Heute ist Mittwoch, der 27. Februar

Als ich heute früh um 6 mit der Kaffeetasse auf die Terrasse gegangen bin, hat es nicht lange gedauert, und nebenan ist die Tür aufgegangen und Lars hat sich dazu gesellt und wir haben eine Stunde erzählt. Das macht wirklich Spaß mit ihm, sehr gesprächig.

So, jetzt ist erstmal Seminar – 3 tolle Tage! Wie Kurzurlaub – gute Unterkunft, gute Verpflegung, gute Dozenten. Und dann bin ich Freitagabend wieder hier …

Heute ist Dienstag, der 26. Februar

Zwei Tage und Nächte war ich im Ungewissen, was mich gegenüber erwartet. Als er sich dann gestern vorgestellt hat – sogar mit Lebenslauf – hab ich mich bedankt Oben. Es gab schon weitaus längere Zeiten, in denen ich im Unklaren war … Ein netter Nachbar, das tut gut.

Sigi hat gleich gefragt: Und, wär er was für dich? Ich freu mich einfach nur über nette männliche Gesellschaft. Das hatte ich lange nicht. Er ist jetzt beim Malern und hat mir gezeigt, wie er die Wohnung einrichtet. Zu seinem monströsen Bildschirm in Kino-Format sagt er: Ich guck gerne Filme … Außerdem hat er einen schönen Humor und ist witzig. Es ist ein gutes Gefühl, dass er da ist.

Ich hab ihn gleich mit Du angesprochen – vereinfachtes Verfahren.

Heute ist Montag, der 25. Februar

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen. James Joyces

42 Jahre, ledig, keine Kinder. Hat er mir heute beim Kennenlernen auf der Terrasse erzählt – Lars. Na, da sieht die Welt doch gleich ganz anders aus – die Nachbarschafts-Welt. Jetzt weiß ich, mit wem ich es zu tun habe, bei meinem Gegenüber. Ein sympathischer Mann, offen und freundlich. Und mir sind mehrere Steine vom Herzen, zwei Tage hab ich gedacht: Das kann ja was werden … Wie kommt es denn, keine Altlasten in dem Alter?, hab ich ihn gefragt. Ihm war Party machen wichtiger, sagt er. Da wollte er keine Kinder in die Welt setzen. Jetzt hat er sich die Hörner abgestoßen, meint er. Sicher?, hab ich lächelnd nachgehakt. Ich glaube, wir verstehen uns …

Heute ist Sonntag, der 24. Februar

So ein schöner sonniger Sonntagmorgen mit Glockenläuten … aber da hört’s auch schon auf. Gestern war Einzug nebenan. Das Einzige, was ich vom neuen Nachbarn bis jetzt gesehen habe, ist ein Flachbildschirm, so breit wie die Wand, an der er steht. Er war kaum drin in der Wohnung, da war er schon angeschlossen und seitdem läuft er ununterbrochen …

Die Wohnung stand jetzt 1 Jahr leer – da hätte sonstwer einziehen können. Ein Fernseh-Glotzer ist so ziemlich das Schlimmste, was mir das Universum hätte schicken können. Zu meiner Seelenfamilie gehört Der jedenfalls nicht. Mein Wunsch nach harmonischer und einvernehmlicher Nachbarschaft ist nicht oben angekommen. Ich bin ziemlich geplättet, was Wunscherfüllung im Kleinen wie im Großen betrifft.

Hätte ich nicht wegen Krankheit abgesagt, hätte ich heute Guti-Gutshaus-Schicht …

Heute ist Sonnabend, der 23. Februar

Jetzt flötet schon die Amsel zum Morgenkaffee – heute um halb 6. Meine Schwester hat mir ein Care-Paket mitgebracht, eingepackt in leuchtend rotes Papier und Schleife. Da war drin: Immun-Tee, Salbei-Bonbons, Balsam-Taschentücher, antibakterielles Handgel, Milkyway Crispy Rolls, Rotbäckchen-Saft, Kneipp-Wärmebad und eine Kerze. 22.2. Rot ist die Liebe …

Dann kam eine Mail, dass Stephan, einer der Dozenten des Seminars nächste Woche, erkrankt ist, es aber trotzdem stattfindet. Herzinfarkt, hab ich dann erfahren. Oh Mann! Dann haben die anderen 3 von uns von Notfallbegleitung angefragt, wer fahren kann. Ich wollte auch irgendwo mitfahren und hab den Mail-Verkehr erstmal nur beobachtet. Dann hat sich der Vierte von uns als Mitfahrgelegenheit angeboten und so ist nun erstmal der Stand. Das fängt ja gut an … Die Teilnehmer sind überwiegend männlich und Polizisten. Das bringt meine weiblich dominierte Welt in Schieflage wieder etwas ins Gleichgewicht. Ich will nicht sagen, dass ich mich nur deshalb angemeldet habe, aber auch

Nach einer Woche Krankenstation wird es nächste Woche wieder abwechslungsreicher: Montag Frisör, Dienstag Putzfee, Mittwoch, Donnerstag, Freitag Seminar …

 

Heute ist Donnerstag, der 21. Februar

Der ganze Quark-Strudel ist gegessen. Wenn ich auch noch den Winter über gebraucht habe, um ihn zu verdauen, freu ich mich auf den Frühling mit Appetit auf Sahnehäppchen … Das dauert nicht mehr lange und beginnt schon nächste Woche.

Gestern kam Christa mit Hühnersuppe für die Seele – Komm rein, ich hab grad Herrenbesuch. Der Fensterputzer war grade am Wirken, im Alleingang, ohne seinen Kollegen. Da ist die Mutter gestorben. Ich weiß nicht, wer sich mehr über das Glanz-Ergebnis gefreut hat – er oder ich. Das muss doch gleich nochmal so viel Spaß machen, als wenn kein großer Unterschied zu sehen ist. Stimmt, hat er genauso strahlend bestätigt.

Am Nachmittag hat der Postbote geklingelt und gefragt, ob ich 5 Pakete annehmen würde, für 3 Leute, die nicht da waren. Normalerweise gibt er sie unten bei Wolfgang ab, aber der war wohl auch nicht zu Hause und so hat er sich die Treppen rauf bemüht. Eins davon trug den Vermerk: Nur persönliche Zustellung! Das handhaben sie hier unkonventionell …

Was die Ernährungsumstellung von Quark auf Sahne betrifft: Ich will weg und weiter, doch es hält mich was mit großer Kraft zurück. Es ist nicht konkret und greifbar. Ich fühle es nur. Als wenn er mich nicht gehen lassen will und wir darüber diskutieren.

Du fehlst auf der Treppe, hat Christa gesagt. Sie meint bei unseren Hofgesprächen vor der Haustür …

Heute ist Mittwoch, der 20. Februar

Ich fang doch schon mal an mit Frühjahrsputz, indirekt. Heute kommen die Fensterputzer. Das hat sich gestern bei Terminanfrage kurzfristig so ergeben.

Krankheit ist auch immer für was gut, so kommen einem, wenn man zur Bett-Ruhe kommt, auch Einsichten. Und während sich der Körper reinigt durch Schwitzen, Schlafen und Abtransport von Schlacken, so klärt sich auch der Geist. Nachdem ich endlich – lang, lang hat’s gedauert – nicht mehr der treibende Kern in der Verbindung bin, geht’s jetzt an die Genussmittel – allen voran meine geliebten Dunhill Menthol. Ich weiß, wofür ich sie gebraucht habe und wofür sie auch gut waren. Sie haben ihren Zweck erfüllt – und können gehen.

Das fällt zeitlich günstig – Frühlingsanfang …

Heute ist Dienstag, der 19. Februar

Gestern war Sigi kurz oben. Sie hat gesagt: Du siehst aus, als ob du gegen 10 Mann gekämpft hättst … Das reicht noch nicht. Danach hab ich mich auch gleich wieder ins Bett gelegt.

Ob von der Sonne am frühen Morgen bis zum Mond am späten Abend – der Himmel sieht aus wie in 1001 Nacht. Ich wollte raus gehen und mit Frühjahrsputz anfangen. Das kann ich vergessen. Nächsten Mittwoch fängt mein 3-Tage-Seminar an. Ich kann froh sein, wenn ich bis dahin wieder gesellschaftsfähig bin.

Manuel hat Gürtelrose. Sagt er. Was mich nicht wundert, bei dem Lebenswandel. Er war schon mal auf einem guten Weg. Jetzt macht er genauso weiter, was sein exzessives Sex-, nicht Liebesleben betrifft. Davon grenz ich mich ab, hab ich gesagt. Ja, dann grenz dich ab. Ich bin ein Kerl, ich brauch was für untenrum. Dann frag dich mal, warum du das brauchst. Wenn alle Kerle so wären, wär die Welt ein trauriger Ort. Sex von der Stange, nur keine Nähe. Das muss am Beruf liegen …

Heute ist Montag, der 18. Februar

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Nicht ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt. Dalai Lama

03:55 Ich huste mir die Seele aus dem Leib und stell fest, meine Codein-Tropfen gegen Reizhusten sind alle. Die einzigen, die helfen, ohne dass sich der Hustenreiz in Heiserkeit verwandelt. Leider rezeptpflichtig, und ich hab keine Lust, die überbordenden Wartezimmer aufzusuchen. Schlecht organisiert, wenn man dann, wenn man was braucht, feststellt, dass es alle ist …