Heute ist Dienstag, der 30. Oktober

Erfrischendes Foto von dir, hat mir gestern Sabinchen Sonnig zu meinem neuen Whatsapp-Profilbild geschrieben. Ja, ich hab gedacht, ich dekorier mal um, hab ich ihr geantwortet. Es ist von der Kranichtour per Schiff auf der abendlichen Müritz, das heißt, ich bin von meinem Element – Wasser – umgeben. Aufgenommen hat es eine Frau, die mir gegenüber saß und mit der ich mich gut unterhalten habe. Sie war zur Reha hier, und das heißt, ohne dass ich nachfragen musste – Psychosomatik.

Nach einer Telefonkonferenz mit Manuel zur Nachbarwohnung, haben wir uns dagegen entschieden. Er ist zwar relativ oft hier, doch es tut nicht not, deshalb ganzjährig eine Wohnung dazu zu mieten. Mir reichen meine Räume hier und für ihn ist auch Platz. Ich muss nicht eine zweite halbe Miete zahlen, nur um in 2 Sälen tanzen zu können. Meine Besucher-Paare sind in der Lage, sich ein Hotel zu buchen für längere Aufenthalte, und mein Sohn hat – wie Manuel – auch hier Platz. Zudem ist er jetzt mit seiner Freundin beschäftigt. Es wär nur soviel damit gedient, dass ich ungestört wäre hier oben. Doch wer weiß, vielleicht zieht ja eine nette Nachbarin ein  oder ein netter Nachbar.

Jetzt beginnen geruhsame Zeiten, kein Kampf und kein Krampf mehr. Das liegt alles hinter mir. Guti-Gutshaus wird deutlich weniger und mit den sinkenden Temperaturen steigt die Zahl meiner abends angezündeten Kerzen …

Heute ist Montag, der 29. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch: Es gibt immer wieder ein MORGEN. Arnold Böcklin

Das ist wohl wahr. Es gibt auch immer wieder ein Heute. Nur ein Gestern gibt es nicht – immer wieder. Man kann nur in Gedanken dahin zurückkehren. Nur Morgen ist noch nicht da, und Gestern ist Vergangenheit – vorbei. Ich konzentrier mich immer wieder auf HEUTE.

Die 44. Kalenderwoche fängt an, mit den letzten 3 Oktobertagen und einem kirchlichen Feiertag …

11:11Uhr: Ich wollte heute früh schon schreiben, wenn nichts weiter passiert, dann war’s das für heute. In den vergangenen Tagen hab ich gedacht, immer noch alles beim alten mit der Dachterrassen-Nachbarwohnung, die eventuell Manuel und ich als Ferien-und-Gästewohnung mieten wollten. Sie hat immer noch ein paar von ihren Sachen drin. Und vorhin hat mich der Hausmeister angerufen, dem ich gesagt hatte, er soll mir mal einen Wink geben, wenn sich da was tut. Jetzt ist die Kündigung eingegangen zum Jahresende! Ich hab gleich Manuel angerufen, der war aber in der Behandlung und will zurückrufen. Sagt er zu oder nicht? Spannend …

 

Heute ist Sonntag, der 28. Oktober

Jetzt habe ich das Leben, das ich mir – ohne ihn – gar nicht oder wenn, grau und trist vorgestellt habe. Und es ist alles andere als das. Er arbeitet – in seiner Praxis, oder bearbeitet Frauen, die sich dafür hergeben … Jedenfalls, soviel ich weiß.

Gestern war ich mit meiner lieben Carmen in Greifswald zur Weiterbildung Notfallbegleitung. Freundlicherweise ist sie gefahren. Ich hab von Fahrten ins Blaue und Fahrten mit Umleitung und Fahrten überhaupt grad gestrichen die Nase voll. Carmen & Anita – das C&A Notfallteam, wie ich immer sage. Das war eine tolle Veranstaltung. Vormittags der theoretische Teil mit den unverzichtbaren Statistiken und Bla-bla-bla, dann Mittagspause und nachmittags die vorher zu treffende Auswahl zwischen 4 Seminaren:

  1. Auffrischung Erste Hilfe
  2. Trauer-Rituale
  3. Belastende Einsatzsituationen
  4. Telefon-Seelsorge

Carmen hat sich für Praktisch – 1. – Ich mich für 4. entschieden. Wir waren nur zu dritt in der Gruppe. Das war so lebendig, eine erfrischende Dozentin, und so informativ und interessant, dass ich ganz darin aufgegangen bin. Das Thema hab ich deshalb gewählt, weil es möglicherweise eine Alternative wäre zu dem, was ich jetzt ehrenamtlich mache. Sie hat nochmal auf die Bedeutung hingewiesen: Ehre und Amt – so wie selbständig: selbst und ständig.

Ich dachte, man bekommt die Hotline auf sein Telefon geschaltet und kann es von zuhause aus. Ist nicht so, ich müsste nach Neubrandenburg fahren. No!

Zum Abschluss hat sie mir ihre mitgebrachte Rosen-Dekoration  geschenkt …

Heute ist Sonnabend, der 27. Oktober

Wenn ich in Rostock bin, hab ich das Gefühl, ich muss immer schnellstmöglich wieder weg da.

Sachen gibts, die gibts nicht. Das sind diese merkwürdigen Zufälle. Als ich gestern bei Manja Nageltante war, kam eine Freundin von ihr, um was abzuholen. Ich kenne sie vom Foto und vom Hörensagen. Mein erster Gedanke war, als ich sie gesehen habe: Eine Kosmetikerin aus Rostock. Da ging mir ein Licht auf. Manja hat damals gesagt – als ich ihr erzählt habe, dass er jetzt mit einer Kosmetikerin … also vor und nach der geplatzten Union mit der Chirurgin: Sie kennt sie. Ich hab nicht nachgefragt, wer es ist. Zuviel Information, das will und muss ich nicht wissen, und letztlich ist es egal, wer es ist.

Sie stammt aus dem Dunstkreis einer Ex-Freundin von mir, die sich als falsches Luder entpuppt hat. Wer meine Geschichte kennt, weiß, wen ich meine. Ich hab im 1. Teil des Tagebuchs darüber geschrieben. Es ist alles ein Schlangennest. Diese hier sieht so aus: Knielange Stiefel, enge Jeans, Wimpernverlängerung, Extensions in den Haaren – und ist so alt wie die Chirurgin. Sie hat mich die ganze Zeit angesehen – ich hab getan, als ob nichts ist. Ist ja auch nichts. Ich glaub, sie wusste, wer ich bin. Warum kam sie ausgerechnet diesmal, als ich da war, und vorher nie?

Ihr Name fängt auch mit M an …

Heute ist Freitag, der 26. Oktober

Heute Manja Nageltante … Das heißt, wieder auf Umwegen nach Rostock fahren. Wenn ich zurück denke, war alles, was mit Rostock zu tun hat, eine Umleitung. Mein Umzug dahin, meine Ausbildung dort, meine Familiengründung, meine beiden Ehen, die eine kürzer, die andere länger, doch keine beständig. Schließlich mein Rückzug hierher.

Das sind Nebenschausplätze. Der einzig wahre Grund ist der:

„Als Du mir zum ersten Mal begegnet bist, strahlte eine ferne Sonne in mein Herz.

Seitdem brennt ein Feuer in mir, das meine Seele unablässig durchglüht.“

Diesen Vers hab ich mal in einem Buch zu einer Chagall-Ausstellung hier gefunden. Später war nochmal eine, auch wieder mit vielen Büchern dazu und ich wollte es mir diesmal kaufen. Ich hab es nicht mehr wiedergefunden. Auch im Internet, wo man alles findet, ist der Spruch nicht aufzufinden.

Ich glaub, der Verfasser ist Gott. Er hat ihn in das Buch gedruckt, damit ich ihn finde und dann wieder unsichtbar gemacht, nach dem Motto: Burn after reading. So habe ich jedenfalls den Eindruck …

Das ist nicht mehr eine Frau zuviel, das sind viele Frauen zuviel, als dass was weitergehen könnte mit uns. Quantität ist seine Entscheidung, Qualität ist meine Entscheidung. In dem Film „Klassentreffen 1.0“, den ich mit Manuel hier im Kino gesehen habe, hieß ein Satz: Wir waren fuck bodies … Für mich heute unvorstellbar, wie man sowas sein kann.

Heute ist Donnerstag, der 25. Oktober

Ich hab festgestellt, es ist anstrengender, in einem großen Hotel Urlaub zu machen, als in meinem kleinen, süßen zu arbeiten. Während ich da war, kam eine Anfrage von Guti-Gutshaus, ob ich Sonnabend Abend kann. Da bin ich mit Carmen in Greifswald zur jährlichen Weiterbildung Notfallbegleitung, schade, hab ich geantwortet. Dafür heute Abend, wo ich mich eigentlich erstmal ausruhen wollte. Rentner-Busreisen haben noch zehn Jahre Zeit, ist mein Fazit – mindestens.

Nun zur Bewandtnis: Ich hab vorher mit Manuel Witze gemacht. Es war ja eine Reise mit unbekanntem Ziel. Bestimmt eine Stadt mit M, hab ich gesagt. Ja, du fährst nach Mainz!, war seine Vermutung. Mainz wär nicht nur M, sondern M a i … hab ich gesagt. Das war die zwanzigste und damit Jubiläumsfahrt der Fahrten ins Blaue. Die erste ging damals nach Wernigerode. Das fällt also aus, hab ich gedacht. „Wir sind uns durchaus bewusst, dass es schon etwas Besonderes sein sollte!“, stand im Flyer. Ja, und was fällt Ihnen dazu ein? Da, wo es so gut anfing, wollen wir wieder hin …

„Reife Kirschbaum-Obstwiese …“

„Heute Hexentanzplatz …“

So fingen 2 SMS an, die Maik mir mal aus einem Familienurlaub geschickt hat. Wir wollten uns eigentlich treffen, doch da kam der Urlaub dazwischen. Ich kann verstehen, dass du sauer bist, hatte er geschrieben, dabei hatte ich gar nichts gesagt. Das war normal, alles andere ging vor.

Und genau dahin karrt uns – also auch mich – der Busfahrer: Harz/Wernigerode – mit Schloss-Besichtigung, einigen anderen Sachen und – Hexentanzplatz. Die Kirschbaumwiese hab ich auch gesehen, nur ohne Kirschen jetzt. Auf der Hinfahrt als kleines Highlight: Werksführung bei Halberstädter Würstchen – seit über 130 Jahren! – und anschließend Dinner in ihrer firmeneigenen Hotel- und Spa-Villa. Ich war überall von den prächtigen Produkten ihrer glorreichen Firmengeschichte umgeben, die sie stolz und prall in Großformat-Fotos an den Wänden präsentiert haben. Eins hing direkt neben mir während des Einführungs-Films. Zu Manuel hab ich gesagt: Ausgerechnet die „Pimmel-Fabrik“ – was für ’ne Scheiße ist das denn? – Das Wort aus Deinem Mund!, sagt er – das muss schon schlimm gewesen sein …

 

 

Heute ist Mittwoch, der 24. Oktober

Ich bin wieder zuhause, und freu mich seit 3 Tagen auf mein himmlisches Bett. Ich hab wieder meine Terrasse und mein Kirchturm wird – neben der direkten Scheinwerfer-Beleuchtung – zusätzlich durch den Vollmond belichtet, der jetzt genau hinter ihm steht, was ein magisches Bild erzeugt. Wenn ich den Schwan auf der Turmspitze beeinflussen könnte – was nur der Wind kann – würde ich ihm verbieten, in Richtung Norden zu schauen, aus der nichts kommt.

Die Bewandtnis der Fahrt ins Blaue kommt morgen …

 

Heute ist Sonntag, der 21. Oktober

Ich würde das Paket gern jemand anderem geben. Aber geht nicht. Es ist an mich adressiert. Also – Annehmen, Segnen und damit leben …

Mal sehen, wo die Reise hingeht – morgen und überhaupt. Fahrt ins Blaue … Das ist das erste Mal seit 3 Jahren, dass ich mich länger als einen Tag von meinem Kirchturm weg bewege. Da war ich mit Martina eine Woche in Wien anlässlich der Buchmesse, auf der mein „M – Liebesgeschichten“ über die Grenzen Deutschlands hinaus präsentiert wurde.

Es ist kurz vor Sieben. Manuel schlummert und schnorchelt noch friedlich vor sich hin, während ich schreibe. Unsere Freundschaft festigt sich immer mehr und wird immer schöner.

Morgen früh gibt es noch wie gewohnt den neuen Montags-Gelassenheitsspruch und dann – Gute Reise! Bye bye bis bald …

 

Heute ist Sonnabend, der 20. Oktober

Es gibt 2 Gruppen von diesen heiligen Verbindungen – die, die zusammenkommen, und die, bei denen ein Neuer kommt. Ich könnte dafür offen sein, doch es entspricht nicht dem, was ich weiß. Heilig deshalb, Maik, weil von oben geführt und geschützt.

Die Chirurgin, die Kosmetikerin und alle anderen werden „Prüfungskandidatinnen“ genannt. Das Paradoxe dabei ist, dass die Männer – also nicht nur Er – glauben, dass sie ihren Seelenplan erfüllen, indem sie genau der Herzensfrau ausweichen und sich auf die anderen stürzen, obwohl es genau umgekehrt der Fall wäre.

Bei so kompliziertem Setting – und wo jetzt noch dazukommt, will ich das überhaupt? – Wie kann es da jemals was werden? Das überlass ich anderen. Bis dahin ist meine Berufung Blog schreiben und Guti-Gutshaus – und meine Karten mischen …

Warum krieg ich keine Prüfungskandidaten? Es wär gut, wenn jetzt jemand kommen würde. Doch es kommt keiner.

Manuel ist übers Wochenende hier …