Das sind Stirb-und-Werde-Prozesse. Man muss einmal sterben, um neu zu erstehen – das gilt für beide.

Gestern Abend war Aniko hier und hat mir Tomatenpflanzen aus der Gärtnerei mitgebracht und ist erst um halb 10 gegangen. Wir haben die Sonne auf der Terrasse genossen, obwohl es kalt war. Eigentlich wollte ich jetzt um 8 schon auf dem Weg nach Rostock sein, bin aber grad erst aufgewacht …

Donnerstag, 14. Mai

That’s the way, aha aha, I like it … der Titel kam mir gestern in den Kopf von … KC and the Sunshine Band, ich hab nachgeguckt. Vorher hatte ich gerade ein neues Video von der herzerfrischend fröhlichen Yonanda La Tura auf Youtube gesehen, die begeisterte Anhänger hat. Nachdem ich die Kommentare gelesen hatte, hab ich gedacht: Gott, ist der Weg schwer! Und dann die Musik im Ohr – ich hab mich leicht und beschwingt gefühlt und die Hüften gekreist und mich gefreut. Die Geistige Welt mit ihrem obersten Chef hat wirklich Humor!

Ich bin dankbar für jeden Moment, in dem es mir gut geht, gerade jetzt unter Corona, wo alle Ablenkung vom Thema weggefallen ist – wochenlang das gesamte gesellschaftliche Leben. So war ich gezwungen, mich damit auseinanderzusetzen, mit mir selbst. Dazu war noch oft der WLAN-Empfang gestört, ständig Schwankungen, mal da, mal weg, so dass auch Youtube als Lückenfüller ausgefallen ist. Blieben noch Bücher – nur den ganzen Tag Lesen geht auch nicht. Das war noch mal ’ne Schulung!

Je mehr alles andere abwesend war, war er um so anwesender.

Mittwoch, 13. Mai

Heute früh hab ich damit gleich weitergemacht. Nach meinem Umzug hierher, vor über 8 Jahren, hatte ich mich von allem überflüssigem getrennt.

Jetzt hat sich schon wieder soviel angesammelt, obwohl ich zwischendurch auch schon immer mal Unnützes weggegeben habe. Vor allem sind es Geschenke, die ich nicht brauche … Martina ist so freundlich und bringt einiges in den Umsonst-Laden, wenn sie keine passenden Abnehmer dafür findet, und so kommen Bücher, CDs, DVDs, Klamotten und was sonst noch alles so anfällt, dann anderen zugute unter dem Motto Nachhaltigkeit. Mit Christine nebenan haben wir es auch so gemacht, aber davon profitiert Jonte auch nach ihrem Auszug noch. Die nächsten Kartons sind gefüllt mit Kindersachen Gr. 98, 104, 110.

Bis auf das bisschen Ausräumen mach ich nicht viel. Am besten ich verschlaf die ganzen Eisheiligen, ich bin grad nicht in der besten Verfassung. Nur mittags kurz raus, essen und einkaufen. Geht aber nicht nur mir so …

Dienstag, 12. Mai

Frühstück um 8, Weiterschlafen bis Mittag, dann Nudeln Nr. 8 von dat Asia Wok unten holen und weiter nichts tun, außer den Moment abpassen, in dem es mir mal gelingt, den Besen in die Hand zu nehmen. Staubsauger ist mir zu laut. Nach Vollmond und Portaltagen jetzt noch die Eisheiligen und Mondpause. Es liegt so eine hohe Spannung in der Luft, ich bin mehr als bedeppert und das einzige, was geht, ist schlafen.

Wenn ich Freitag in Rostock bin, kommt Martina mit her und wir machen uns ein schönes Wochenende. Peter ist in Plau am See zur Reha und wird Sonntag entlassen und holt sie hier ab. Also muss ich nicht nur den Moment für den Besen, sondern auch für den Abwasch abpassen. Aber ich hab ja noch 2 Tage Zeit.

Eben hat Manuel angerufen und mir sein Leid geklagt. Nach einem Date am Wochenende in Greifswald, das gut lief, keine Antwort mehr. Davor hatte er auch schon eins, aus dem nichts geworden ist, aber der hat ihm nicht zugesagt. Bei dem hier war es anders. Ich hab ihn natürlich im Netz kennengelernt, hat er gesagt und ich hab gedacht – na, im Netz kennenlernen ist nicht natürlich. Das einzige, was ich ihm dazu sagen konnte, war: Du hast einen Fremden getroffen und weißt, dass es solche Typen gibt. Das ist kein Verlust, so ein Verhalten. Da würde ich mich einmal schütteln und Haken dran. Nur, dass ich nicht losgehen würde, um solche Blindgänger zu treffen.

Dann wollte er am Wochenende herkommen, aber da ist Martina hier. Und nächstes? Nächstes bin ich mit Silvia und Detlef im Wörlitzer Park.

Ich bin auf die Welt gekommen mit dem Gefühl, dass alles für mich da ist, wie jede Seele. Nicht, dass ich um Liebe kämpfen muss. Meine Eltern konnten 20 Jahre für mich da sein, so gut wie sie konnten, mein Mann viel weniger, als er konnte, oder ich geglaubt habe, dass er konnte. Heute fang ich an, alten Kram auszusortieren. Jeden Tag etwas, alles, was ich nicht mehr brauche …