Heute ist Sonnabend, der 23. November

Feierabend um 11 – jetzt ist es nach 12. Morgen hab ich Anna hier, hat Anja gesagt, und: Mit Anna kann ich nicht so. Glaub ich, wir sind schon ein gutes Team, sie und ich, und es war eine schön entspannte Spätschicht. Früh um 10 fahr ich mit Aniko und Sigi zum Gartenmarkt nach Teterow zur Advents-Ausstellung. Das hat Aniko, unsere Floristin, angeregt. Da find ich sicher was für unsere Familien-Weihnachtsfeier.

Was wär, wenn der richtige Maik vor der Tür gestanden hätte? Darüber will ich gar nicht nachdenken nach Mitternacht, weil a) zu spät und b) sehr unwahrscheinlich. Allen eine gute Nacht, die mich aus irgendeinem Grund hier begleiten. Jeder sucht die Liebe seines Lebens …

Mein Trinkgeld gestern hab ich heute gleich in einen fertig ausstaffierten Adventskranz umgesetzt. Allerdings hier unten auf dem Markt, bevor wir losgefahren sind. Ich hab mir schon gedacht, dass sie im Advents-Gartenmarkt deutlich teurer sind. Und war auch so – das Dreifache. Es war aber sehr schön, und was sie da auf die Beine stellen, kann sich sehen lassen, an Fläche und an Vielfalt! Auch kulinarisch gut und ausreichend: Glühwein Bio, Bratwurst richtig lecker, und für den süßen Gaumen Mutzen sowie Kuchen ohne Ende.  Wir haben schöne alberne Fotos gemacht und hatten viel Spaß und einen schönen Vormittag! Martina wird übel, wenn sie Bratwurst liest – aber ist ja nur mal ’ne Ausnahme!

Heute ist Freitag, der 22. November

In unserer WhatsApp-Gruppe hat meine Schwester Birgit gestern geschrieben: Ich mach mich jetzt hübsch und fahr in die Stadt. Ich wünsch euch einen wundervollen Tag! Also mir und meiner Schwester Tine. Das war gegen 10, da lag ich noch genüsslich im Bett und hab geantwortet: Hübsch machen und in die Stadt – das ist eine gute Idee und ein Grund, mich zu erheben. Wenn du Zeit und Lust hast, können wir uns auf einen Kaffee oder Tee treffen. Rückmeldung: Ich will nur Kontoauszüge holen und dann an meinen Schreibtisch, der voll Arbeit auf mich wartet. Mein Energielevel ist gerade bei 3. Wenn ich mich verbummele wird das nichts. Ein andermal gerne.

Das war ein Grund, ihr eine Sprachnachricht zu schicken: Das kann sich auf dreieinhalb erhöhen, wenn der wundervolle Tag außer Nebelsuppe auch noch ein Viertelstündchen gemeinsame Zeit zulässt. Der Schreibtisch läuft nicht weg, wir haben einen schönen Moment geteilt und danach geht es gleich viel besser mit der Arbeit! Dann sie: Mal gucken, ich fahr jetzt los. Nach einer halben Stunde: Wo finde ich dich? – Vor Rossmann! Dann haben wir uns, sie mit einer heißen Schokolade und ich mit einem Tee Earl Grey, in die überdachte Zweierloge außen beim Bäcker gesetzt, schön erzählt und gelacht und gleich war der Nebeltag nicht mehr ganz so grau.

Nicht andermal, irgendwann – heute leben wir hier, und jetzt …

Eben, 10 vor halb 10, hat es geklingelt und Maik stand vor meiner Tür … Der von Jannys Eis. „Kann ich bei dir mal das Schloss ausmessen? Die haben doch im April bei uns eingebrochen, und jetzt bekommt unser Haus eine neue Schließanlage.“ Na, dann mach mal! Ich finde, das ist doch eine hübsche Erwähnung wert, am 22.11. … Zu dem Datum und dem Maik schickt Petrus schönes Wetter um 11:00 Uhr!

Heute ist Donnerstag, der 21. November

Noch 10 Tage, dann bin ich durch durch den Toten-Monat mit Nieselregen, Nebel, Grau in Grau. Diese Begeisterung für den Monat November teile ich mit Lars. Lieber klar, Sonne, Frost, sagt er … Und meinetwegen auch Schnee, ergänze ich. Im Dezember wird es nicht schlagartig anders und zwischen Sonnenauf- und -untergang liegen auch nur 8 Stunden, aber da leuchtet zusätzlich noch das Licht von Advent und Weihnachten plus Silvesterfeuerwerk …

Gestern hab ich Mandy kennengelernt. Das war eine herzliche Begegnung auf gleicher Wellenlänge. Sie war mit Lars auf der Terrasse rauchen und er hat sie mir so vorgestellt: Das wäre deine Nachbarin geworden … Doch sie hat die Wohnung wegen fehlender Sicherheiten nicht bekommen. Sie hatte gerade einen Job angefangen und konnte keine 3 Einkommensnachweise vorlegen. So bin ich zu Lars als Nachbar gekommen. Sie ist wie er Anfang 40, Bankangestellte, und träumt von einer Ausbildung als Musik-Therapeutin. Doch man muss auch davon leben können, meint sie. Ich hatte ihr gesagt, dass ich Psychologische Beraterin bin und mir damit einen Traum erfüllt habe. Die Ausbildungskosten sind in etwa gleich. Die Beratungen sind keine Kassen-Leistung – aber ich muss auch nicht davon leben – anders als sie.

Deine Wohnung ist ja auch süß, hat sie gesagt – hat sie durch die Scheibe gesehen – am liebsten würde ich mir die mal angucken. Beim nächsten Mal – wir wollten los, um mit Lars seine Ebay-Kleinanzeigen-Teppiche abzuholen.

Heute ist Mittwoch, der 20. November

Heute morgen fand ich eine E-Mail im Postfach von einer lieben Leserin, die mich schon lange begleitet. Bevor ich ihr ausführlich antworte, möchte ich hier mal was dazu sagen:

Es ist gewollt, dass diese Paare zusammenkommen – von Oben, Gott, dem Universum, der Geistigen Welt, den Engeln, dem Schicksal – hier kann jeder das Wort einsetzen, mit dem er was anfangen kann – richtig zusammenkommen – nicht in Hotelzimmern, als Affäre, Freundschaft, Irgendwas …

Affäre hat sich totgelaufen bei mir, auch wenn es eine Langzeit-Affäre war. Es konnte auch nicht anders sein – das wäre nicht zeitlebens so weitergegangen. Das ist nicht der göttliche Plan, auch wenn es damit angefangen hat. Das war nur die Initial-Zündung.

Spirituell gesehen, gibt es keine Zufälle im Leben. Es hat alles einen tieferen Sinn – oder einen höheren, wenn man so will. Ich will nicht immer die abgenutzte Formel Zufall ist das Fällige, das einem zufällt bemühen, aber es ist so. Nichts geschieht ohne Grund. Was hat sich wohl die Geistige Welt dabei gedacht, als sie es eingefädelt hat mit uns – über eine Kontaktanzeige? Wahrscheinlich hat sie gedacht, dass er auf Sex am meisten abfährt … Geniale Idee. Bis er gemerkt hat, woher der Wind weht – und ganz schnell die Richtung gewechselt hat. Weitere Ideen und Aktivitäten von oben sind seitdem nicht zu verzeichnen – jedenfalls keine sichtbaren.

Ich lass es laufen, wie es läuft …

Heute ist Dienstag, der 19. November

Am Freitag kommt abends ein Gast ins Guti-Gutshaus, der öfter da ist, mit mehreren Personen. Dem Umstand verdanke ich meine Spätschicht. Was macht der beruflich?, hab ich Anja gefragt, weil er auffällt, wobei ich nicht mal sagen kann, wodurch, nur durch Andersartigkeit. Weiß ich nicht, sagt sie. Vielleicht Freimaurer-Loge, hab ich vermutet. Ich hab den Namen gestern mal gegooglet: Er hat mit seiner Frau im Nachbardorf ein Privatinstitut für Gesundheits- und Management-Beratung. Und das in einem kleinen Dörp im tiefsten Mecklenburg! Auf ihrer Website steht unter Gesundheit: Über 90 % aller Krankheiten sind vermeidbar! Worum geht’s dabei?

Unter der Frage, wie wichtig es ist, die folgenden Blutwerte zu kennen, zählt er 6 Positionen auf, von denen 5 der Normal-Sterbliche noch nie je gehört hat. Das einzige, was mir was sagt, ist das Fettsäuren-Profil in %. Das Verhältnis von Omega 6 zu Omega 3 Fettsäuren sollte mindestens 3 : 1 sein, optimal 1 : 1. Was es bei den wenigsten ist. Alles andere ist Dysbalance. Na, da muss es doch noch um mehr gehen … Richtig, um hochwertige Naturprodukte als Nahrungsergänzungsmittel – auch in der Krebs-Therapie. Seine Frau sagt im Einführungs-Video am Schluss: Hol Dir, was Du brauchst …

Brauch ich das? Meine Meinung ist, wenn der Mensch mit sich im Reinen ist und ein ausgeglichenes Sexualleben hat im Verhältnis von 1 : 1 ist für alles gesorgt. Und selbst wenn Part 2 fehlt, ist innerer Frieden schon die halbe Miete.

Lag ich nun falsch mit meiner Einschätzung? Auf der Seite gibt es eine „Schatztruhe“ exklusiv für Stammkunden, Zugangsdaten auf Anforderung. Geheim klingt das schon …

 

Heute ist Montag, der 18. November

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Überall hat man den Himmel über sich. Francesco Petrarca

Verschlafen – um halb 9 aufgewacht und um 9 ist Treffen von Notfallbegleitung. Das schaff ich nicht, obwohl es nur ein paar Meter die Straße runter ist. Beim Kaffeekochen hat Lars an die Scheibe geklopft, ich hab ihm nachträglich zum Geburtstag gestern gratuliert und ihm ein Päckchen Krönung mit einem grünen Marzipan-Herz Energie überreicht. Kaffee kann er am besten gebrauchen, hab ich gedacht. Da hat er sich gefreut und gefragt, ob ich mit ihm morgen Nachmittag hier zum Melzer See fahren kann, da hat er bei Ebay-Kleinanzeigen zwei Teppiche gesehen, die er kaufen will … Wir haben Käffchen auf Terrasschen getrunken und dann hab ich Carmen Sternchen angerufen und sie gebeten, mich krankheitshalber zu entschuldigen.

Heute Abend geh ich mit Tine-Schwester ins Kino: Das perfekte Geheimnis – Das ist eine Komödie mit Handy-Tausch, um zu sehen, wie treu sich die befreundeten Paare sind. Für mich hat das noch eine andere Nuance. Das perfekte Geheimnis war ich über 10 Jahre lang selbst. Manuel ist, glaube ich, der Einzige im Umfeld von Maik, der davon weiß, was sich so lange unsichtbar hinter den Kulissen bei ihm abgespielt hat. Ich war beileibe nicht sein einziges Geheimnis, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wohl das längste.

Der Himmel über mir hält sich bedeckt. Gut – Ich bin keine Frau im Untergrund mehr!

 

Heute ist Sonntag, der 17. November

0:11 Für mich ist noch Sonnabend after work. Mir geht einiges durch den Kopf in meinem Single-Dasein. Was wäre wenn … ich damals die Annonce nicht geschaltet hätte, ich einem anderen geantwortet hätte als ihm oder nach unserem Treffen gesagt hätte: Ich glaube, das passt nicht mit uns.

Mein Sohn hat lange für mein Verständnis unsinnige Computer-Spiele gespielt. Gehst du durch diese Tür oder durch die andere? Hier bekommst du Leben geschenkt – da was anderes. Es geht immer um Entscheidungen. Ob sie richtig sind oder falsch, weißt du nicht, weil du nicht weißt, was dich hinter der anderen Tür erwartet. Diese Spiele sind ziemlich lebensecht. Mir ist heute Sicherheit wichtiger als damals Risiko.

Kurz vor 7: Es hat gefroren und ist ein schöner Morgen mit abnehmendem Mond über dem Markt. Was erwartet uns noch im Leben und wieviel Restlaufzeit haben wir noch? Keiner weiß es. Ich bin intuitiv gefühlt von einer Lebenszeit von 99 Jahren ausgegangen. Aber wenn es nur 77 werden – das ist in etwa die durchschnittliche Lebenserwartung – ist die Restlaufzeit noch 17. Dann wird es eng und man denkt, klär deine Verhältnisse und bring deine Sachen in Ordnung. Wann stellt man sich solche Fragen? An Wendepunkten …

Jetzt hab ich erstmal 5 Tage frei – erst Freitag wieder. In den beiden Jahren zuvor war schon Winterruhe, was Guti-Gutshaus betrifft. Gestiegene Übernachtungszahlen und durchgängige Belegung lassen an Winterschlaf nicht denken.

Heute ist Sonnabend, der 16. November

Gestern haben wir die vorletzten Folgen von Outlander bei Sigi und Wolfgang geguckt. Jetzt haben wir noch zwei für Sonntag. So einen Schal wie Clare hat, brauch ich auch, hab ich gesagt. Das ist eine Pelerine, ein Schal, der nur die Schultern und die Oberarme bedeckt. Das sieht gut aus und ist schön warm und weiblich. Den gibt’s fertig zum Bestellen oder als Strickanleitung. Ich will mir den selber stricken … ist eine schöne Winterbeschäftigung.

Der Schal für Michael wird fantastisch. Ich hab gestern angefangen und ihn schon zu einem Viertel fertig. Das macht richtig Spaß, ich möcht‘ gar nicht aufhören. Stricken ist typisch Krebs – neben Kochen und Backen für meine Lieben.

Es meldet sich grad gar keiner – außer Guti-Gutshaus hat eben angerufen und Bettina hat gefragt, ob ich heute Abend Anja helfen könnte? Könnte ich machen … Da hab ich nun die wenigste Lust drauf, bei dem Wetter abends loszufahren und Gäste zu bedienen. Aber paar Stunden sind ganz gut für mein Zeit-Konto, also hab ich zugesagt.

 

Heute ist Freitag, der 15. November

In Manuels Präsentkorb war auch eine grüne Kerze, die gerade bei mir brennt. Grün ist die Hoffnung …

Heute hab ich einjähriges alleiniges Bestehen. Ein Grund zum Feiern ist das nicht, aber einer, froh darüber zu sein, dass ich mich aus einer unbefriedigenden Situation gelöst hab. Nämlich der, dass ich ihm immer und immer wieder geschrieben habe.

Eine Frau liegt mit 10 Schwertern im Rücken in einer Blutlache im Schnee – das ist eine Tarot-Karte. Das heißt, in Worten ausgedrückt: Am Boden zerstört. So war die Situation vor einem Jahr. Die Karte zeigt aber auch das Ende eines Zyklus an.

Gestern war ich mit Carmen Sternchen zur Hurtig-Routen-Multivisions-Show – das waren herrliche Bilder von Norwegen!

Heute ist Donnerstag, der 14. November

Die Dienstbesprechung mit anschließendem 3-Gang-Menü gestern im befreundeten Gutshaus in der Wittstocker Heide hatte zwei Ergebnisse: Erstens, dass ich hinterher erschossen war, weil ich a) noch nicht richtig gesund bin und b) ich Guti-Gutshaus nach diesem Sommer unter physischem Stress gespeichert hab, und zweitens, dass ich weiß, wo ich Silvester verbringe. Die Chefin hat gefragt, ob ich zur Verfügung stehen würde. Da hab ich spontan zugesagt …

Heut war Schnäppchentag. Zuerst hab ich ein Paar weinrote italienische half price Stiefeletten gesehen, als ich Geld abheben wollte. Die Schuh-Perle liegt gleich neben den Sparkassen-Automaten. Dann bin ich zum Wollstand auf dem Markt gegangen, den ich von oben gesehen hatte, weil ich noch was stricken will. Nach langem Suchen hat der Verkäufer erklärt, die kriegen Sie für 2 € pro Knäuel, die kostet sonst mehr als das doppelte, 4,50. Oh schön, davon strick ich einen Schal für meinen Sohn, der wird sich freuen! Ach, für Ihren Sohn, ich dachte für Ihren Mann? Nein, für meinen Sohn, das hab ich ihm letztes Jahr schon versprochen …

Warum fragt er sowas? Ich hab die Antwort offen gelassen, ob ich einen Mann habe oder nicht. Es ist eben keine anonyme Großstadt. Christine haben sie auf dem Hof sogar gefragt, ob die kleine Frankie von ihrem Ex oder ihrem Jetzigen ist. Wer sich hier niederlassen will, muss wissen, dass Diskretion ein Fremdwort ist.