Heute ist Sonntag, der 28. Juli

Kaum hatte ich gestern den letzten Satz geschrieben, da hat sich das WLAN verabschiedet. Es ist das von Christine nebenan, was ich mit nutze. Sie haben gestern den Rückbau ihrer eingezogenen Trockenbau-Wände gestemmt, den der Vermieter verlangt hat. Dabei haben sie wohl den Stecker gezogen. Abends ging’s wieder. Der ganze Flur ist schon vollgestellt mit gefüllten Umzugs-Kartons. Dabei ist er erst im Oktober. Ich werd sie mal fragen, ob die da so lange stehen bleiben. Es ist nur eine schmale Gasse frei, um in unsere Wohnungen zu gelangen.

Sie hat mir ein paar schöne Baby-Schuhe und einen Teddy-Overall an die Tür gehängt bzw. davor gestellt. Nach dem 1. Geburtstag von Frankie arbeitet sie wieder und kam immer zwischen Feierabend und Kinder aus der Kita abholen kurz zu mir zum Reden und Rauchen, als kleine Auszeit zwischen ihren ganzen Verpflichtungen. Dieses Wochenende war ich Fr/Sa arbeiten – HEUTE FREI!!! – und morgen Nachmittag hab ich wieder die Kaffee-Schicht – da sehen wir uns also auch nicht …

Du musst doll k.o. sein, zu einem Cäfchen bist du wohl noch nicht bereit?, hat Sigi angefragt. Sie hat es wirklich so geschrieben. Doch bin ich, zu einem Käffchen mit MIR. Das hab ich natürlich netter verpackt. Martina hat mir mal einen WhatsApp-Spruch geschickt: „Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten? Ohne vollgequatscht zu werden!“ Im Moment ist es wirklich so … nur Ruhe.

Ich kann heute keine Paare sehen, hab ich gestern zu Anja gesagt. Die, die alle 14 Tage aus dem Spreewald zu uns kommt. Sie kennt meine Geschichte und hat auch so eine. Wir haben nur Paare da, meist mit reichlich Kindersegen – neulich eine Familie mit 4 Kindern und das fünfte deutlich sichtbar unterwegs – oder mit Hund, der Vorstufe vom Kind. Warum, weil dir was fehlt?, hat sie gefragt. Nein, weil der Mann, der zu mir gehört, nicht an meiner Seite ist …

Das ist nicht Unbelehrbarkeit, das ist Wissen, das in mir gespeichert ist. In meinen Zellen lebe ich mit ihm als Mann und Frau, in einem schlafenden Paradies.

Schöne Gute Nacht …

Heute ist Sonnabend, der 27. Juli

Das Gefühl für gutes Essen hat meine Großmutter mir vermittelt. Sie hat nicht nach Gramm-Angaben, sondern mit dem Herzen gekocht und gebacken, nachdem sie zwei Weltkriege miterleben musste. Beim Beginn des Ersten war sie drei Jahre alt, am Ende des Zweiten ist ihr Sohn, ihr neugeborenes drittes Kind, auf der Flucht verhungert. Sie hat mir mal erzählt, dass es nirgends Milch für ihn gab und wie sein Schreien immer schwächer wurde. Er wurde irgendwo unterwegs begraben. Jetzt wird bald mein erstes Enkelkind geboren, Jonte – es kann jeden Tag soweit sein …

Ich möchte das mal meinem Mann erzählen können, damit er verstehen kann, was Hunger und Sattsein und Genährtsein für mich bedeutet.

09:40 Uhr Die letzten Gedanken oben, die ich spät nach Feierabend geschrieben habe, wollte ich jetzt wieder löschen. Sie waren für die Nacht bestimmt, nicht für den Tag. Ich lass das mal so stehen …

Heute ist Freitag, der 26. Juli

51 Fotos hatte ich heute morgen auf dem Handy, gesendet um 22:11 Uhr – hat mir Ulla geschickt von ihrer Dresden-Prag-and-more-Reise. Darauf auch sie mit ihrem Mann und Vater meiner Tochter bei kulturellen und kulinarischen Genüssen.

Meine Antwort: Guten Morgen Ulla und vielen Dank für deine herrlichen Impressionen von Kunst, Kultur und Esskultur. So lässt’s sich aushalten! Ich hab mich inspirieren lassen und gestern spontan einen Kurztrip 3 Tage Prag gebucht, 6. – 8.8., übernächste Woche Di bis Do mit Sommer-Bus-Tours. Ich steig am Ratskeller bei mir um die Ecke ein und auch wieder aus, das ist entspannt. Das sind zwar effektiv nur anderthalb Tage Prag, reicht aber für eine kleine Auszeit mit Moldau-Abend-Fahrt mit Akkordeon-Musik und Essen, Stadtführung mit Burg und Brauerei-Besichtigung mit Bier und nochmal lecker tschechisch essen. Ist meine Belohnung für die Schufterei bei Hitze. Euch weiter so schöne Tage und liebe Grüße von hier!

Schönes Clarion-Congress-Hotel-Prague inklusive …

Heut hab ich meine Namens-Freundin Anita aus Bremen angerufen und zum Geburtstag gratuliert. Was machst du?, hat sie gefragt. Arbeiten und schlafen …

Jetzt merk ich, was für ein armes Leben ein Rationalist oder Kopfmensch führt, wenn Emotionen in den Keller verbannt werden oder sich – wie bei mir – von selbst dorthin zurückgezogen haben. Da gibt’s nichts, was einen anhebt oder in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt. Das gehört wohl dazu, dass mir gezeigt wird, wie er die ganze Zeit empfunden hat. Das heißt nicht, dass man sich nicht schöne Tage machen kann, doch sie schmecken fade und nüchtern im Gegensatz zu dem, was ich sonst gewohnt bin. Affinität zu guten Speisen wäre von Vorteil, stand in der Stellenausschreibung von Guti-Gutshaus – und die hab ich nun mal …

Was hältst du von Champignons im Salat?, hat Anja mich neulich gefragt, als sie die roh da untermischen wollte. Gar nichts.

Heute ist Donnerstag, der 25. Juli

So, Prag ist gebucht. Das ist dann schon übernächste Woche, Dienstag bis Donnerstag. Danach hab ich mir noch einen schönen Fisch-Burger vom Räucherfisch-Kahn geholt und mir am Ufer der Müritz schmecken lassen. Danach noch einkaufen und jetzt ist der Rest des Tages für Regeneration für noch zwei heiße Schichten morgen und übermorgen Abend.

Das sind auch die 3 Glücks-Momente heute: Reisebuchung, Fisch an der Müritz und FREI …

Heute ist Mittwoch, der 24. Juli

Wir suchen eine nette Person, die Lust hat in einem netten Team nette Gäste zu umsorgen, auf 400€ Basis oder 20-Stunden-Festanstellung, Arbeit in unserer Küche und im Restaurant, Frühstück und bei unserem Abendbrot. Erfahrung im Service und Affinität zu guten Speisen wäre von Vorteil, zeitliche Flexibilität auch. Bitte teilen!

Das ist das Guti-Gutshaus-Angebot, das seit 24. Mai in der Job-Börse von Wir sind Müritzer steht – erfolglos bisher. Das Einzige ist, dass Fabi, die 14-jährige Tochter von Jana aus dem Reinigungsteam, jetzt ab und zu aushilft. Das verschafft mir wenigstens mal einen freien Tag zwischendurch. Wenig, aber besser als den ganzen Sommer nonstop …

Den ganzen Nachmittag nackt auf dem Bett liegen und dösen … was anderes ging gestern nicht – heute nicht anders. Da hat Anja angerufen und gefragt, wann wir uns heute sehen – sprich, wann ich anfange. Am besten nur kurz – spät anfangen und schnell weg – wenn überhaupt. Na, ich guck mal, hat sie gesagt, das heißt, wenn wenig zum Essen kommen, ob sie es auch allein schafft. Wohl kaum …

Wie ich gedacht hab, heute 17:00 Uhr, weil viele Anmeldungen zum Abendessen sind. Und das wieder bei 30 Grad. Ich überleg schon eine Weile und gestern Abend ganz intensiv, ob ich die 3-Tage-Fahrt mit Sommer-Tours nach Prag mitmach, 6. – 8.8. Anjas Anruf war spontan das Ja dazu. Man soll in seiner Arbeit aufgehen, nicht unter. Also belohn ich mich damit …

Heute ist Dienstag, der 23. Juli

Nach dem zweiten Kaffee um 10 kam ich einigermaßen zu mir und in Gang. Dann hab ich mich aufgemacht, um das Geburtstagsgeschenk zu besorgen, was kein Problem sein dürfte, hab ich gedacht. Ich hab Christine gefragt, ob sie was gebrauchen kann für die Maus. Ein Rock wär schön, hat sie gesagt, sie hat keinen.

Das wundert mich jetzt nicht mehr – es gibt keine. Bei Ernstings Family und Kik niente. Leggings in allen Längen und Kleider. Das darf doch nicht wahr sein! Bei Kik hab ich nur geguckt, weil sie bei Kindersachen die Fa. Ergee haben, die man kaufen kann bzw. könnte. Dann bin ich bei Family doch fündig geworden – EIN bunt geblümter Sommer-Jersey-Rock mit Top in Größe 104, 92/98 braucht sie. Ich hab ihn trotzdem genommen, weil sie gut bei Sache ist – falls doch zu groß, nähen wir ihn ab … Dann noch ein 5-er-Pack Klick-Klack-Haarspangen dazu, die ich lange ausgesucht hab, um die schönsten zu finden. Fertig ist das Geburtstagspräsent! Die Kinder-Party ist um halb 4 im Garten beim Kamerun-Zeltplatz …

Ich hab ihr eben, eine halbe Stunde vorher, abgesagt. Ich kann mich nicht überwinden, bei 27/29 Grad real/gefühlt zu Klein-Kinder-Party zu fahren, mit dem Auto nicht und mit dem Fahrrad auch nicht, ist mir zu heiß. Ich brauch den Tag als Relaxe-Pufferzone zwischen Guti-Gutshaus gestern und morgen, wo auch 30 Grad angezeigt sind. Lieber Schatten, Ruhe, Beine hoch …

Heute ist Montag, der 22. Juli

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Es ist besser, zu handeln und es zu bereuen, als nicht zu handeln und es zu bereuen. Giovanni Boccaccio

Heute mal ganz früh, der neue Kalender-Wochenspruch – oder ganz spät. Für mich ist noch Sonntag. Um 01:20 Uhr gehe ich langsam schlafen. Boccaccio hat das Decamerone geschrieben.

Sex ist zu was geworden, von dem man nach einer langen, glücklichen Ehe weiß, dass es die Basis der Verbindung ist, ohne sich danach zu verzehren, wie am Anfang. Das sind die alten glücklichen Paare, die sich lächelnd an der Hand halten und dabei einen Eisbecher mit Sahne löffeln. Alles kann, nichts muss … Zu denen zähle ich mich auch, so unsinnig es scheinen mag.

Die 3 Glücksmomente heute:

Das ist Glück, hier zu leben, in der schönen Heimat meines Herzens – hab ich heute auf dem Weg zu Guti-Gutshaus gedacht.

Gebutterte gelbe Bohnen zu Mittag, die mir meine Schwester in den Fahrradkorb gelegt hatte.

18:30 Feierabend und morgen frei!

Morgen hat Frankie, die kleine Motte, Geburtstag. Sie wird schon ein Jahr alt …

 

 

Heute ist Sonntag, der 21. Juli

Mein Herz ist schwer, ich fühle nicht die Kraft zur nötigen Selbstliebe zu gelangen, und merke, wie ich mich durch (liebevollen) Kontaktabbruch meinerseits nur selbst belüge.

Ich hab mir nach Feierabend ein Video von Heart&Soul Readings angesehen. In den Videos geht es um einen selbst, nicht um das Gegenüber. Titel: Seelenpaare finden zusammen !! Plauderei aus dem Nähkästchen … Interessant und sehr zahlreich waren die Kommentare dazu – siehe oben.

Doch, doch, doch – schaffst Du! Hab ich darauf in Gedanken geantwortet. Was ich machen möchte und kann ist, denen, die noch nicht so weit sind, Mut zuzusprechen, ihrem Herzen zu folgen. Auch und gerade wenn ihnen im Außen die Liebe nicht lebbar erscheint, die sie im Innern fühlen. Kann ich es, können es andere auch …

Wenn ich mir vorstelle, ihn nie mehr berühren zu können … hat eine andere geschrieben. Mut, Kraft und Stärke – hab ich und brauch ich auch. Ich hab all die Stadien auch durch. Ich versteh sie alle, die darunter kommentiert haben, außer einer, die geschrieben hat: Mein Seelengefährte ist mein Hund, den ich mir aus dem Tierheim geholt habe. Na ja, wenn sie meint, wird es so sein.

Das war sportlich heute – Guti-Gutshaus. Wir waren zu dritt. Die Chefin ist noch mit eingesprungen, die schon auf dem Sprung in’n Urlaub war. Jetzt Mitternachts-Mond-Terrasse mit einer schönen Flasche Toro von uns als Zugabe 

Heute ist Sonnabend, der 20. Juli

01:01 Uhr: Feierabend mit Mondschein auf Terrasse. Ich muss mal mit dir reden – und mit den anderen auch, hat Anja mich heute empfangen. Es ist eine Trinkgeld-Diskussion im Gange: Die Festangestellten monieren, dass ich als Nebenjobler genauso viel bekomme wie sie. Sie meinen, mein Stundensatz ist unversteuert, also brutto gleich netto, und bei ihnen mit dem gleichen Stundensatz kommt dadurch, dass das Finanzamt die Hand aufhält, unterm Strich deutlich weniger raus.

Trinkgeld geben die Gäste, wenn sie zufrieden sind. Deshalb – meine Meinung – soll es auch zu gleichen Teilen unter denen ausgeschüttet werden, die dazu beitragen. Es kann nicht dazu dienen, ein angebliches Lohngefälle auszugleichen. Ich seh doch gar nicht ein, dass mir weniger zustehen soll, wo ich doch genauso zum Wohl der Gäste beitrage. Dann muss eben der Arbeitgeber einen Stundenlohn zahlen, dass sie gegenüber Nebenjob nicht benachteiligt sind. Und wenn wir schon von Steuer reden: Sie können ihre Fahrtkosten absetzen, ich nicht. Und da das Trinkgeld bei uns eh nicht üppig fließt, weil die Rechnungen alle aufs Zimmer geschrieben werden – das hab ich hier schon mehrfach erwähnt – und erst bei Abreise bezahlt wird, fällt es deutlich geringer aus, als bei täglicher Kassierung. Um mal eine Vorstellung davon zu haben, um welche Größenordnungen es sich handelt: Das sind mal 10 Eus, mal einiges mehr, mal weniger, mal gar nichts. Im Schnitt sind es 5 € pro Schicht – das deckt grad mal die Fahrtkosten. Und da haben wir die Gleichstellung Festangestellte – Nebenjob.

Ich hab mir mal andere Gedanken gemacht, wenn ich Feierabend hatte, emotionaler Natur. Kühler Rechner und Rationalist ist eigentlich gar nicht meine Schiene – so kann sich das Blatt wenden …

Heute ist Freitag, der 19. Juli

Grad wollte ich mich wieder hinlegen und noch schlafen nach dem Morgenkaffee mit Martina, die wieder nach Fleesensee unterwegs ist, da schreibt die Chefin, sie braucht heute die Stunden von uns. Sonst morgen, aber die Chef-Family fährt 2 Wochen nach Schweden in Urlaub, deshalb heute schon. Das heißt die nächsten 14 Tage sind wir noch zwei Leute weniger und damit zu dritt – Nicole als Frühstücks-Fee und A & A, Anja und Anita, die Abendbesatzung.

Peter kommt aus Rostock und holt Martina nachher ab und sie kommen zu mir und wir wollen in der Fischer-Stube am Hafen was zu Mittag essen. Und ab 14:30 Uhr schon wieder Abfahrt zu Guti-Gutshaus – bis open end – heute ist Grill- oder Barbecue-Abend, wie es bei uns heißt. Peter und Martina, ihre Mutter, Lebensgefährte und Beagle-Hundedame Leyla kommen dann zum Kaffee ins Gutshaus und anschließend fahren Peter und Martina zurück nach Rostock. Die Woche ist wie im Flug vergangen mit nur wenig gemeinsamer Zeit.

Und – das Maß noch nicht voll – schreibt Sigi, nachdem ich grad meine Stunden zusammengezählt hab: Bist du da, soll ich dir was zum Frühstück hoch bringen? Sonst gerne. Was ich grad am meisten brauch, ist Schlaf – kein Frühstücks-Tablett. Das teil ich ihr kurz per SMS mit und denk, nun kann ich noch ein Auge zumachen. Da ruft sie an! Meine SMS ist nicht angekommen – das glaub ich nicht!