Heute ist Sonnabend, der 8. Juni

Das war gestern schon die Überschrift, bis Martina mich drauf hingewiesen hat, dass ich einen Tag voraus bin …

Die drei Tage – gestern, heute und morgen, verbringe ich mit Anja Nr. 2 im Guti-Gutshaus, die nur noch alle 14 Tage bei uns ist, weil sie in ihre Spreewald-Heimat gezogen ist, sich aber bei uns regelmäßige Auszeiten von ihrem getrennt lebende Mutter-Alltag nimmt.

Die Chef-Familie ist auf dem Darß und wir beide versorgen eine überschaubare Anzahl von Hausgästen, die zum Abendbrot kommen, mit einer überschaubaren Anzahl von Gerichten. Sie am Herd und ich an der Gäste-Front. Klingt ruhig und entspannt und ist es auch.

Gestern hat sie mich gefragt, ob es bei mir was Neues gibt. Nein, nichts. „Er hat sich nicht mehr bei dir gemeldet?“ Nein. Wie geht es dir damit? Gut. Antwort aus drei Worten: Ruhe und Frieden. Klingt ruhig und entspannt und ist es auch …

Dir auch schöne Pfingsten. Hier kam nur der Regen an, der dem Garten gut bekommen ist. Aber es ist heute kühl und stürmisch. Gruß Anita – Das hat mir Anita aus Bremen, eine Kur-Bekanntschaft von vor 20 Jahren, geschrieben, die nur durch den Kleber der Gewohnheit hält. Nichts anderes hab ich ihr auch geschrieben, nur bei mir hört es sich so an: Frohe Pfingsttage, zu Hause oder auf Reisen, liebe Anita! Hätte ich fast vergessen, weil ich 4 Tage arbeite, heute Tag 3. Ist aber übersichtlich. Ein klärendes Gewitter hat meine Terrassen-Blumen gründlich gewässert und vor allem den Backofen draußen abgekühlt! Herzliche Grüße zu dir, Anita

Immer, wenn von ihr was kommt, denk ich: Wie kann der Mensch nur so scheintot sein?

22:00 Uhr Wohlverdienter Feierabend und Dachterrasse. Kirchturm links, Mondsichel rechts, in der Mitte Lars vor der Glotze.

Sie fangen an, am Essen rum zu mosern – berechtigte Kritik …

Heute ist Freitag, der 7. Juni

Ich bin nicht verheiratet – mit Guti-Gutshaus, aber verlobt kann man schon sagen, zumindest während der Saison … Sind Sie die Besitzerin?, hat mich gestern ein Paar aus München gefragt, von dem der weibliche Part vor 18 Jahren hier in Neustrelitz als Sängerin am Theater gastiert hat, und dem ich unser Haus präsentiert habe. Sie sagt, sie hatte Sehnsucht, zurückzukommen. Sie waren begeistert. Am liebsten würde ich gleich für immer hier bleiben, hat sie geschwärmt, nachdem ich sie in Rheinsberg – unserer größten FeWo, die das halbe Gutshaus umfasst – herumgeführt habe. Das Paradebeispiel war nur deshalb frei, weil es kurzfristig storniert wurde. Sie wollen heute Abend zum Essen kommen. Sie war die Wortführerin des Paars. Sein Beitrag war: Ich weiß schon, was ich bestelle – Roulade …

Roulade auf der Speisekarte ist dem Umstand zu verdanken, dass wir mangels Koch unser Konzept umgestellt haben – statt Drei-Gänge-Menü am Abend jetzt solide Hausmannskost.

Bei der Frage nach den Preisen hab ich erklärt, die sind unterschiedlich, je nach Zimmer und Saison, und stehen auf unserer Homepage. So kostet ein Doppelzimmer mit Ü/F in der Hauptsaison 150 €, aber immerhin nicht pro Person. Das gibt es auch in unserer Region – und aufwärts …

Falls sich jemand fragt, was das hier alles mit einem Dualseelen-Blog zu tun hat, ist die Antwort: Das hier ist das Leben des weiblichen Parts, nachdem der männliche sich anders orientiert hat …

Heute ist Donnerstag, der 6. Juni

Seit gestern bei apathischen 33 Grad, gefühlt 36, bete ich, dass es heute unter 30 bleibt – ab 17:00 Uhr Guti-Gutshaus. Die Großhirnrinde schmilzt, bei diesen Temperaturen …

Das hat tatsächlich geklappt – ich komm mir wie ’ne Magierin vor. Eine Stunde vor dem Losfahren hat ein Unwetter eingesetzt, das weltuntergangswürdig war. Danach waren nur noch 18 Grad statt 31.

Als ich ankam, hat Anja sich gewundert. Unsere Chefin hat sich vertan, sie meinte Freitag, Samstag, Sonntag. Die Nachricht hab ich gelesen, als ich zuhause war. Da ich nun schon mal da war, bin ich geblieben …

Was ich ziemlich frustrierend finde, ist: Dass mich da ältere Herren so angucken, wie Männer eine Frau angucken. So einer war nämlich heute da.

Und was jüngere Männer angeht: Einmal hat Bettina, die Chefin, vorgeschlagen: Du kannst doch Lars mal zum Essen einladen … Wie komm ich dazu? Nach dem nun verinnerlichten Prinzip Das Weibliche ist das Empfangende war meine Antwort: Er kann mich einladen! Das ist ein Familienbetrieb, jeder weiß vom anderen – fast – alles und nimmt regen Anteil daran.

Heute ist Mittwoch, der 5. Juni

19,5 Grad – auf dem Weg zum Finanzamt bin ich gestern Vormittag am Wasseramt vorbeigefahren. Da stehen immer die aktuellen Wasserstände und -temperaturen der Müritz dran. Damit hat mein heiliges Badewasser fast schon Schwimm-Temperatur erreicht …

Martin ist auf dem Weg zu Lars auch durch die Gerhard-Hauptmann-Allee gefahren und hat es auch gesehen, sagt er. Wir hatten eine längere Unterhaltung und ich hab allerhand über sein Leben erfahren. Mit 36 ist er seit über 10 Jahren EU-Rentner. Wie das? Psyche … Da gibt es mehrere Diagnosen … Darüber möchte ich nicht reden … Okay. Lars hat mich im Anschluss darüber aufgeklärt.

Das war der Vormittag. Dann hab ich mich an den Abwasch gemacht, der überüberfällig war. Ich hab meinen Kaffee schon aus dem Thermo-Becher getrunken, da alle Tassen in Gebrauch. Gerade da fragt Christine, ob ich Bjarne aus der Kita abholen kann – Frankie hat Fieber. Also hab ich das unliebsame Ritual unterbrochen und bin in den Kindergarten gefahren, mit dem Fahrrad, weil’s schneller geht. Für den Rückweg haben wir anderthalb Stunden gebraucht – mit Eisessen …

Heute ist Dienstag, der 4. Juni

Gerade ist ein guter Ausgleich zwischen Arbeit und Erholung. Gestern hat meine Chefin gefragt, ob ich ein nettes Feiertags-Wochenende in Lexow hatte? Und nun steht ja Pfingsten bevor, ob ich wieder helfen könnte?, jeweils ab 17 Uhr – Donnerstag, Freitag, Samstag. Sie meinte das Herrentags-Wochenende.

Ich hab ihr geantwortet: Ja, das hatte ich, besonders Freitag am sommerlichen Grillabend mit allseits zufriedenen Gästen im Rosen-Rondell. Pfingsten takte ich dann so ein … Wenn es dabei bleibt – ab 17 Uhr – ist es gut. Halbtot bin ich nur nach den endlos scheinenden über 9-Stunden-Schichten ab 14:00 Uhr.

Ihre Anfragen klingen immer, als ob ich da zu Gast und nicht als Angestellte da bin: Ob ich ein nettes Wochenende bei ihnen hatte, ob ich helfen könnte? Irgendwie ist es auch so …

Heut oder morgen geh ich ins Kino zu Aladdin. Sigi hat ihn mit Wolfgang gesehen und gesagt, der wird mir gefallen. Soweit kennt sie mich, dass sie das einschätzen kann. John Wick haben sie auch gesehen, war ihr zu brutal. Den guckt Lars …

Ich hab noch nie so viele junge Männer auf der Terrasse gehabt und kennengelernt – genaugenommen gar keine – wie seitdem Lars hier wohnt. Heute war Martin hier, der ihm seine Sat-Schüssel installiert, weil er die Kabel-Gebühren sparen will. Er hat sogar eine künstliche Blumenranke gekauft, um sie zu verschönern, weil ich von so einem Teil auf der Terrasse natürlich nicht begeistert bin. Jetzt wird sie in die hinterste Ecke außerhalb des Geländers auf meiner Seite platziert. Sie braucht das Satelliten-Signal, und am Fenster angebracht, wird das nichts, weil das Dach davor stört. Das ist ein Kompromiss, mit dem ich grad noch leben kann.

Seine Freunde sind alle nett, gesprächig und machen optisch was her, bis auf einen – mit Zickenbart und Naturglatze.

Meine sozialen Kontakte reichen von mittelständischen Unternehmern – Guti-Gutshaus – bis zur unteren Mittelschicht – Lars und Gefolge. Als ich den Ziegenbart gesehen habe, Lars kam mit ihm raus, als ich mit Sigi beim Käffchen saß und sie kannten sich, hab ich gedacht: Ein Glück, dass du nicht hier eingezogen bist …

Heute ist Montag, der 3. Juni

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Es geht nicht darum, was dir im Leben passiert, sondern wie du darauf reagierst. Epiktet

Und gleich noch ein Spruch:

Was wenn …? … Wenn alles, durch das du gerade gehst, dich vorbereitet auf das Wunderbare, um das du gebeten hast? Darum hab ich bestimmt nicht gebeten, um eine praktische Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung nebenan durch Ich lass die Türe offen …

Das wird heute ein Sprüche-Blog. Ich hab mal wieder eine Karte aus Sentenzia – Feuerherz und Flügelschwert, dem Tarot mit Sprüchen, gezogen: III Die Herrscherin – Weiblichkeit ist die Achse der Erde und die Milchstraße am Himmel. Meine Weiblichkeit hüte ich wie einen Schatz, die trag ich nicht zu Markte wie eine beliebige Ware …

Erfahrung bleibt des Lebens Meisterin – siehe gestern – ist von Goethe.

Der Mai war ein heiratsfreudiger Monat. Von meinen WhatsApp-Kontakten sind 3 Profilbilder Hochzeitsfotos: Bei meiner Schwester Tine – ihre Tochter Stefanie mit Maximilian, bei meiner Freundin Silvi – ihr Sohn Georg mit Sina, und gerade erst entdeckt: Meine Ex-Schwägerin Moni in Berlin mit Andreas. Ich hab ihr noch nicht gratuliert, es fällt mir schwer. Sie hatte mal eine ähnliche Geschichte wie ich, nach einer langen, intensiven Affäre hat sich ihr Seelenpartner doch für das Althergebrachte und damit gegen sie entschieden. Andreas ist die II. Wahl – um nicht allein zu sein, sagt sie. Dementsprechend sieht auch das Hochzeitsbild aus – Er versteinert, sie mit Sonnenbrille …

Heute ist Sonntag, der 2. Juni

Als wir gestern Abend um 7 auf unserem gemeinsamen Open Air-Territorium waren, hat Lars mit einem Freund telefoniert, mit dem er sich zur Müritz-Sail verabreden wollte, und ich hab ihn sagen hören: Hättest du 10 Minuten eher angerufen, hätten wir uns gleich treffen können. Ich war mit Anita, das ist meine Nachbarin, gerade in Edeka …

Ja, da haben wir uns unabgesprochen zur gleichen Zeit, kurz vor Ladenschluss, getroffen. Er hat draußen auf mich gewartet und wir sind zusammen zurück gegangen. Er wohnt in Nr. 25 und ich in 26. An der Haustür haben wir uns verabschiedet: Bis gleich … und oben wieder getroffen. Das ist doch witzig.

Eigentlich wär gestern meine vierte Guti-Gutshaus-Schicht in Folge gewesen, doch meine inständige Bitte nach drei anstrengenden Einsätzen, heute möchte ich frei haben und zu Hause bleiben, ist erhört worden. Ich hab den ganzen Nachmittag tief und fest geschlafen – und heute auch FREI …

Da bin ich gleich mal über die M-Sail-Meile geschlendert und hab einen Stand mit Fairtrade-Thai-Sandalen, ganz herrlich, entdeckt. Hatte aber nicht genug Bares mit und hab gesagt: Ich hol bloß Geld und bin gleich wieder da … Auf dem Weg zum Gelddrucker hör ich einen Pfiff, reagier natürlich nicht, und da ruft jemand Anita! – Lars saß im Schatten neben Früh- und Spätkauf mit Käffchen und Zigarette und hat mir ’n Zehni geborgt. Ich meine Schläppchen geholt und mich dazugesetzt …

20:45 Lars-Special: Ich glaub, heute lass ich die Terassentür offen bei der Wärme, kann ja keiner reinkommen. Keiner, außer ich … Du, da hätte ich kein Problem damit. Das glaubt er ja wohl nicht wirklich, dass ich die Richtige bin für ich hätte kein Problem damit.

Ich weiß nicht genau, was er erlebt hat, doch ich weiß, was ich erlebt hab. Die Erfahrung bleibt die Meisterin des Lebens …

Heute ist Sonnabend, der 1. Juni

Der Monat fängt wetterprächtig an. Wie schön, hab ich eben gedacht, dass ich mein Morgen-Käffchen nicht allein schlürfe, sondern in netter Gemeinschaft mit meinem Terrassen-WG-Partner Lars.

Gestern hab ich was schönes entdeckt und zu ihm gesagt: Komm mal, ich will dir was zeigen … Vor einem Jahr kamen zwei Frauen ins Guti-Gutshaus – eine Fotografin und eine Redakteurin – die unter dem Oberbegriff ODYSSEE Broschüren mit schönen Zielen in Mecklenburg herausgeben. Ich hatte sie in unserem Haus herumgeführt und ausführlich ihre Fragen beantwortet – sozusagen ein Guti-Gutshaus-Interview gegeben. Jetzt liegen die blauen quadratischen Hefte bei uns im Eingangsbereich: ODYSSEE – 25 Touren durch die Mecklenburgische Seenplatte

Davon hab ich eine mitgenommen und mir gestern das Ergebnis angesehen: Tour 7 – Von der Mitte nach Südwesten – Sonntagsbrötchen an der Klinke und Minz-Gelee zum Picknick. Das sind wir. Und jetzt die Überraschung! Zu den idyllischen Fotos ist jeweils ein kleiner Text abgedruckt. Unser endet mit: „Und was gibt es für ein schöneres Kompliment an dieses Haus, wenn die Hauscafé-Angestellte mit dem poetischen Namen Stoffregen voll purer Überzeugung behauptet: Ich bin Mecklenburg-Fan.“

Ich bin namentlich erwähnt, hab ich zu Lars gesagt. Meine lieben Kollegen samt Chefs hatten das auch noch nicht gesehen. Fanden sie süß. Ich bin nicht nur Mecklenburg-Fan, mit Geburtsort Röbel/Müritz bin ich gebürtiger M-Fan … Da freu ich mich!

Dieses Wochenende ist Müritz-Sail, ich geh morgen mal hin … Heute überraschend Guti-Gutshaus-frei!

Heute ist Freitag, der 31. Mai

Heute wird’s wirklich nichts mit meiner schönen Seen-Runde, statt dessen Wasser in der Badewanne. Nach fast zehn Stunden gestern mit reichlich zu tun am Herrentag und heute sehr wahrscheinlich auch wieder – Anja will bis 14:00 Uhr anrufen, ob Bedarf ist – und morgen sowieso, ist nur Schongang angesagt.

Als ich gestern ankam, war Nicole, unsere Frühstücks-Fee, noch da. Sie hat mitbekommen, wie Anja drauf ist, und hat zu mir gesagt: Ich hätte dich ja viel lieber in meiner Schicht, so wie Anja mit dir umspringt. In solche Spielchen steig ich nicht ein und hab gesagt: Sie meint das nicht so. Kommst du damit klar?, hat sie gefragt. Ja, das perlt an mir ab …

 

Heute ist Donnerstag, der 30. Mai

… draus wob die braune Heide sich ein Gewand gar fein und lädt im Festtagskleide zum Maientanze ein … Das Volkslied hab ich im Kopf: Nun will der Lenz uns grüßen. Woher nur – wegen Hochzeit, wegen Herrentag? Wahrscheinlich weil ich dachte, der Text ist aus Komm lieber Mai und mache …

Was machst du heute Schönes?, hab ich Lars gefragt, nachdem ich ihm einen schönen Herrentag gewünscht habe. Was soll ich machen? Mit deinen Kumpels treffen! Die saufen doch eh nur alle, von daher ist es ein Tag wie jeder andere. Nur, dass ich frei hab … Bei mir ist kein Tag wie jeder andere. Die Sonne scheint, es ist Feiertag und auch, wenn ich ihn im Guti-Gutshaus feier, ist er doch herrlich!

Ab 13:30 Uhr Nachmittags-/Spätschicht …

Nach über 9 Stunden und Feierabend sieht der Tag nicht mehr ganz so herrlich aus. Anja ist deutlich überlastet, davon bekomm ich viel ab. Das hat sie wohl gemerkt und gefragt: Sag mal, nerv ich manchmal? Nein – das war nicht gelogen. Ich kann es ausblenden … Die Musik, die da manchmal dudelt, ist auch grenzwertig. Eine gute Gelegenheit zu üben, Zustände auszuhalten. Das war wohl heute für alle nicht der beste Tag. Obwohl die Zeit knapp war, bin ich vormittags noch meine Seen-Runde gefahren. Ob morgen auch, ist fraglich.

Dafür Überraschungsbesuch von Martina mit Wolfgang im Guti-Gutshaus-Cafe. Das war eine schöne Erfrischung!