Heute ist Donnerstag, der 10. Oktober

Das war ein krasser Unterschied zu unserem Guti-Gutshaus da, sowohl vom Personal wie auch von den Gästen. Die Frühstücksfee agierte still im Hintergrund und die Frühstücksgäste unterhielten sich, wenn überhaupt, nur im Flüsterton, so wie in Wartezimmern. Sogar die Kinder traten gar nicht in Erscheinung und waren irgendwie angepasst. Bei uns ist immer Remmi-Demmi – laut und lebendig. Es mag an der Stille dort liegen, war aber trotzdem irgendwie verdächtig. 

Die Bedienung am Abend war gesprächiger. Ich hab das Essen gelobt – ich hatte Kürbis in Nussöl, überbacken gegessen – das war sehr gut und eine gute vegetarische Alternative zu 0815-Angeboten anderswo. Das hab ich auch so gesagt und sie hat sich gefreut. Unsere Kürbissuppe ist auch gut, die mach ich mit Curry … hat sie weiter gesagt. Äh … Kürbissuppe koch ich selber, auch mit Curry.

Bei der Anreise hat mich ein junger Mann begrüßt, der mit Grünschnitt beschäftigt war. Bestimmt nicht der Gärtner, hab ich gedacht. Er hat mir die Hand hingestreckt: Joshua Wille, herzlich willkommen! Das war der Sohn der Besitzerfamilie, die in Berlin lebt, hab ich kombiniert. Ich hatte vorher was im Internet über das Anwesen gelesen. Das war eine anregende Begegnung – wir waren auf gleicher Wellenlänge. Was macht ein Sohn aus Berlin hier?, hab ich ihn gefragt. Eigentlich bin ich zum Lernen hier … Student wahrscheinlich. Er hat mir die Sauna gezeigt, das Fahrrad eingestellt, das ich dann nicht gebraucht hab und mir einen verschlungenen urwüchsigen Weg um den See gezeigt: Da zwischen den beiden Eichen geht es rein … Am Abend hat er das gleiche gegessen wie ich. In die Augen sehen und verstehen, hab ich gedacht. Als ich auf dem Zimmer war, mit Blick auf den See, hab ich gesagt: In einem anderen Leben, Joshua … im Flüsterton natürlich.

Heute ist Mittwoch, der 9. Oktober

Da war ich von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Netzempfang, gut so – wozu auch. Es liegt fast vor der Tür – nur eine Dreiviertelstunde Fahrt – und doch ist es eine ganz andere Welt …

So eine himmlische Ruhe und ein Naturparadies. Ich hab nur die Vogelstimmen am und um den See gehört. Ich war rundum von Kranichen und ihren Trompeten-Rufen umgeben. Gestern hat es nur geregnet und ich bin nach dem Frühstück wieder ins Bett gegangen und hab eins von den 4 Büchern im Zimmer gelesen: Wladimir Kaminer „Militärmusik“. Die anderen hab ich mir auch angeguckt: Offene Gärten zwischen Müritz und Usedom, 111 Orte an der Mecklenburgischen Seenplatte, die man gesehen haben muss, und das vierte war das Gästebuch. Darin war auch ein Eintrag vom Februar: Wir sind zu unserem Jahrestag hier … Eric und Eileen. Die beiden kenn ich – das sind Freunde meiner Nichte Anja. Die Welt ist ein Dorf, wie ich immer sage.

Von den wenigen gastronomischen Angeboten in der Gegend haben um diese Jahreszeit schon viele geschlossen und an den verbleibenden steht: Montag Ruhetag! Oder: Montag/Dienstag Ruhetag! Also bin ich zum Nationalpark-Portal, Portal wie Eingang, Kratzeburg gefahren und hab mir da beim Fischer eine Maräne geholt – das war ’ne Endmaräne, nämlich warm aus dem Rauch. Das Wortspiel versteht nur, wer die Landschaftsform dort kennt – eiszeitliche Endmoräne.

Nach dem Regen hab ich gestern am späten Nachmittag noch einen Waldspaziergang gemacht, Wanderung wär übertrieben, 3 Kilometer. Ich hab an allen 3 Tagen die Natur genossen, in die ich eingebettet war, doch ich war nicht mit Allem eins. Hauptsächlich hab ich mich allein gefühlt … Das hat auch am Regen gelegen, aber nicht nur.

Beim Frühstück waren alle Tische für 2, 3 und 4 Personen eingedeckt – außer einem. Abends in der Gaststätte: Haben Sie reserviert? – Nein – Dann kann ich Ihnen den Tisch anbieten … Das war ein quadratischer 8er-Tisch mitten im Raum, umgeben von Paaren und Familien. Gut, das weiß ich und das kenn ich, wie alle Alleinreisenden. Aber bei uns in Guti-Gutshaus hätt’s das nicht gegeben, so eine Platzierung. Da gehen wir sensibler mit dem Gast um und hätten noch was anderes möglich gemacht.

Es hat aber auch nicht an den Tischen gelegen – es war die Stimmung.

Der Waldsee lag direkt vor meinem Fenster. Am Tage hab ich auf die Linien der Enten-Flotte auf dem Wasser gesehen. Das Appartement war gemütlich und das Doppelbett war auch keine Anklage, wie sonst in Hotels, sondern eine Einladung. Ich hab auch gut geschlafen. Abends konnte ich noch auf der Terrasse sitzen – mit Mond überm See und im See und nächtlichen Geräuschen, lange die Kraniche, dann Käuzchen, ein Fischsprung an der Wasseroberfläche und einem die Nacht durchdringenden Vogelruf, den ich nicht kannte … wie Juhu-Juhuuuhuuuhuuu, der über den ganzen See schallte …

 

Heute ist Montag, der 7. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Man sollte sich nicht über Dinge ärgern, denn das ist ihnen völlig egal. Euripides

Hol uns rein, wir erfrieren, haben meine Blumen auf der Terrasse gestern gerufen. Die meisten Zimmerpflanzen hab ich über Sommer draußen stehen. Es geht gegen null Grad nachts. Also hab ich wie Goldmarie gehandelt und sie in der Wohnung und – weil da nicht mehr alle Platz haben – im Treppenhaus verteilt …

Dann hab ich mir online schon mal die Speisekarte vom Seehaus am Kreuzsee angesehen. Montag ist Ruhetag! Gut zu wissen, dann esse ich heute Abend woanders. Bei vegetarisch steht unter anderem: Folienkartoffel mit Kräuterquark – das hat Manuel neulich gegessen, als wir in der Fischräucherei in Sietow-Hafen waren, weil die Salzgrotte nur selbstgebackenen Kuchen im Angebot hatte. Sowas würde ich nie essen und ich wüsste auch gar nicht wie – eine Riesenknolle in quark-bekleckerter Alufolie. Wer sich das ausgedacht hat … Pellkartoffeln mit Quark sind doch eine appetitliche Alternative zu dem Monster-Gericht.

Nie stimmt nicht – jedenfalls nicht in Friedenszeiten oder nur bei Hungersnot.

Das Appartement, das ich gebucht habe, hat ein Zimmer mit Doppelbett und eins mit zwei Einzelbetten – und Balkon mit Seeblick. Es liegt auch direkt am See. Es könnten also noch 3 mitkommen … Man kann da nur Radfahren oder Wandern – falls der Fahrradverleih im Nachbardorf noch geöffnet hat. Ich hoffe. Ah, und Paddeln … Ansonsten laufen. Eine neue Sauna haben sie auch da.

Ich komm doch Mittwoch zurück, weil (T)hera Lind grad angerufen hat, und meinen Physio-Termin von Freitag auf Donnerstag getauscht hat, weil ich Freitag in Rostock bin. Manuel hat diese Woche noch Urlaub und wollte mitkommen. Nein, das ist meine private time ganz für mich. Nicht immer nur er und sein Thema, ich hab auch eins, das Reflektion braucht …

Dann tschüss bis Mittwoch!

Heute ist Sonntag, der 6. Oktober

Gestern hatte ich eine schöne Lektion in Vertrauen und Intuition in meiner Hexenküche. Ich hatte am Wegrand zum See – auf der einen Seite Wiese, auf der anderen Wald – Pilze gefunden und mitgenommen. Maronen, auch ein Steinpilz war dabei, und dann welche mit einem rötlichen Stiel, die gut aussahen – Rotfußröhrling hat mir zuhause das Bestimmungsbuch gesagt. Einer war dabei, den konnte ich nicht zuordnen, auch mit Buch nicht. Er sah aber gut aus und roch gut. Ob das jetzt der Indikator für essbar oder giftig ist, ist nicht sicher, aber ich hab gedacht bei Röhrenpilzen kann ich nicht viel verkehrt machen. Lamellenpilze lass ich stehen, bis auf Parasol- oder Schirmpilz und Wiesenchampignons. Aber die wachsen auch an anderen Stellen als die Waldpilze. Also hab ich gedacht, er kann höchstens ungenießbar sein und er kam mit in die Pfanne – und es ist mir sehr gut bekommen.

Der Blick aus dem Schlafzimmerfenster heute morgen ist magisch. Es ist kein See zu sehen, nur Himmel, Nebel und Bäume. Der Nebel hat ihn verschluckt …

Mein Enkelkind hab ich schon losgelassen, bevor ich es zum ersten Mal im Arm halte. Jonte war am 2. schon zwei Monate alt. Ich hab ihn zweimal gesehen … Jeder Baum im Wald ist mir näher als meine Liebsten in WhatsApp World.

Deswegen zieht es mich in die Natur – Seehaus am Kreuzsee für 3 Tage ist Rückzug … Bäume haben mir meinen Kummer genommen, als mir das Herz schwer war, und haben ihn durch ihre Äste nach oben geleitet – da wo alle Liebe zuhause ist, die hier unten kein Bleiberecht hat. Vielleicht bleib ich auch noch einen Tag länger da, bis Donnerstag.

Mein Gott, ist das manchmal anstrengend hier. Das hab ich mir anders vorgestellt – dass ich mit meinem Mann hier leben kann …

Heute ist Sonnabend, der 5. Oktober

Ich möchte keinen einzigen Tag im Leben mehr arbeiten, hab ich gestern gesagt, als Manuel, Lukas und ich bei Janny’s saßen. Das war eine Momentaufnahme, kam aber in dem Moment aus tiefstem Herzen. Ich kann es mir grad sehr gut ohne gut gehen lassen …

Es sind 8 sonnig-klare-kalte Grad. Unten wird der Kunsthandwerkermarkt aufgebaut. Mal sehen, wann die beiden Herren ausgeschlafen und gefrühstückt haben. Für Outdoor-Activities wie Radfahren und um’n See laufen sind die beide nicht geeignet. Zu verfroren, da unpassend angezogen, und keine Kondition. Wahrscheinlich wieder direkt Janny’s …

Aber ich fahr zum Warnker See. Der ist um diese Zeit voll von allen Arten von Enten – tausende, die sich da sammeln. Das ist ein beeindruckendes Bild. Entweder, sie kommen mit, oder hängen ab.

Ich bin allein gefahren – oder besser gegangen. An meinem Fahrrad war die Kette ab und ich bin mit dem Auto bis zum Parkplatz Pension Fledermaus gefahren und hab dann einen ausgedehnten Waldspaziergang gemacht. Lukas ist mit 6 das letzte Mal Fahrrad gefahren, hat Manuel gesagt – und zu Fuß sieht’s mit den beiden auch nicht besser aus.

So schön, der Film – Gut gegen Nordwind … über Zufälle im Leben.

Heute ist Freitag, der 4. Oktober

Manuel war gestern Nachmittag alleine hier, Lukas hatte mit Telefonieren zu tun. Er zieht nächste Woche Donnerstag nach Hagen. Erst waren wir beim Bäcker, dann ist er noch mit hergekommen. Er macht sich Gedanken, wie es bei ihm partnerschaftlich weitergeht. Und wie ist es bei dir?, hat er gefragt. Hast du das Gefühl, dass noch jemand kommt? Ich hab nicht gleich geantwortet und er hat nochmal gefragt. – Ich leb von einem Tag zum anderen und guck nicht, was irgendwann sein wird – erstmal kümmer ich mich um meine Beine und um meinen Zahn … Und dann – das war wie ein Zusatz von oben: Hier wird nur noch ein Mann auftauchen, der genauso Mann ist, wie ich Frau bin … wobei auftauchen eine merkwürdige Formulierung ist.

Heute waren wir zu dritt in der Salzgrotte, Kino haben wir auf morgen verschoben. Es ist Schlafwetter und kalt und ungemütlich – herbstlich.

Heute ist Donnerstag, der 3. Oktober

Die beiden haben ein Thema – sie reden über sich, und zwar nur und ausschließlich. Damit geh ich überhaupt nicht in Resonanz, und es interessiert mich auch nicht mehr, weil ich mit mir zu tun habe.

Gestern Vormittag hab ich alle Frisörläden in der City abgeklappert. M 1 existiert nicht mehr. Bei Türkisch-Alanya kein Termin, bei 5 weiteren – auch nicht. Beim vorletzten hat es endlich geklappt. Ergebnis ist zufriedenstellend.

Meine Tochter hat Fotos vom Einzug geschickt, das sieht schon wie ein Zuhause aus. Und sie hat dazu geschrieben: Huhu Mutti, haben jetzt WW und Heizung – sehr geil! Nicole und ich haben gestern über dich gesprochen, dass der öffentliche Dienst nervt wie – Bild von Schwein – und wir auch nicht mehr hin wollen. Ich hab mit 49 die Flinte ins Korn geworfen. Sie wird im November 39 und ist an der Uni Rostock im Sprachenzentrum, Fachbereich Englisch. Nicole ist im Sozialamt, jetzt in leitender Position, und hasst ihren Job inbrünstig seit Jahren. Der öffentliche Dienst besticht seine Mitarbeiter mit einem sicheren, geregelten Einkommen.

Meine Flur-Nachbarin Wiebke, 38, hat mir gestern das gleiche erzählt. Sie ist beim Umweltamt und nah am Burnout, klagt sie.

Ich hab die Fronten gewechselt – von Leistungserbringer zu Leistungsempfänger, durch vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. Bei Du bist connected hab ich das in gewisser Weise auch getan, als es mir gereicht hat: Von der Bittstellerin zur Regentin …

Der Unterschied zwischen seiner Art von Anwesenheit und einer realen besteht darin: Er geht zwar mit mir die Treppe hoch und sitzt mit mir am Tisch, hilft mir aber praktisch nicht, die Einkäufe mit hoch zu tragen. So ungefähr kann man sich das vorstellen …

Heute ist Mittwoch, der 2. Oktober

Ja, nun doch – mit Lukas und Ü/F in Pension am Hafen, zwei Minuten von hier. Ich bin froh, dass ich frei hab und Ruhe. Obwohl die Chefin gestern Abend gefragt hat: Liebe Anita, könntest du zur Not am Donnerstag, wenn es brenzlig wird? – Ja, das geht Bettina, müsstest du dann nur sagen, wann. Ich hab ab morgen Besuch, aber der kann sich auch mal alleine beschäftigen …

Manuel nimmt wieder seine tausend Beziehungskisten auseinander – Schnee von gestern und ich kann es nicht mehr hören. Vor allem kommt nichts bei raus. Es ist immer das gleiche. Das sag ich ihm diesmal auch. Hier laufen ausnahmsweise sogar mal gleich zwei gute Filme, die man gucken kann: König der Löwen und Gut gegen Nordwind. Das werd ich als Abendgestaltung vorschlagen …

Hier residiert die holde Weiblichkeit. Mein ganzes Interieur spiegelt das. Alle, die nicht wissen, wer sie sind und wo sie hinwollen, bringen nur Unruhe rein. Das nervt. Hier ist der sichere Ankerplatz im Heimathafen, die ruhige Bucht, das gute Klima  …

Leute, die kein Auto haben, lassen sich gerne kutschieren. Martina ist die rühmliche Ausnahme, sie legt alle Distanzen zu Fuß oder mit Fahrrad zurück, bei fast jedem Wetter. Gestern Abend, als es weltuntergangsmäßig geschüttet hat, hab ich Sigi angerufen und gesagt: Wenn morgen auch so’n Wetter ist, fahr ich euch zum Bahnhof – oder wenn es regnet. Heute früh 10 nach 8, ich lag noch im Bett, hat sie angerufen: Hi Anita, hättest du Lust, uns trotzdem zu fahren? Blauer Himmel und Sonnenschein … Hätte ich Lust? Nee, das war ein Angebot für Regen! Ja, kann ich machen … Dabei wär das gut machbar gewesen, vom Markt bis Waren Hauptbahnhof  ist es nur eine Viertelstunde Fußweg und die Koffer sind heutzutage alle Modell Hacken-Porsche – sie lassen sich rollen! Das ist doch dreist. Nochmal biete ich das nicht an, auch nicht, wenn’s regnet.

Um so mehr freu ich mich auf mein Natur-Retreat im Seehaus am Kreuzsee von Montag bis Mittwoch. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – sehen nur die rot-gelb-goldenen Herbstfarben im Nationalpark …

Ich wollte noch was sagen zum 2. Oktober, denn 2 ist mein Blog-Thema. Bei einer, die im aktuellen Google-Ranking ein Stückchen über mir steht – Dualseelen, Seelenpartner und Telepathie von M. M. heißt es: Du bist connected. Das trifft sehr gut das, was ich meine mit: Er ist immer da – für da kann man auch hier sagen oder anwesend oder präsent. Das heißt nicht, dass ich an ihn denke, das heißt nur, er ist da. Und wie connected ich bin … Manchmal sind Sparwochen, da merke ich kaum was, manchmal sind Intensivwochen, da ist es, als hätten wir gestern gerade erst … Nur ganz weg – ist er nie.

Das kann manchmal bedrohlich sein, schreibt sie weiter. Bedrohlich finde ich das nicht, nur manchmal anstrengend. Ich bin sozusagen immer in seiner Gesellschaft und das rund um die Uhr, Tag für Tag, Nacht für Nacht, und das seit Jahren. Ich bin ja nie alleine …

Damit versuche ich, das Phänomen zu erklären – wie es mir damit geht. Das ist auch keine Ausnahme, das schreiben viele, die so eine Begegnung hatten. Die kennen das und denen brauche ich auch nichts zu erklären. Und die anderen – begreifen es nicht.

 

Heute ist Dienstag, der 1. Oktober

Das Seifen-Schulprojekt war erfolgreich gestern. Ich hatte erst 6 Mädels, 5. und 6. Klasse, dabei und dann kamen noch 2 nach mit langen Gesichtern, von einem Kurs der ausgefallen ist – Puppenspiel. Dann hat es ihnen aber doch Spaß gemacht, wie den anderen und mir auch. Alle, die reinkamen, haben gesagt, das duftet hier aber schön … nach Rose, Lavendel, Orange, Granatapfel, Verbene, Olive – das waren meine Pflanzenöl-Seifen. Sie haben auch gefragt, ob sowas nochmal angeboten wird. Die Lehrerinnen und die Schulleiterin, die sich mit mir unterhalten haben, haben gesagt, die Schule hat den Projekttag zum 20. Jubiläum ein Jahr lang im Voraus geplant. Sie hatten viele schöne Angebote – das ist toll gelungen. Ein Tag, das reicht aber auch – Schule ist nicht mein Biotop. Zu laut und zu viele auf einem Haufen … Ich war froh, als ich wieder zuhause war.

Heute um halb 9 ist Christine gekommen, immer noch ohne Heizung und Warmwasser – da muss eine neue Anlage rein, das soll nächste Woche passieren – und ich hab ihr zum zweiten Mal die Haare gewaschen, mit Becher auf dem operierten Ohr, damit kein Wasser reinläuft. Dann ist sie zur Nachkontrolle nach Neubrandenburg gefahren und ich hatte eine Stunde Lymphdrainage und eine Stunde Beine ausmessen für Kompressionsteil in Violet Colour … Jetzt ist sie auf dem Rückweg und kommt nochmal ran – zur Fortführung ihrer analytischen Beziehungsstress-Beschreibung en detail, hat noch nicht gereicht heute morgen. Kurzfassung: Sie kriegt ihn nicht so hingebogen, wie sie ihn gerne hätte. Das ist das dominante Kombi-Therapeuten-Steinbock-Syndrom. Das geht mir grad ziemlich auf den Kranz …

Als ich gestern von der Schliemann-Schule zurück war, hat Tine Schwesterchen mir noch einen Obi-Eimer voll mit Wiesen-Champis gebracht. Sie kam von Parodontose-Behandlung vom Zahnarzt – von dem, der mir demnächst das Implantat macht – und hing erschlafft auf meiner roten Couch. Heute hat sie das gleiche Spiel nochmal, nur untere Kauleiste. Als ich beim Pilze putzen war, hat Lars an die Scheibe geklopft und ich hab gesagt: Hier, willst du welche abhaben? Ich schaff die nicht alle. Da hat er sich gefreut …

Manuel hatte gestern 3mal und heute 5mal angerufen. Ich war vorhin grad dabei, mir ein Fertig-Thai-Curry-Gericht in die Pfanne zu hauen, als er wieder angeklingelt hat – ob er nun morgen kommt oder nicht, wegen Wetter, und wenn ja – ob mit oder ohne Lukas, und wenn mit Lukas dann mit Übernachtung in Pension …

Von Sigi war eine SMS da: Anita, denk dran, heute nochmal runter zu kommen! Sie fahren morgen für drei Tage nach Berlin zur Familie ihres Sohnes und ich soll ihre fleischfressenden Pflanzen gießen und sie will mir dazu den Schließmechanismus ihrer Hochsicherheitstrakt-Eingangstür zeigen.

Das geht mir grad ziemlich auf den Kranz alles … Aber die schöne Venus hab ich mir gekauft – gestern war geschlossen.

Heute ist Montag, der 30. September

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge. Miguel de Cervantes

Gestern und vorgestern hatte ich eine schöne kindliche Begegnung mit einem goldigen Engelchen. Der Kleine, dreieinhalb, mit blonden Locken, hatte ein Fahrrad bekommen, mit dem er noch am gleichen Tag mit Highspeed um unser Rosen-Rondell gekurvt ist. Papa hat gefilmt. Dann wurde das Video jäh unterbrochen – durch Sturz. Oh, war das Geschrei groß. Beim Abendbrot – das war eine Familienfeier mit 18 Personen – hat er gesagt: Das mag ich nicht … Kannst du mir was anderes bringen? Was denn? Nudeln … Dann hat Anja ihm einen schönen Teller mit Bandnudeln, Butterflöckchen und Käse angerichtet. Beim Abräumen war er schon im Bett. Das hat ihm geschmeckt, hat der Vater zu mir gesagt. Aber er hat kapituliert, hab ich gesagt – es war noch ein Rest auf dem Teller. Sein Papa und ich hatten auch einen guten Draht.

Gestern ist noch ein Paar mit zwei Kindern angereist, das gefragt hat, ob noch mehr Kinder im Haus sind, wegen Spielgefährten. Oh ja …

Da hab ich ihn erstmal gefragt: Wie heißt du denn? Loui – und wie heißt Du? Anita. Es sind noch zwei Kinder hier, die würden gerne mit dir spielen – ein Mädchen, ein bisschen kleiner als du, und ein Junge, ein bisschen größer als du … Aber ich bin auch schon groß! Ja, das bist du. – Guck mal, wie groß ich bin, siehst du, was ich für große Beine habe? – und er zeigt an sich runter auf seine geringelte Strumpfhose. Aber Du bist ja ganz groß, meint er zu mir. Na, so groß bin ich auch wieder nicht … Doch, Du bist viel größer als ich … Ich bin ja auch viel älter als du …

Das war wirklich herrlich mit ihm und hat Spaß gemacht Was machst du jetzt?, hat er abends gefragt. Ich fahr nach Hause …