Heute ist Sonntag, der 22. Dezember

Sonntag halb 9 – Nebelmarkt und Glockenläuten. Gestern war meine Schwester erst zum Kaffee hier und dann waren wir bei ihr in der TAO-Schule zum Konzert von 18 – 19:30 Uhr. Das war ein kleiner harmonischer Kreis. Die Sängerin und Gitarristin hat eine begnadete Stimme. Am Tag zuvor hat sie vor den Aikidoka-Kindern und Jugendlichen gesungen. Es war mucksmäuschenstill, hat meine Schwester gesagt. Sie ist spirituelle Klangtherapeutin. Das war ein besonderes Erlebnis. Aus der TAO-Schule soll eine alternative ganzheitliche Lebens-Schule werden – das ist die Vision meiner Schwester, die im Entstehen ist. Hinterher gab es Tee: Chinesischer Liebestraum, der den ganzen Raum mit seinem Duft erfüllt hat, und schöne Gespräche unter Gleichgesinnten, die alle auf ihre Weise dazu beitragen, die Welt zu einem noch schöneren Ort zu machen.

Heute ist Sonnabend, der 21. Dezember

Einen schönen Liszpel-Akszent hab ich jetszt mit dem Proviszorium im Mund. Mit dem Zahn hab ich mich schon angefreundet, fühlt sich an wie mein eigener. Nur die Platte, an der er dranhängt, klebt wie ein Dauerlutscher am Gaumen, wie bei einem künstlichen Gebiss. Das möcht ich manchmal ausspucken. Zuerst hab ich mir immer noch mit der Hand an den Mund gefasst und erklärend gesagt: Ich hab’n Zahnersatz … Aber weil das Wort 3 Z- und S-Laute hat, hab ich es sein gelassen. Jetzt macht mir das fast sogar Spaß – meine neue Mundart.

Gestern hab ich alles eingepackt – die Wichtelgeschenke. Dafür hab ich fast den ganzen Tag gebraucht. Das hat Spaß gemacht und wird bestimmt lustig – anders als die ewig gleiche Geschenke-Überhäufung. Ich hab trotzdem für alle was Schönes gefunden – also kein Schrott-Wichteln. Tamina hab ich geschrieben: Jonti soll auch würfeln – ihr könnt ja schon mal mit ihm üben … Machen wir, Lach-Smiley!

Sie hat neulich auf WhatsApp angefragt, was das für eine Kaffeesorte ist, die ich Michael immer mitbringe – aus Tete a Tee & Cafe, der Müritzer Kaffeerösterei hier am Kietz, wird auch in EDK verkauft. Ihren Eltern schmeckt der auch sehr gut und sie wollen ihnen 2 Packungen davon online bestellen. 100 % Braszil-Arabica

Vorher hatte ich ihre Nummer gar nicht und hab immer nur mit meinem Sohn kommuniziert. Das ist jetzt eine Annäherung Schwiegermutter-Schwiegertochter …

Heute ist Freitag, der 20. Dezember

Mein Wohnzimmer sieht aus wie die Weihnachtsmann-Zentrale in Himmelpfort mit all den Geschenken, die ich schon bekommen habe und noch einpacken will.

Gestern Nachmittag war Haus- und Hof-Bescherung mit Aniko und mir bei Sigi und Wolfgang unten. Vormittags war ich noch die restlichen Geschenke besorgen, dann wollte unsere Chefin einen Tag vorfristig schon die Stundenaufstellung für den Monat. Als ich grad dabei war, kam meine liebe Kollegin Anja auf einen Kaffee. Sie war in Alanya zum Haare scheren und im Body-Toaster Altstadt-Center. Das hat dann länger gedauert, weil sie mir noch ihr Leid geklagt hat, mit ihrem Vater – mit Verlesen des gesamten E-Mail-Verkehrs dazu Das ist eine längere und andere Geschichte.

Auf die Schnelle ist mir doch dabei ein Tag untergegangen, was mir gleich komisch vorkam, so dass ich heute früh nochmal die korrigierte Fassung hinterher geschickt habe. Die Geschenke für die Nachmittags-Bescherung hatte ich auch noch nicht eingepackt, als sie kam, ich wollte sie aber nicht abwürgen, weil ich gemerkt habe, wie die Sache ihr zu schaffen macht.

Bescherung: Du bekommst was Nützliches, hatte Sigi mir prophezeit, was du gebrauchen kannst. Na, was das wohl sein mag? Was brauch ich denn? Doch wohl keine Handtücher?, hab ich beim Befühlen des Pakets gehofft. Es war eine schöne altrosa-farbene Kuscheldecke. Schön bis auf den Zusatz: Ich hab gedacht, du brauchst mal was Ordentliches! Das zielte auf meine schöne blaue, leichte, aber wärmende Wolldecke von Ikea ab – die übrigens auch eine Geschichte hat. Unsere Meinungen über was Ordentliches driften auseinander – was Material, Qualität und Preis angeht. Aber die von ihr ist auch ganz gemütlich und kommt ins Schlafzimmer …

Heute ist Donnerstag, der 19. Dezember

Die Weihnachtsfeier von Guti-Gutshaus gestern in Untergöhren, Fleesensee, war sehr schön. In Susannas Bar mit Bowling wie im vergangenen Jahr. Nur diesmal zusätzlich mit Wichteln. Das war eine schnelle Sache. Alle haben gewürfelt, sich ein Geschenk ausgesucht, und jeder wollte seins behalten und nicht mehr tauschen. Somit fielen weitere Würfelrunden aus. Ich hab einen hübsch verpackten Bunten Teller mit 3 Sorten Tee – mein Lieblings-Tea Earl Grey, Himmelszauber! und Weihnachts-Tee, dazu eine Tafel Schokolade und eine wundervolle Kerze. Alles, was ich brauche. Beim Bowlen hab ich trotz Zahn-Handycap einen guten 4. Platz geschafft von 12. Unser Chef-Ehepaar hat sich mit einem Lindt-Weihnachtsmann für unsere in der Saison erbrachten Höchstleistungen bedankt und erkenntlich gezeigt – und der kam nicht mit leerem Sack – Ho, ho, ho! Ja, schön war’s …

Eine freudige Überraschung gab es obendrauf, als Carmen Sternchen mich gefragt hat: Hab ich dir schon gesagt, dass ich Silvester auch arbeite?

Heute ist Mittwoch, der 18. Dezember

Kein Nikotin, kein Alkohol, kein Kaffee, kein schwarzer Tee – für die nächsten Tage. Und wie geht es ohne Rauchen?, hat Manuel gefragt. Das geht, da bin ich nur froh, dass das ganze Gift endlich rauskommt. Eher denke ich an Käffchen …

Es geht ohne Rauchen, wird sind alle geborene Nichtraucher, hab ich mir gesagt. Aber was richtig rein haut, ist – was ich dann sehe, wenn ich den Schleier der Betäubung wegziehe. Wenn ich das wegnehme, was mir vorgegaukelt hat, ich komm doch gut klar mit der Situation, wie sie ist: Abends Wein zum Einschlafen als Abendritual und reichlich Zigaretten über den Tag verteilt. Es ist eine eiternde Wunde, die darunter liegt …

Da muss Luft ran, damit sie heilen kann. Das heißt, dass ich mich dem stelle, wie es mit uns ausgegangen ist und es noch in diesem Jahr in Ordnung bringe – ohne Drogen und Beschönigung. Aber auch, ohne es auszuradieren – es geht um Bereinigung.

Und es sind nochmal schmerzhafte Kindheitsthemen dabei – wie wurde ich geliebt und angenommen?

Heute ist Dienstag, der 17. Dezember

Geschafft! Alles gut gegangen und es war auch auszuhalten – sogar mit Wunschmusik. Ich hab mir Morgenstimmung von Edvard Grieg ausgesucht – das fand er auch schön. Hinterher hat er gesagt: Hat Spaß gemacht! Beim Röntgen hat die Assistentin gefragt: Schmuck, Ketten, Ohrringe? – Nein – Schwanger? – Ich hätte fast ja gesagt – ich meine, auch wenn man sich im Alter verschätzen kann, das sieht man doch wohl, dass ich aus dem gebärfähigen Alter raus bin. Danach hab ich mir die Medikamente aus der Apotheke geholt, Schmerzmittel und Antibiotikum, und bin geschlafen gegangen – bis heute früh.

Heute um 11 ist Kontrolluntersuchung und danach bin ich wieder im Bett. Nicht im Mund tut es mehr weh, der ganze Körper ist wie platt gewalzt nach der Strapaze.

Morgen ist Guti-Gutshaus-Weihnachtsfeier mit Bowling – ob ich dazu schon in der Lage bin, ist fraglich. Anstrengung soll man möglichst meiden. Abwarten, wie es morgen aussieht …

 

Heute ist Montag, der 16. Dezember

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Kein Feuer kann sich mit dem Sonnenschein eines Wintertages messen. Henry David Thoreau

Dazu optisch schneebedeckte Berggipfel im Sonnenlicht. Tage mit Sonnenschein gab es nur vereinzelt seit einem Monat in einer langen Folge von Regentagen. So wie eine Orange unter lauter Zitronen.

Ich werd an was Schönes denken nachher beim Zahnarzt – an einen warmen Sommertag am See …

Heute ist Sonnabend, der 14. Dezember

Mitten in der Nacht bin ich aus einem Traum aufgewacht, bevor er zum Alptraum werden konnte. Hatte mit Sex und Folter zu tun. Sowas kenn ich gar nicht – Alpträume. Ich denk, wenn ich den Zahnarzt-Termin Montag hinter mir hab, geht es mir auch wieder besser. Zähne stehen als Traumsymbol für Sex – dann passt das auch.

Warum hab ich keinen Mann, der mich jetzt in die Arme nimmt, wo ich Beistand brauche? Dafür noch eine Zusatz-Guti-Gutshaus-Schicht heute Abend, die ich überhaupt nicht gebrauchen kann und für die ich gar keinen Kopf habe. Manuel will heute kommen, das sag ich ab. Wir verschieben es auf morgen oder besser gleich ganz auf nächste Woche.

Heute ist Freitag, der 13. Dezember

Mittwoch nach der Weihnachtsfeier wollten Carmen, Ramona und ich uns noch einen Glühwein zu Gemüte führen. Abends halb 10 in Waren – aussichtslos. Dabei sind wir über den Markt gegangen und ich hab verkündet: Guckt mal, unser schöner kleiner Weihnachtsmarkt ist aufgebaut … Schön ja, hat Carmen gemeint, aber es ist immer das gleiche – immer die gleiche Bude an der gleichen Stelle. Das nennt man Beständigkeit, hab ich gesagt.

08:00 Uhr Glockenläuten von Georgen- und Marienkirche, auf dem Markt leuchten der Weihnachtsbaum und die Große Pyramide, das Brauereiauto von Lübzer beliefert den Ratskeller, Möwen fliegen durch das Bild auf der Suche nach einem Frühstück und über allem prangt rechts außen auf himmelblauem Untergrund das Vollmond-Rund …