Heute ist Freitag, der 9. November

Reeschen – und erstmals nebliger Novembertag. Da komm ich mal zu Hausarbeit. Mein Töchterchen wird heute 38! Morgen feiert sie …

Bei der Besinnung auf das, was mein Glück ausmacht, komm ich – neben meinen Kindern – darauf: Ich muss nirgendwo mehr hin und arbeiten. Ich tu es – aber ich muss es nicht. Ich kann mich voll und ganz meiner spirituellen Laufbahn widmen – meinen Karten und was es sonst noch alles gibt. Nur für ein Fünftel meines Einkommens schwing ich meine Hüften in Guti-Gutshaus, der Rest fällt mir in den Schoß. Dafür hab ich 30 Jahre in einem unpassenden Job „gedient“ und ausgeharrt. Das sichert mir jetzt meine Brötchen. Dagegen sind 12 Jahre in meiner unstimmig gewordenen Herzensverbindung fast nur ein Moment … Ich brauch für alles lange: Job loslassen 30 Jahre, Ehe loslassen 20 Jahre, Herzkönig 12 Jahre. Doch alles dauert so lange wie es dauert, und so bin ich jeweils zur rechten Zeit gegangen.

Ich bin keine verschwommene Erinnerung – außer für ihn vielleicht – und will auch keine sein – ich bin lebendig und real und gegenwärtig!

 

Heute ist Donnerstag, der 8. November

Gestern Abend kam meine süße Carmen noch unverhofft zu einem Überraschungsbesuch, und wir haben es uns bei Kerzenschein und Redwine gemütlich gemacht und erzählt bis halb elf …

Nachmittags bin ich mal wieder um’n See gekurvt mit Fahrrad. Bin völlig aus der Übung! Sogar auf dem Radweg Baustelle und Umleitung! Vorher Mittagessen im Altstadt-Center, dann hab ich ein paar schöne, hohe weinrote Winterstiefel entdeckt, die mit wollten. Was selten ist hier. Doch ab und zu finde ich was Schönes, wie neulich ein herrliches Sommer-Rosenkleid. Manuel sollte sein Urteil dazu abgeben: Schönes Nachthemd! 9,95? – Du Blödmann! Schnäppchen, 35 statt 70. Das ideale Guti-Gutshaus-Kleid – locker, leicht und fluffig für heiße Sommertage …

Ja, so muscher ich umher, mach hier was und da was, find was Schönes und lass es mir gut gehn – Freitag Massage bei Tam und abends mit Carmen zu Marlene Jaschke im Bürgersaal – genieß das schöne Wetter – und komm zur Ruhe.

„Nie wieder vielleicht“ heißt das Programm, für das mir Carmen die Karte zum Geburtstag geschenkt hat. Passt wunderbar zu mir …

 

Heute ist Mittwoch, der 7. November

Meine Exclusivität ist ihm abhanden gekommen – und damit Ich. Was er mir gezeigt hat, ist: Du bist durch x-beliebige andere austauschbar. Das bin ich eben nicht. Deshalb wende ich mich ab und gehe.

Gestern hab ich meiner Freundin Silvi am Telefon erzählt, was sich in der Zwischenzeit alles ereignet hat. Und dass Maik mit Bike am Sonntag neben Manuel an der Kreuzung stand, wo sie sich doch ewig nicht gesehen haben. Und gerade dann, als Manuel von mir kam, steht er plötzlich neben ihm. Irgendwie drängt er sich immer wieder ins Bild … Davon lass ich mich nicht beeinflussen.

Das war nicht der Grund, aber die Motivation – sich von seiner Frau zu trennen, hat er zu Manuel gesagt, zum geplanten Einzug bei der Chirurgin. „Oje, das sieht nicht gut aus – bei ihm“, hat Silvi gesagt – „für die kaltherzige Frau konnte er sich entscheiden, für die warmherzige nicht.“ Sie hat gedacht, er trennt sich nie von seiner Frau.

Ich war beides nicht – weder der Grund, noch die Motivation.

Heute ist Dienstag, der 6. November

Youtube: Heart&SoulReadings: Der Schmerz NACH dem Loslassen berührt erst die Urwunde – Der Stachel des Skorpionmondes. Das war heute mein Frühstücksfernsehen, puuuuuuuhhhhhh …

Es gibt einen Schmerz nach dem Loslassen, der dann auftritt, wenn du merkst, dass er nicht um dich kämpft. Loslassen ist nur die halbe Arbeit, der zweite Teil ist nochmal so schwer. Durch dieses Tal der Enttäuschung – Es gibt kein Leben gemeinsam mit ihm – musst du noch gehen, diesen Schmerz noch fühlen, bevor du in deinem vollen Glanz erstrahlen kannst. Sehr berührend war es auch, die treffenden Kommentare zum Video zu lesen. Ich bin nicht alleine in dieser Situation.

Edeka verteilt diese Woche Glückskekse mit dem Aufdruck: Liebe lohnt sich!

 

Heute ist Montag, der 5. November

JETZT neuer Montags-Gelassenheitsspruch: Das wahre Glück besteht nicht in dem, was man empfängt, sondern in dem, was man GIBT. Johannes Chrysostomus

Dazu ein Bild mit Lichtern. Im Vordergrund zwei brennende Kerzen, von denen die eine sich der anderen zuneigt. Bei uns beiden war ich die rechte Flamme … Ich hab meine Zuneigung gezeigt. Ich hab viele Schläge kassiert und immer noch die andere Wange hingehalten, doch dieser eine, letzte Schlag – der war zuviel! Das lag neulich in einem Kartenbild. Das könnten meine Worte an ihn sein.

Es geht das ganze Jahr um Selbstliebe, Selbstachtung und Selbstwert und -Wertschätzung. Er hat mir reichlich Gelegenheit dazu geboten, das zu entfalten. Schmerzlich zwar, doch effektiv.

Heute ist Sonntag, der 4. November

Fliegender Wechsel – ich bin nach Hause gekommen, Manuel ist gefahren, gleich danach kam meine Schwester. Als er wieder in Rostock war, hat er angerufen: Ich bin wieder zu Hause und stell dir vor: Ich steh an der Steintor-Kreuzung an der Ampel und wer steht neben mir mit Motorrad? Maik … Er nennt ihn immer mit Vor- und Zunamen. Zum ersten Mal, dass sich nichts in mir regt.

Oder anders – Gleichmut. Eher so, als hätte er gesagt: Dein Mann stand an der Kreuzung neben mir. – Ah ja …

Jetzt Feierabend genießen!

 

Heute ist Sonnabend, der 3. November

Heute nach Guti-Gutshaus hab ich Manuel mal einen anderen schönen Teil vom Nationalpark gezeigt – Eingang Groß Dratow. „Wer fährt?“, hat er gefragt. – „Ich, dein Auto ist nicht straßentauglich.“ Damit mein ich sein flachgelegtes MX 5 Cabrio. Anschließend waren wir schön in der Hochzeitsschmiede essen – er wieder Steak vom heißen Stein – ich Feta, gebacken … Die Wirtin konnte sich daran erinnern, dass wir im Sommer schon mal da waren.

Heute ist Donnerstag, der 1. November

Fast hätte ich schon den neuen Kalenderwochen-Gelassenheitsspruch geschrieben, weil ich dachte, es ist Montag nach dem Feiertag. Ich hatte schon umgeblättert. Ein schönes Foto, dazu kann ich was schreiben am Montag …

Manuel kommt erst heute – er war unpässlich. Er fühlt sich zur Zeit überhaupt nicht gut und schleppt schon seit er vor 14 Tagen hier war, einen unterschwelligen Infekt mit sich rum. Er überlastet sich arbeitsmäßig permanent – letzten Freitag 13 Stunden Praxis! – dazu kommt noch seine Feinfühligkeit. Er saugt die Energien anderer Leute – wie ich auch – wie ein Schwamm auf. Nur dass ich keinen stressigen Arbeitsalltag habe und genug Zeit und Muße, mich täglich neu einzupendeln, um zumindest in die Nähe meiner Mitte zu kommen.

Gestern hab ich meinen Kindern Happy-Whatsapp-Halloween gewünscht. Tochter und Schwiegersohn bauen emsig am Haus, und mein Sohn hat mir ein Kurz-Video geschickt: „Wir haben einen neuen Mitbewohner!“ Seine Tamina hatte mir beim ersten Treffen erzählt, dass sie sich einen Hund wünscht. Auf dem Bild hoppelt aber ein Hase rum. „Welche Hunderasse ist das? Und wie heißt er? Karl Nickel?“ – „Greg“ – Weiter hat er geschrieben: „Danke übrigens für deine liebe Post. Wir haben den Ikea-Gutschein gut angelegt.“ – „Deshalb heißt es Gutschein!“ Außerdem hatte ich beiden Sprösslingen eine Ansichtskarte vom Hexentanzplatz geschickt, weil mir alles, was man in die Hand nehmen und anfassen kann, tausendmal lieber als Digital-Fotos ist. Alles, Maik …

Heute ist Mittwoch, der 31. Oktober

Heute kommt Manuel für ein langes Wochenende und bleibt bis Sonntag … Neulich hat er mal gesagt: Es ist schon seltsam – alles, was du mit Maik machen könntest, machst du jetzt mit mir. – Nicht Alles … Es wird schon seinen Grund haben, warum das so ist.

Hier war Polterabend – der Sturm hat meine Glassachen vom Terrassentisch gefegt – alles voller Scherben heute Morgen. „Scherben bringen Glück“ oder „Glück und Glas, wie leicht bricht das“? Er kann es nicht mehr gut machen, hab ich geändert in: Er kann es nicht mehr rückgängig machen. Das ist neutral und ohne Vorwurf und klingt besser, ohne dass es die Tatsachen verdreht. Ich will ihm keinen Schwarzen Peter zuschieben …

Es ist eine Mauer des Schweigens zwischen uns, wie es sie so nie zuvor gegeben hat. Das ist die größte Herausforderung meines Lebens, selbst jetzt, wo er nicht mehr da, und trotzdem hier ist. Zu Anfang und nach „dem ersten Mal“ mit ihm, hab ich gedacht, ja, das ist ein Mann … und das hab nicht nur ich gedacht, wie ich jetzt weiß,. Aber nun weiß ich erst wirklich, worauf ich mich eingelassen habe mit ihm. Kleiner Trost: Es kann sein, dass ich genauso viel ihn ihm antrigger, wie er in mir. Gottes Wege sind unerforschbar, heißt es. Und darauf verlass ich mich und darauf vertrau ich, weil ich sonst orientierungslos wäre.