Heute ist Dienstag, der 23. Januar

Hört meine Worte und bezeugt meinen Eid. Die Nacht sinkt herab, und meine Wacht beginnt. Sie soll nicht enden vor meinem Tod. Ich will mir keine Frau nehmen, kein Land besitzen, keine Kinder zeugen. Ich will keine Kronen tragen und auch keinen Ruhm begehren. Ich will auf meinem Posten leben und sterben. Ich bin das Schwert in der Dunkelheit. Ich bin der Wächter auf den Mauern. Ich bin das Feuer, das gegen die Kälte brennt, das Licht, das den Morgen bringt, das Horn, das die Schläfer weckt, der Schild, der die Reiche der Menschen schützt. Ich widme mein Leben und meine Ehre der Nachtwache, in dieser Nacht und in allen Nächten, die da noch kommen werden.

Der Eid der Nachtwache. Game of Thrones.  Das Lied von Eis und Feuer, so der Buchtitel. Schade, ich seh grad die letzten Folgen von Staffel 7. Dann heißt es, lange warten – auf die 8. und letzte Staffel. Jon Schnee war Lordkommandant der Nachtwache. Ich wollte mir schon das Poster von ihm in der Funktion bestellen und neben meinem Bett anbringen. Damit er meine Nacht bewacht – und er sieht unverschämt gut aus. Aber auf eine andere Art – er berührt was im Inneren. Nein, er soll nicht vor meinem Bett knien.

Die Brüder der Nachtwache heiraten nicht, weil die Liebe der Fluch der Ehre sei und der Tod der Pflichten.

Heute ist Montag, der 22. Januar

Neuer Montags-Gelassenheits-Spruch: Es gibt Wichtigeres im Leben, als nur sein Tempo zu beschleunigen.

Richtig. Deswegen entschleunige ich es. Das halt ich für wichtiger. Heute hab ich bis Mittag im Bett gelegen und den Luxus genossen. Ich hab mir vorgestellt, wir leben es und sind vereint. Normalerweise mach ich das nicht mehr, aber nun ist Eros gerade im Rausch. Als Du willst, dass wir … liege ich quer über dem Bett, Kopf auf dem Arm, und sage zu dir: Wir haben Zeit – es ist egal, ob heute oder morgen oder nächste Woche oder nächsten Monat. Lass uns das Präludium auskosten …

Als Manuel mich angerufen hat, hab ich gesagt, ich weiß heute kein Thema. Fällt dir eins ein? Vibroshaper – schreib über die Platte! Ach, das ist mir zu nüchtern. – Nein, die ist doch schön orange, und du kannst ja schreiben, dass wir alle drei eine haben. – Na, mal sehen – nur, wenn mir nichts besseres einfällt. Und mir ist das siehe oben eingefallen, das halte ich für allemal besser. Die Fitness-Platte würde immer nur an zweiter Stelle bei mir stehen. Unter guter Vibration verstehe ich was anderes. Das hab ich auch Manuel so gesagt und er hat gelacht. Maik hab ich es natürlich nicht gesagt.

Bis auf nächstes Jahr hab ich es nicht ausgedehnt. Und auf nächsten Monat auch nur, weil dieser nur noch 10 Tage hat …

 

Heute ist Sonntag, der 21. Januar

Ja, es ist Sonntag. Aber sonnig ist er nicht. Ich meine nicht den dichten Nebel. In der Nacht hab ich die Mitteilung bekommen, dass sich der Sohn einer Frau, die mir nahe steht, aus dem Leben verabschiedet hat, freiwillig. Sein jüngstes Kind ist gerade erst ein Jahr alt. Ich kenne ihn und hatte ihn sehr gern. Vor ein paar Jahren musste sie es schon mal erleben, mit ihrem anderen Sohn. Er hat damals noch ihre beiden Enkelkinder mitgenommen. Was kann es Schlimmeres für eine Mutter und einen Vater geben, wenn ihre Kinder vor ihnen gehen – und das nicht durch unwillkürlichen Tod, sondern durch willkürlichen? Mitgefühl klingt da wie ein hohles Wort – auch, wenn ich selbst zwei Kinder habe.

Ich hab es Maik geschrieben. Hattest du schon mal ähnliche Gedanken?, fragt er. – Nicht so – ich hab manchmal schon gedacht, ich hab hier nichts mehr zu tun, und da wär es auf der anderen Seite vielleicht auch ganz schön. Das ist was anderes, aber ich würd mich nicht selbst … Leben wird gegeben und genommen. Das selbst zu tun, ist nicht mein Glaube. Und ich würd es niemals meinen Kindern antun, weil ich weiß, was schon Tod der Eltern bedeutet. Freitod würd ich ihnen nicht zumuten und mir selbst nicht anmaßen.

Manuel kennt sie auch. Ihm habe ich es erst heute Vormittag am Telefon gesagt.

Heute ist Sonnabend, der 20. Januar

Ich wehr mich dagegen, dass er mich auf Sex reduziert. Der gestrige Venus-Freitag hat sich dafür angeboten. Und ich erinnere ihn daran, dass unser Abkommen nicht mehr besteht. Ich bin eine Frau, Maik – kein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Das stößt auf taube Ohren bei ihm, aber wenn nur das ankommt, ist es schon was …

Gestern bat mich mich meine Unter-Nachbarin zu ihr zu kommen. Sie wollte mir was geben. Sie hat sich am Strick-Stand auf dem Markt eine Mütze mit Schal in Regenbogen-Farben gekauft. Das steht ihr nicht, meint sie, und deshalb will sie es mir schenken. Sie ist eine interessante und schöne Frau, auch im höheren Alter noch – und krank. Sie wohnt noch nicht so lange hier. Ursprünglich aus Berlin, ist sie hergezogen, weil ihre Tochter hier lebt. Ihr Mann ist nur selten hier und hat sich vor einigen Tagen wieder für längere Zeit verabschiedet. Er lebt auf dem Wassergrundstück in Berlin. Davon hat sie mir Bilder an der Pin-Wand gezeigt und gesagt, das vermisst sie. Wir haben hier auch Wasser und hier ist es auch sehr schön, hab ich gesagt. Ihre Wohnung, die ich zum ersten Mal gesehen habe, ist fantasievoll eingerichtet. In meinem Stil – nur alles neu und hell, viel weiße Möbel und schöne Bilder an den Wänden. Sie will nichts für die Stricksachen : „Ich habe Alles – Zusammen Kaffeetrinken wär schön …“

Heute ist Freitag, der 19. Januar

Gutes Leben 2018 – Inspirationen für das beste Jahr Deines Lebens!, steht über einer E-Mail von Veit Lindau. Das beste Jahr meines Lebens … Ich hab alles – nur keinen Sex. Das, was mir mal am wichtigsten war, hab ich geopfert. Wenn es nicht wichtig gewesen wäre, wäre es kein Opfer. Doch wem geopfert und wozu? Ihm?, mit dem ich mal eine Absprache für Sex-Treffen hatte, und um nun hier Blog zu schreiben …?

Sigrid von unten im Haus meint: Du bist nicht leicht zu haben, und das erregt ihn. Ich war für ihn leicht zu haben, aufgrund unseres Agreements. Das macht nicht gerade erotisch anziehend. Und jetzt bin ich nicht nur nicht leicht zu haben, sondern gar nicht. Das weiß er und er weiß auch warum. Da bleibt ihm nicht viel Raum für Erregung, außer in Erinnerungen zu schwelgen.

Sigi hat mir ein Buch zu Weihnachten geschenkt: Herzen im Schleudergang. Sie hat ein Foto von ihrer besseren Hälfte reingelegt, ihm 3 goldene Haare auf den Kopf geklebt und dazu geschrieben: Ich bin der Teufel Wölfilein, mit den 3 goldenen Haaren. Von mir gewähr ich dir 3 Wünsche frei:

  1. goldenes Haar – Soll der Wunsch Deiner sein!
  2. goldenes Haar – Ewige Jugend, auch im Alter, sei Dir gewährt!
  3. goldenes Haar – Dein heißester Wunsch, den Du noch hegst,
    soll in baldiger Zeit in Erfüllung gehen!

Ja, sie lässt sich immer was Schönes einfallen …

 

Heute ist Donnerstag, der 18. Januar

„… Als sie rein kam, war er gleich angespannt.“ Manuel ist ein sehr guter Beobachter, und wenn er das sagt, dann stimmt es. Ich bin auch ein guter Beobachter mit der Spezialität Fühlen. Ich sehe, was um mich herum passiert und registriere es – mehr erstmal nicht. Zeit zum Handeln ist später. Lange hab ich damit gehadert, dass ich nur das für ihn bin. Bis ich erkannt habe, ich war viel mehr für ihn, als seine Frau es Ist.

Von den letzten Jahren war ich müde und erschöpft. Jetzt fühle ich die neue Frische und Schönheit des Jahres von Anfang an – intensiv. Ich bin wieder offen für Wunder, was ich kaum noch für möglich gehalten habe. Dazu war es nötig, mir zu sagen, jetzt habe ich mein ganzes Leben Zeit, mich damit zu arrangieren, dass es so ist, wie es ist.

Fast jeden Tag passiert was Schönes, auf die eine oder andere Art. Und gestern gab es ein mittleres Wunder. Meine Tochter hat angerufen und wir haben eine dreiviertel Stunde erzählt. So, wie unser Verhältnis früher war, bevor ich hierher gezogen bin. Sie haben sich ein Haus gekauft, im Landkreis, und bauen es jetzt um und aus. – „Ja, Mutti, irgendwann muss man ja anfangen, wenn man noch Kinder will …“ Sie ist 37, ihr Mann 40.

Maik loslassen können und ihn gleichzeitig fühlen – ist ein großes Wunder …

Heute ist Mittwoch, der 17. Januar

Am Sonntag bei meiner Schwester hatten wir auch das Thema Geld. Was ist das für eine Energie?, hat sie gefragt. Auf jeden Fall eine männliche, hab ich gesagt. Montag fand ich im E-Mail-Eingang einen Link von ihr zu einem Online-Geld-Coaching-Kurs – Subliminale Botschaften für größeren Wohlstand mit Radionischer Tachyonenenergie bestrahlt! Ich hab keine Muße, mich damit zu befassen, schrieb sie, aber Du wirst mir bestimmt davon erzählen. Werd ich bestimmt Nicht. Radionische Tachyonenenergie – klingt wie Atomkrieg  …

Ich glaub nicht, dass Venus das fördert. Sie fördert Schönheit, Liebe, Anmut, Sanftheit, Freundlichkeit, Verständnis, Diplomatie – die schönen Seiten des Lebens. Dafür hab ich Muße und dem wende ich mich in diesem Jahr zu. Gestern Abend, als ich schon geschlafen hab, kam eine SMS von Manuel. Er war bei Maik und hat ihm auch seine Vibroshaper-Rüttelplatte vorgestellt. Er kauft sie sich auch, hat er mir geschrieben, hab ich heute morgen gelesen. – „Na klar, good morning“, war meine Antwort. Eben hat er mich angerufen und gesagt, als er gestern gehen wollte, kam seine Frau rein. „Und weißt du, was krass ist? Sie hat auch lange Haare wie du!“ Sollte ich sie mir vielleicht doch wieder abschneiden …?

Unsere Hexen-Schulmeisterin hat mal über die Dreiecksgeschichte gesagt: „Nur Du kommst dabei bisschen schlecht weg – dann stockt sie: Äh, das weiß ich noch nicht …“ Ich weiß es auch noch nicht – aber bald …

Heute ist Dienstag, der 16. Januar

JULI: Deine übersinnlichen Wahrnehmungen entwickeln sich gut. Vertraue auf deine Intuition und deinen Instinkten. Wichtig: Achte auf deine Träume, Symbole und Omen!

Das hab ich in fb gefunden – die Geister-Orakel-Karte für den Geburtsmonat. Ja, ich achte so sehr darauf, dass mir das wesentliche Praktische entgeht, hab ich festgestellt. Gestern wollte ich mir die Anschrift der Krankenkasse raussuchen und finde dabei in einem Schreiben von November! – in dem auf Seite 1 die alljährliche Beitragserhöhung fixiert ist und der noch hundert Seiten Kleingedrucktes folgen, das ich nie lese – im Anhang was Wichtiges: Eine Umstellungsmöglichkeit vom Standardtarif auf Basisabsicherung, der 75 Eu unter dem neuen Monatsbeitrag ab Januar liegt. Mit dem Zusatz „Noch ein wichtiger Hinweis: Bei einer derartigen Vertragsveränderung verringert sich in der Regel auch der Leistungsumfang.“ Da ich sowieso keine Leistungen der privaten KV in Anspruch nehme, kann mir das egal sein. Ich hab mich gleich ans Telefon gehängt und hab ab sofort 75 € netto mehr. Solche Einkommenserhöhungen sind mir am liebsten, für die ich nichts tun muss …

Die 2. einfache Möglichkeit wär zu heiraten. Das ist nicht ganz ernst gemeint, aber auch nicht ganz abwegig. Der Ehegatten-Zuschlag macht im öffentlichen Dienst, auch a. D., schon mal einen Tausender im Jahr aus. Über den Sinn braucht man nicht nachzudenken, ist so Gesetz. Nur bin ich kein Mann und kann schlecht sagen: Maik, willst du meine Frau werden?

Heute ist Montag, der 15. Januar

Neuer Montags-Spruch der Gelassenheit: LERNE LOSZULASSEN – Das ist der Schlüssel zum Glück.

„Zu deinem Foto will ich dir noch sagen, so meinte ich das nicht, ein Mann, der eine Frau will, kann es ihr auch zeigen. Vielleicht denkst du dran, bevor du mir nochmal eins schickst.“ – „Ich weiß.“ – Das war unsere einzige Unterhaltung gestern Abend. Ich hab mich das ganze Wochenende schlecht gefühlt damit und hab nach den richtigen Worten gesucht, ihm zu sagen, wie es mir damit geht – ohne ihn zu verletzen oder abzuwerten. Ich hab mich hingegeben, nicht hergegeben. Venus, die Regentin dieses Jahres, ist Schönheit, Anmut und Liebe. Und: Mehr Glück, Gesundheit, Geld und ganz viel Liebe – Venus verspricht himmlische Aussichten – so der Untertitel für das Jahres-Horoskop 2018. Lass dich überraschen …

Gestern nachmittag war ich bei meiner Schwester zum Neujahrs-Tee. Wir sind im Schlosspark spazieren gegangen, bei schön knackiger Kälte, und haben die Sonne als leuchtend großen Feuerball untergehen sehen – flammendrot. Drinnen dann warme Gemütlichkeit mit Kerzen und Reden. Das war herzerwärmend und familiär.

Maik lernt von mir was über Liebe – ich von ihm was über die Bedeutung von Geld. Er ist der männliche Teil der Seele, ich der weibliche. Ich denk, wir machen es beide so gut, wie wir können. Manchmal würde ich es mir einfacher wünschen, aber wir sind im lebendigen Austausch und so auf einem guten Weg …

Heute ist Sonntag, der 14. Januar

Ich hab am Freitag was gemacht, eine symbolische Handlung. Nachdem ich schon meinen goldenen Ehering versilbert habe, ging jetzt meine goldene Halskette über den Ladentisch, in umgekehrter Richtung – von mir zum Juwelier. Ich hatte vorher angerufen, ob er Gold auch als Schmuck aufkauft, nicht nur als Altgold. – Muss ich sehen … von 2 Goldketten und einem paar goldener Kreolen – ich trag keinen Goldschmuck mehr – hat er sich für eine Kette interessiert. Der Zeitpunkt war wohl nicht gerade günstig gewählt, der Meister kam gerade vom Zahnarzt – oder vielleicht doch, gerade deswegen – er war verletzlich. „Mit der Kette hat mir mein Ex-Ehemann einen Heiratsantrag gemacht“, erkläre ich ihm, als er sie sich genauer unter die Lupe nimmt. „Wenn es 333er Gold wäre, wär es mir lieber.“ – „Warum?“ – „Weil ich sie dann besser verkaufen kann.“ – „Dann wäre es keine Kette für einen Heiratsantrag. Die Touris kommen und sie wird schon einem gefallen.“ – „110 Euro – das ist ein guter Preis!“ – „Okay“, guter Preis zumindest für dich, denk ich. Als er mir die Scheinchen gibt, sag ich – 111 wär eine Glückszahl. Er kramt in seinen Taschen – sowas geht hier nicht über Kasse – und legt mir noch einen blanken Glücks-Taler obendrauf.

„Vielleicht sollten wir es bei Gelegenheit …?“ Vielleicht hätte ich sogar versucht, ihn dazu zu verführen und vielleicht wäre es mir sogar gelungen – wenn es nur irgendwie in meinem Sinne gewesen wäre …