Sonntag, 6. September

Auf einmal ist es Herbst, ohne Übergang. Vorgestern waren es noch milde 19 Grad abends auf der Terrasse, gestern 13. Das ist empfindlich kühl. Ich trink noch einen Tee Earl Grey nach dem Frühstück und geh nochmal ins Bett. Das ist so schön warm und gemütlich …

Im Standesamt unten war Hochbetrieb gestern, ein Paar nach dem anderen. Viele Trennungen in diesem Jahr und viele Hochzeiten, Glück und Leid.

Sonnabend, 5. September

Das war ein schönes Richtfest gestern bei Dana und Tino. Als ich ihnen die Rose – mit dem klangvollen Namen Alissar Princess of Phoenicia – überreicht habe, hab ich gesagt: Ich wollte euch was mitbringen, was wächst …

Wahrscheinlich Guti-Gutshaus-frei – wir hatten vereinbart, dass mich Bettina, Chefin, bis 14 Uhr anruft, wenn ich gebraucht werde. Das hat sie gemacht und gesagt: Wir schaffen das gut alleine. Gut, ich bin nämlich bei meiner Freundin mit Mann zum Richtfest eingeladen, dann kann ich länger bleiben. Das ist in Unter-Göhren – also bei Guti-Gutshaus um die Ecke. Gegen halb 6 hab ich mal auf’s Handy geguckt, weil es ständig gepiept hatte. Das waren WhatsApp-Fotos von Ulla und Jürgen auf Reisen. Und eine von Bettina: Liebe Anita, es sind jetzt doch viele Gäste. Wenn du nach deinem Fest noch bei uns vorbei kommst, freuen wir uns. Liebe Grüße

Sie war alleine mit Fritzi, sonst sind wir immer zu zweit. Erstmal war die Feier noch in vollem Gange und ich hatte auch nicht die geringste Lust, da noch hin zu fahren und anschließend die Küche zu machen. Als ich zuhause war, hab ich geantwortet: Das hab ich zu spät gesehen, Bettina. Das Handy lag in der Tasche, und hab ich auch nicht mit gerechnet. Um dreiviertel 12 hat Fritzi geschrieben: Bin grad zuhause. Das alte Leiden – Gäste zu viele, Personal zu wenig. Ich hab gedacht, da sieht sie mal, was abends da los ist … und bin natürlich nicht hingefahren. Auch wenn Fritzi dadurch länger machen musste.

Freitag, 4. September

Eben hab ich eine Stunde meinen Schrank aufgeräumt, von 8 – 9, gleich nach dem Frühstück, und 30 Kleider gezählt. Eigentlich 33, nur 3 sind aktuell etwas eingelaufen. Aussortiert hab ich nichts, irgendwann passen die wieder. Einiges hab ich zum Ändern für die Schneiderin rausgelegt – neue Gummizüge – und 3 Teile waren noch nicht gebügelt. Mehr hab ich auch nicht zum Bügeln. Das beste war, ich hab den schönsten meiner schwarzen Lieblingsröcke wiedergefunden: Oh, my most beautyful! Da hab ich mich gefreut, an den hab ich gar nicht mehr gedacht.

WordPress hat einen neuen Editor seit gestern Abend. Per Mail wurde mitgeteilt, dass man nach wie vor den alten verwenden kann, das haut aber nicht hin. Dämlich! Wie alles, was neu ist bei Technik, funktioniert das Alte besser, nicht nur, weil es vertraut ist, sondern weil es besser ist. Zum Beispiel geht Blocksatz nicht, auch wenn man ihn anklickt.

Und – was das Dümmste ist – es wird kein Wörterzähler mehr angezeigt! Na, ich wurschtel mich mal durch … Hilfe über den Administrator ist meist nicht hilfreich!

Na, geht doch – Blocksatz und Wörterzähler hab ich auch gefunden. Ist jetzt alles irgendwo versteckt, was vorher offensichtlich war.

Wahrscheinlich heute Guti-Gutshaus-frei …

Ein Fast-noch-Vollmond am malerischen Nachthimmel. Seine lebenslange Begleitung ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Lebenslang klingt nach Haftstrafe. Seine lebenslängliche Begleitung … Fritzi würde zu länglich gleich die entsprechende Handbewegung dazu machen.

Donnerstag, 3. September

Denk da nicht drüber nach, was da so alles hoch kommt, bei Vollmond, hab ich mir gesagt. Alles nehmen, wie es kommt, und das Beste draus machen …

Das war vorgestern eine Runde im Nationalpark und gestern eine Fußreflexzonenmassage bei Tam und anschließend ausgiebig schlafen.

Heute früh haben mir Dana und Tino die Einladung zum Richtfest geschickt, morgen, 15 Uhr. Ab 17 Uhr hab ich Guti-Gutshaus, also kann ich vorher hinfahren, das liegt auch auf dem Weg. Ich hab gleich gegooglet, was man da schenkt. Brot und Salz sind usus oder auch Hufeisen als Glücksbringer. Das erste ist kein Problem. Jetzt will ich sehen, wo ich auf die Schnelle ein Hufeisen herbekomme. Das passt ja – Füße und Hufe. Sie sind beide Podologen in eigener Praxis.

Aber was, wenn jeder auf die Idee kommt?, dann können sie ihr Haus mit Hufeisen verklinkern. Ich fahr zu Gärtnerei Bergmann und kauf einen schönen Rosenbusch …

Meine Schwester Birgit hat was auf WhatsApp geschickt: Vielleicht liegt die Müdigkeit auch daran – 2.9. war Schuhmann – irgendwas mit Frequenzen und eine Begründung dazu, die höhere Physik ist. Egal, woran’s liegt, hab ich zurück geschrieben, Ausschlafen hilft! Und dann ihr obligatorisches Liebe Grüße und einen fröhlichen Tag! Die macht mich wahnsinnig! Ich bin nicht fröhlich und wenn sie mal nachdenken würde, wüsste sie auch warum …

Wäsche waschen, Blumen gießen, Bett beziehen – dann Gärtnerei und Toyota, wegen ausgefallener Uhrzeit- und Temperaturanzeige. Und dann bin ich jetzt schon froh, wenn Feierabend ist, wo ich noch nicht mal angefangen habe  …

Dienstag, 2. September

Ich kann Ihnen auf der ganzen Gotteswelt keinen besseren Platz empfehlen als Waren am Müritzsee … Das hat Theodor Fontane in einem Brief an einen Freund geschrieben, nachdem er im Sommer 1896 mehrere Monate in Waren in der Sommerfrische war. Er hat sich sehr für die Entwicklung zum Kur- und Urlaubsort deutschlandweit eingesetzt und gilt als „Vater des Tourismus“ in Waren.

Das hab ich gestern im Vortrag erfahren …

Nach der Massage bei Tam hab ich mir die erste diesjährige Kürbissuppe gekocht und Andrea angerufen und ihr und Paul zum 9. Hochzeitstag gratuliert. Dann hab ich den ganzen Nachmittag geschlafen. Ich hab die galoppierende Vollmond-Müdigkeit. Gott sei Dank ist morgen erst Guti-Gutshaus und bis dahin ist es hoffentlich besser …

Heute ist Dienstag, der 1. September

Wie der Abend sich neigt, so der Morgen sich zeigt. Genauso klar und leuchtend wie gestern …

Als ich beim Frisör fertig war, hab ich mich noch zu Anne, der Inhaberin, draußen vor die Tür gesetzt. Sie hat ein Tischchen und Stühle draußen stehen, genau zwischen Steintor und Hotel Sonne. Ich hatte mich kaum gesetzt, da hab ich einen Stich im linken Handgelenk gespürt, als ich den Arm auf die Stuhllehne legen wollte. Wespenstich!

Ich hatte am Sonnabend beim Italiener eine Wespe gerettet, die in Manuels Glas gefallen war. Die kannst du drin lassen, hat er gesagt, ich trink das sowieso nicht mehr. Natürlich hab ich sie nicht ertrinken lassen. Ist das der Dank dafür?, hab ich gedacht. Ich hab gleich meinen Daumen auf die Stelle gedrückt. Es tat noch den ganzen Nachmittag weh, ist aber weder rot noch geschwollen und juckt auch nicht, wie sonst. Nichts mehr zu sehen …

Der Stich war genau in die Vene – vielleicht ist das der natürliche Impfstoff, nach dem gesucht wird, hab ich gedacht, und das Wespenvolk hat sich auf diese Weise bei mir bedankt. Als ich es Martina erzählt hab, hat sie gesagt, ihr ist neulich im Garten ein Apfel auf den Arm gefallen und als sie hingefasst hat – auch ein Wespenstich, in den Oberarm, aber dick und geschwollen. Mich hat ewig keine Wespe gestochen – sie auch nicht, sagt sie.

Als ich gestern ins Bett gegangen bin, hab ich gesagt: Du kannst nicht hier sein, aus irgendeinem Grund. Wenn du es könntest, wärst du es …

Heute ist Markt-Tag. Ich kauf mir nachher ein Schild am Stand der 1000 kleinen Dinge. Er hat eine große Auswahl an Emaille-Schildern mit witzigen und schönen Sprüchen – meins hab ich neulich schon gesichtet: Man widerspricht dem Einhorn nicht!

Über sowas kann ich mich freuen wie ein kleines Kind! Heute Abend um 17 Uhr ist der nächste Dienstags-Vortrag im Haus des Gastes: Waren (Müritz) einst und jetzt – da melde ich mich gleich an und bei Tam hole ich mir einen Massage-Termin, möglichst für morgen, sonst für nächste Woche. Das ist alles im Karree hier und es ist alles noch viel schöner – geworden – als ich es mir damals vorgestellt habe. Am 1. September bin ich hergefahren, um den Mietvertrag zu unterschreiben, am 1. Oktober bin ich dann eingezogen  – vor 9 Jahren. Das war ein genauso schöner goldener und prächtiger Tag wie heute – einfach himmlisch.

Mit dem Einhorn im Fahrradkorb hab ich gleich eine kleine Radtour um den Warnker See gemacht und paar schöne Fotos in den Status gestellt: Holy Müritz Nationalpark! Zurück auf dem Markt, hing an einem Stand ein hübsches Sommerkleid – gesehen, gepasst, gekauft! Dann Mittagspause bei Bäcker Junge mit Geburtstags-Gutschein. Massagetermin morgen hat auch geklappt. Das sind Segnungen …

 

 

Montag, 31. August

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Du musst nur langsam genug laufen, um immer in der Sonne zu bleiben. Antoine de Saint-Exupéry

Bist du in ihn verliebt oder liebst du ihn – noch?, hat Manuel gestern gefragt. Ich hab versucht, ihm eine Antwort zu geben, die er versteht: Ich fühl mich, als wenn ich 20 Jahre mit ihm verheiratet bin. Wie das denn?, er ist doch gar nicht hier. Er hat es nicht verstanden. Dann hat er noch gesagt: Ich weiß nicht viel von ihm – ob er alleine lebt oder mit jemand zusammen. Eher mit jemand zusammen. Das ist nicht wichtig, hab ich gesagt, das ist außerhalb von meinem Gartenzaun.

Der letzte August-Abend strahlt mit einem magischen Licht …

Sonntag, 30. August

Wir sind grad aufgewacht, Manuel im Wohnzimmer unten, ich oben – kurz vorm Sonntagsglockenläuten. Es ist das erste Mal, dass er in diesem Jahr hier ist. Gestern hat er sich mit einem Freund aus Berlin hier getroffen. Sie kennen sich schon 20 Jahre. Erst waren wir beim Italiener, sind dann aber wegen Wespenalarm geflüchtet, denn Tilo hat Wespenallergie, bescheinigte. Dann waren wir bei mir auf der Terrasse – mit seiner eingepackten Pizza – wo er sich gleich wohl und wie zuhause gefühlt hat. Den Abend haben die beiden zusammen verbracht, während ich meine übliche Wochenendgestaltung hatte – Guti-Gutshaus … Um halb 11 war ich zurück und Manuel ist kurz vor mir reingekommen – und hat sich gleich schlafen gelegt.

Großes Drama! Um 9 kam Tilo, um uns zum Frühstück abzuholen. Das erste: Er hat gestern Abend seinen Allergie-Chip verloren! Anruf bei der Notdienst-Apotheke – er muss sich vom Bereitschaftsarzt ein Rezept dafür holen. Nach einem kurzen Frühstück beim Bäcker, von Wespen umschwärmt, ist er mit Manuel losgefahren, um das zu erledigen. Als sie zurück waren, haben sie geklingelt und gefragt, ob ich mitkomme – zum 2. Frühstück. Nee, geht mal – ich hab noch … was zu tun. Nachdem ich gestern schon Ermüdungserscheinungen gezeigt habe – ganzen Nachmittag kontroverse Corona-Diskussion – will ich mich davon nicht noch weiter am Sonntag zermürben lassen. Ich krieg ’ne Macke, hab ich zu Lars gesagt – umständlich und anstrengend … Dann lieber Guti-Gutshaus nachher.

Gestern hat Tilo Manuel gefragt, woher er und ich uns kennen. Antwort Manuel: Wir haben eine gemeinsame Freundin, die wohnt bei mir im Haus und sie – ich – war mal mit meinem Kollegen so gut wie zusammen. Was? Das hab ich gleich berichtigt: Das ist stark übertrieben, Manuel – das nennt man ’ne Affäre, was wir hatten.

Wieder spät zuhause von Guti-Gutshaus und morgen früh gleich nach Rostock …

Sonnabend, 29. August

Gestern waren nur Fritzi, Nele und ich da. Anja hat Urlaub und die Chef-Familie kommt  heute erst. So schlimm wie gestern war es noch nie mit ihm. Nur Sex, Sex, Sex – er redet von nichts anderem. Seine Freundin hat 3 Wochen Frühschicht und muss um 5 anfangen, auch Köchin in Flessensee, und er kommt abends spät nach Hause, da läuft nix. Hat er mir erzählt, als ich rauchen war und er mit raus gekommen ist. Nele hab ich unten auf die Tiefkühltruhe gelegt und es ihr ordentlich gezeigt. Er meint im Keller. Er quatscht nur dummes Zeug, hab ich gedacht und das hätte er wohl gerne. Doch als er sich von ihr verabschiedet hat – sie war gestern den letzten Tag da – war mir klar, dass er wirklich … Nele, hat Spaß gemacht mit dir!, hat er sich verabschiedet. Und er meint nicht, zusammen arbeiten. Das hab ich daran gemerkt,  wie sich die beiden angeguckt haben.

Vorher hat er ständig gefragt: Hat eine von euch beiden schon was vor heute Abend? Hör auf zu spinnen, hab ich gesagt. Nee, ohne Quatsch, was spricht dagegen, was spricht gegen Fritzi? Du kannst es doch auch gebrauchen – hat er zu mir gesagt! Andersrum – was spricht dafür, Fritzi? Gar nichts.

Sex-Sucht in der Guti-Gutshaus-Küche. Er steht neben mir, guckt mich an und sagt in vollem Ernst: Manchmal kann ich gar nicht mehr aufhören, echt, da fang ich an und kann immer weiter machen, immer weiter, ich kann gar nicht mehr aufhören damit …

Er hat keinen Ausgleich – durch Sport. Er war mal Leistungssportler. Das würde ihm schon helfen, geringfügig. Das zweite ist – er findet keine Befriedigung dabei. Er könnte sich tot ficken und es wär immer noch zu wenig. Orgasmus – gibt leider kein schönes deutsches Wort dafür – kennt er nicht, also der den ganzen Körper durchflutet, nur mechanischen Reiz und Überreizung.

Zwei Möglichkeiten – oder drei: Ich könnte ihm sagen, Schluss damit, ich will das nicht hören! Würde nichts bringen. Oder Chef und Chefin einschalten – würde ihm Ärger bringen. Oder einfach ignorieren. Variante 3.

Freitag, 28. August

Gestern hab ich den schönen Abend auf der Terrasse genossen, nachdem ich die Scherben zusammengefegt hatte. Eine Vase, die schon angeschlagen war, hatte der Sturm vorgestern vom Fensterbrett gefegt. Ich hatte überlegt – wegwerfen oder behalten?, weil die Keramik schöne Farben hatte. Die Entscheidung wurde mir abgenommen.

Ab heute wieder 3 Abende Guti-Gutshaus und Montag wieder Rostock – Frisör und Martina. Und dann ist schon September. Es war die ganze Woche schon herbstlich. Der Juli war moderat. Nur die ersten 3 Augustwochen waren nochmal ein Schleudergang mit 1800 Umdrehungen – Hitze, Schuften, Autoreparatur, Zahnabschlussbehandlung, Terrassen-Baustelle. Jetzt fühl ich mich wieder wie ein Mensch und wach morgens ausgeschlafen und erholt auf. Morgen will Manuel kommen und bis Sonntag bleiben. Er trifft sich hier mit einem Freund aus Berlin, den er behandeln will, aber das ist immer mit Fragezeichen bei ihm. Ich bin sowieso arbeiten.

Es ist schon Spätnachmittag in unser beider Leben. 17 Uhr, würde ich sagen. Und jeder wurschtelt weiter vor sich hin. Bleiben uns noch 7 Stunden. Bei der Frage, ob das beruhigend oder beunruhigend ist, entscheide ich mich für beruhigend. Mann, Mann, Mann …

Dabei muss ich an den Film „Doctor Strange“ denken. Er ist vom Leben verwöhnt – weltbekannter Neurochirurg und hat alles, was das Herz begehrt – außer Liebe, die er nicht zulässt. Ein schwerer Autounfall und der Traum ist aus. Er kann nicht mehr arbeiten. Seine Hände sind zerstört. Als er nicht mehr weiter weiß, landet er abgebrannt bis auf den letzten Cent bei einer Meisterschule in Nepal. Die leitet eine Meisterin. Sie lässt ihn tagelang vor der Tür schmoren – dann darf er rein: Vergessen Sie alles, was Sie bisher gelernt haben! Doch er sträubt sich weiter und glaubt nur an das, was auf dem Feld der Wissenschaft wächst und nicht an das, was auf dem Acker der Spiritualität gedeiht. Dann macht sie die Probe auf’s Exemple und beamt ihn – dünn bekleidet – auf den Himalaya, von wo er aus eigener Kraft zurückkommen muss. Ihr Assistent drängt sie, ihn zurückzuholen, weil er sonst erfriert. Doch sie vertraut in seine Kraft – und im letzten Moment gelingt es ihm. Maik fand den Film nicht gut, das kann ich mir gut vorstellen. Für mich ist er das schönste Beispiel für das, was im Unmöglichen möglich ist.