Heute ist Donnerstag, der 18. Juli

Gestern, heute, morgen, Sonnabend, Sonntag, Montag – Guti-Gutshaus. Viel zu viel des Guten. Eigentlich wollte ich mit Martina schön in Ruhe frühstücken, bevor sie zu Muddern nach Fleesensee fährt, doch Frau Nachbarin hat ihren letzten Psycho-Termin in Demmin, das heißt um 10 losfahren. Feierabend war gestern um 11 und danach noch Terrass mit Martina … Sonntag will Michael mit Tamina und Jonte inside kommen und mir ihre Eltern vorstellen – Mittag und Kaffee und dann nahtlos gleich wieder zu meinem Sommer-Arbeitsplatz 6-days-a-week …

Mein 3-Glücksmomente-pro-Tag-Buch hab ich auch noch nicht angefangen. Ich würde jeden Tag dasselbe reinschreiben: Feierabend – Wein auf Terrasse – mein Bett …

Beim Frühstück hat Martina Lars kennengelernt. Könnte schlimmer sein, sagt sie. Könnte viel schlimmer sein. Ich mag ihn, immer freundlich und zuvorkommend.

Ich hab meine 3 Glücksmomente für heute:

16 Uhr Anruf von Guti-Gutshaus, ich brauch heute nicht kommen!

125 g Schachtel Lindt Pralinen vom Geburtstag

Bad Buttermilch-Zitrone mit Haarewaschen

Heute ist Mittwoch, der 17. Juli

Der Vollmond gestern war ein Schauspiel, denn er war optisch kein Vollmond. Mit partieller Mondfinsternis sah er um 23:00 Uhr aus wie eine geschwungene goldene Schale, die am Himmelszelt steht.

Martina hat mir erzählt, Manuel hat ihr gesagt: Ja, war gut, dass er hier war, aber es war nicht mehr so wie sonst und er hat sich auch gelangweilt. Und mit meinen Videos, sprich Karten-Readings, kann er auch nicht so mitgehen. Na klar, ich hab ihn auch nicht mit Rundum-Betreuung versorgt, wie sonst. Ferienlager bei meiner Schwester, Guti-Gutshaus … da blieb nicht viel Zeit für ihn. Und mit sich alleine kann er nichts anfangen. Er hat ständig aufs Handy geguckt und wurde auch mehrfach von Patienten angerufen, mit denen er eine telefonische osteopathische Behandlung durchgeführt hat. Ich hab ihm gesagt: Ein Arzt nimmt 59,60 für telefonische Beratung innerhalb der Sprechzeiten, außerhalb und im Urlaub ist er gar nicht zu erreichen. Du hast URLAUB! Ja, ich weiß …

Martina hat ihm gesagt: Das ist kein Wunder, dass es nicht mehr so läuft wie vorher, das war eine Verbindung zu dritt zwischen euch! – wobei Manuel das Verbindungsglied zwischen A & M war. Jetzt, wo das weggefallen ist, klappt es auch mit uns nicht mehr so richtig. Als wenn der Zweck entfallen ist. So wie ich mit seinen ganzen Themen nichts mehr anfangen kann, so er auch nicht mit meinen.

Heute ist Dienstag, der 16. Juli

Damit ich überhaupt zu komm, was zu schreiben, hier einfach mal die Antwort auf die Frage meiner Freundin und Podologin Dana, wie es mir geht?

Bei mir ist Land unter seit Juli. Erst Geburtstags-Vorbereitung und Geburtstag selber, danach gleich Manuel eine Woche zu Besuch, jetzt Martina. Ihre Mutter ist mit Mann und Hund diese Woche in einem Ferienhaus in Fleesensee. Sie schläft bei mir und wir pendeln hin und her. Letzte Woche hab ich meiner Schwester noch bei ihrem Abenteuer-Camp mit den Kindern mit geholfen und dazu noch jede Menge arbeiten. Das geht noch bis mindestens bis Ende August so, eher länger. Keine Leute, sprich Personal! Dafür haufenweise Gäste. Sonntag war da das Ende weg, beide Chefs, ihr elfjähriger Junior, eine Ferien-Aushilfe aus dem Dorf und ich – in der Mini-Küche von ca. 2 x 2 Quadrat. Totales Chaos, ich seh nur zu, dass ich zwischendurch zum Schlafen komm bis zur nächsten Schicht. Ganz zu schweigen davon, wie es hier aussieht. Seit Tagen will ich schon in die Badewanne …

Das hab ich jetzt mal geschafft – Bett beziehen und Tetesept-Sinnensalze-Bad. Aber erst nachdem Bjarne weg war, den Christine rüber geschickt hat, weil Frankie wieder mal 40 Fieber hat. Martina kommt heute Abend zurück von Fleesensee. Wir haben gestern noch lange auf der Terrasse vinifiziert und erzählt. Das war schön, auch wenn wir heute um 9:30 Uhr Frühstückseinladung hatten.

Heute ist Montag, der 15. Juli

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. Rainer Maria Rilke

I found a love for me … I’m dancing in the dark … with you between my arms …

Perfect von Ed Sheeran ist mein ständiger Ohrwurm seit der Musikprobe in der Kirche zur Hochzeit. Auch schon davor in der Eiskunstlauf-Version der Olympic Champs Tessa Virtue und Scott Moir. Perfect! Ich sing es, ich summ es und beweg mich im Takt dazu.

Das ist Obstkuchen Aprikose-Pflaume, getauft mit Rosmarin … so hab ich einen Kuchen mit Worten dekoriert und erklärt, den Anja gebacken hatte und bei dem Bettina auf die Idee kam, ihn mit Kräutern zu bestreuen.

Heute ist Sonntag, der 14. Juli

Bis halb elf geschlafen und in drei Stunden schon wieder los … das reicht grad mal für frühstücken und baden. Heute ist es aber nur die Kaffeeschicht von 14 – 18:00. Manuel hat keine Lust nach Hause zu fahren und würde am liebsten hier bleiben. Morgen kommt Martina …

Das ist nun der Sommer – 8 Wochenenden durcharbeiten, dieses mitgerechnet. Frei war nur mein Geburtstags-Weekend. Die Zwischenzeit ist zum Ausschlafen, Abschalten und Relaxen …

Nur Zwischenzeit gibt’s nicht viel. Bis Ende August – mindestens – nur arbeiten. Heut hat die Chefin gefragt, wie viele Tage pro Woche ich arbeiten könnte. Theoretisch alle Tage, nur praktisch nicht. Das ist das absolute Chaos da, kein Personal! Heut hat schon ein Schuljunge aus dem Dorf mit ausgeholfen und der Junior der Familie, Friedrich, 11. Dann Chef und Chefin sowieso und ich. So schnell wird man zum Arbeitnehmer, hab ich zu Friedrich gesagt. Das war spaßig gemeint, denn er ist Sohn von Beruf.

Zwei Stunden vor Schichtbeginn kam die Anfrage, ob ich auch länger könnte als bis 18:00 Uhr. Ich hab erstmal Nein gesagt, weil ich morgen früh nach Rostock fahr. Dann ist es doch bis 21:00 Uhr geworden.

In dem Stress und Durcheinander gibt es auch schöne Momente. Ein netter junger Mann von den Gästen hat heute gefragt: Sie sind doch bestimmt nicht von hier, aus Mecklenburg? Doch, wieso? Sie haben so einen schönen Singsang in der Stimme  …

Manuel ist immer bestrebt, mir was von Maik zu erzählen, und wenn es nur ist: Ich hab keinen Kontakt zu ihm. Ich auch nicht. Er ist irgendwo verschollen. Was die Sache einfacher macht, ist Gewissheit statt Sehnsucht. Viel mehr drüber nachzudenken komm ich nicht …

Heute ist Sonnabend, der 13. Juli

Ich glaub, du wärst keine einfache Partnerin … hat Manuel gestern Abend nach der Müritz-Saga bei Wein auf der Terrasse zu mir gesagt. Das kannst du nicht einschätzen, hab ich gesagt. Was wir haben, ist Freundschaft. Ich glaube, das nimmt sich nicht viel, hat er gesagt. Oh doch, wenn man jemand mit den Augen der Liebe sieht, ist das was anderes und man verhält sich auch anders …

Wir haben eheähnliche Verhältnisse, wenn er länger bei mir ist. Ähnlich, weil ein wichtiges Kriterium fehlt. Wir haben auch über Lars gesprochen, mit dem er sich auch gut unterhält. Er ist nett, sympathisch, freundlich, hab ich gesagt – doch es funkt nicht. Glaubst du, er würde mit einer sechzigjährigen Frau was anfangen?, hat er gefragt. Ich glaube, wenn sich zwei verlieben, dann in den Menschen – nicht in sein Alter. Und sich verlieben oder mit einem was anfangen, ist grundsätzlich ein Unterschied. So, wie Manuel das dargestellt hat, klingt mein Alter wie ein Makel.

Dazu kommt, wenn ich eine Partnerin wäre, würde mein Mann mich lieben und keine nicht einfache Partnerin in mir sehen. Manuel ist über die Maßen selbstverliebt: Oh, seh ich heute wieder gut aus – höre ich jeden Morgen, wenn er im Bad ist. Komplimente an andere fallen ihm sehr schwer. Besonders an Frauen und besonders an mich. Das klingt immer wie gewollt und nicht gekonnt.

Distanzlos und vereinnahmend … mit der Kette ist sie zu weit gegangen. Ich hab mich den ganzen Tag wie  seelisch vergewaltigt gefühlt. Das sieht man dir auch an, hat Manuel gesagt. Als wir abends zur Müritz-Saga gingen, hat Wolfgang, der unten stand, gleich auf meinen Hals geguckt, ob ich sie umhabe. Ich hatte meine weiße Perlmutt-Kette um zu meinem Rosenkleid. Ich hab überlegt, wie ich es ihr erkläre, dass ich sie nicht trage, denn sie fragt – distanzlos – ganz sicher nach, warum? Von Notausflüchten wie Kontaktallergie oder: die kleine Frankie hat sie mir vom Hals gerissen, war ich nicht überzeugt.

Ich komm grad aus der Kirche, wo Christine mit zwei Freunden für eine Hochzeit geprobt hat, auf der sie spielen, während ich Frankie-Mäuschen betreut habe. Zwei Titel – Gesang mit Gitarre und Bratsche: Halleluja und Perfect … Da wusste ich, welche Antwort Sigi bekommt: Hier – Hand aufs Herz – ist der Platz für meinen Mann!

Die Goethe-Straße war wegen Festumzug zum Müritz-Fest gesperrt, so dass wir Instrumente, Verstärker und ich die kleine Mrs. Propper bis zur katholischen Kirche zu Fuß geschleppt haben bei reichlich Wärme. Jetzt bleibt noch Zeit für Badewanne und Mittagsschlaf, bevor ich schon wieder Richtung Guti-Gutshaus fahre …

Die Müritz-Saga-Vorstellung war mit Abstand die beste bisher. Kostüme, Bühnenbild, schauspielerische Leistung, Dialoge, Handlung – alles Superlative! Auf dem Weg hab ich eine kleine Eisenbahn gekauft mit JONTE-Holzbuchstaben …

Heute ist Freitag, der 12. Juli

Von der Chefin hab ich ein großes Lebkuchen-Herz bekommen: Du bist einfach super!

Als ich gestern Abend abgesagt hab für heute, hat sie geschrieben: Das ist aber schade, dass es nicht klappt. Wir würden dich gerne bis Ende August fest buchen für Freitag, Sonnabend, Sonntag und Donnerstag auf Anfrage bis 11 Uhr. Ist das möglich? Ja, hab ich geantwortet, ich richte mir das dann so ein …

Das kleine Notizbuch zum großen GLÜCK – notiere die 3 schönsten Momente des Tages! Damit will ich am 14.7., Sonntag, anfangen – eine Woche nach meinem Geburtstag. Das war eins der Geschenke von meiner Tochter. Das Datum hab ich mir ausgesucht. Da ging vor einem Jahr die Sonne unter in Form einer SMS. Jetzt geht sie wieder auf. Es ist gar nicht so einfach, 3 Rosinen raus zu picken aus einer großen Schüssel voll Konfetti. Alle TAGE sind jetzt Glücksmomente – unbeschwert und frei …

Oh Mann … ich glaub es nicht. Gerade habe ich geschrieben unbeschwert und frei, da kommt Sigi zum Kaffee mit ihrer Überraschung, die sie gestern schon angekündigt hat. Da wär ich nie im Leben drauf gekommen. Sie steht in der Tür und wickelt eine Doppel-Kette aus, bestehend aus zwei Teilen – ein durchgebrochenes Herz – magnetisch!, an der einen hängt Best und an der anderen Friends. Eine für sie, eine für mich. Die kann ich nicht umbinden, sowas wirkt wie ein  Zauber.

Heute ist Donnerstag, der 11. Juli

Zur Besonderheit in unserem Guti-Gutshaus gehört, dass wir auch Zeit haben, uns mit unseren Gästen zu unterhalten. So auch gestern Abend draußen, Anja und ich mit zwei jungen Frauen, die unsere Küche und die persönliche Atmosphäre bei uns gelobt haben. Als sie die Freundlichkeit der Mitarbeiter hervorgehoben haben, hat Anja gesagt: Unser Anitchen ist immer bisschen verpeilt … Das hat sie schon öfter gemacht, zwar in liebevollem Ton – und dann sagt sie auch hinterher: Aber ich mag sie total gerne. Bis jetzt hab ich das geduldet und gedacht, sie meint das nicht bösartig. Macht sie das nochmal, sag ich: Aber nicht so verpeilt, dass sie vor Gästen ihre Kollegin schlecht machen würde …

Wenn sie will, kann sie das denken, aber nicht vor Gästen äußern. Auch über Nicole, unsere Frühstücks-Fee, hat sie sich schon negativ ausgelassen. Das gehört sich nicht und macht einen schlechten Eindruck, abgesehen davon, dass es unkollegial ist. Nicole und ich sind keine ausgebildete Hotel- und Restaurant-Fachfrau wie Anja und trotzdem beliebt bei den Gästen.

Heute 6 einhalb Stunden Schiffs-Tagesfahrt nach Plau mit Landgang mit Sonne satt auf dem Oberdeck. War wunderschön, doch Manuel und ich waren breit. Kaum zu Hause ein Anruf von Guti-Gutshaus. Ich bin erstmal nicht ran gegangen … na, heute ganz bestimmt nicht und morgen auch nicht, da wollen wir zur Müritz-Saga. Dann hab ich zurückgerufen – Sonnabend Abend, okay …

So, ich geh schlafen, ich bin müde. Damit geht Manuel von der Terrasse in mein Wohnzimmer auf meine Couch, ohne: Gute Nacht, schlaf gut oder es war ein schöner Tag mit dir. Kann er nicht, will er nicht, braucht er nicht – ich auch nicht.

 

Heute ist Mittwoch, der 10. Juli

Gestern 4 Stunden Kletterwald, heute nach Bäcker-Frühstück mit Manuel Kinder- und Gepäcktransfer zum Kreuzsee im wunderschönen Nationalpark-Bereich Ankershagen-Kratzeburg. Das hat alles in allem auch 4 Stunden gedauert. Jetzt kurze Erfrischungspause und dann schon wieder los zu Guti-Gutshaus. Heute ist eine externe Anmeldung mehr zum Abendessen – Manuel.

Auf dem Tisch liegen 2 Karten für morgen, ganztägige Schifffahrt nach Plau. Die hat Manuel inzwischen besorgt, wie wir es beim Frühstück abgesprochen haben. Jetzt trinkt er wahrscheinlich irgendwo Kaffee …

Den Spruch gestern hab ich nur gesehen, weil es mir an der Ampel zu langsam vorwärts ging und ich anders abgebogen bin. Heute bin ich nochmal daran vorbei gekommen. Ich hatte ihn mir gestern nur sinngemäß gemerkt, der richtige Wortlaut heißt:

Noch ist nichts verloren, noch ist Rettung nah.

Heute ist Dienstag, der 9. Juli

Meine Tochter hat auf der Feier zu Anja und Bettina, Chefin, gesagt: Ich finde das sehr schön, dass meine Mutti hier arbeitet. Da sagt Bettina: Außergewöhnliche Menschen brauchen außergewöhnliche Arbeitsplätze … In Google my business hat sie für unser Guti-Gutshaus eine Bewertung abgegeben. Den Text schreibe ich später …

Manuel ist diese Woche hier auf Urlaub. Ich fahr gleich zum Kletterwald, wo meine Schwester mit den Kindern ihres Abenteuer-Camps der Tao-Schule um 9 ist, und bin das Bodenpersonal für die Kinder, die nicht klettern können oder sich nicht trauen. Sie hat mich gestern Abend schon angerufen und gefragt, ob ich sie unterstützen kann, sie ist krank, heiser und Halsschmerzen. Ich auch, Erkältung seit gestern …

„Wir waren dieses Wochenende das erste Mal im Gutshaus Lexow und haben den Aufenthalt sehr genossen. Das ganze Haus wurde sehr liebevoll restauriert und dabei nicht tot saniert. Die Besitzer sind sehr freundlich und herzlich und die Angestellten waren auch über die Maßen nett und zuvorkommend (wir wurden von den zauberhaften Mitarbeiterinnen Anja, Anita und Nicole verwöhnt) – sehr untypisch für MV und etwas, wovon dieses Haus lebt und wodurch es zu etwas Besonderem wird. Sehr, sehr schön!“ So die 5-Sterne-Bewertung meiner Tochter, der ich mit ihrem Mann die Ü/F inklusive Barbecue-Abend – Chef steht am Grill – geschenkt habe. Unsere Chefin hat die Bewertung noch am gleichen Abend an uns zauberhafte Mitarbeiterinnen weitergeleitet.

Auf der Rückfahrt vom Kletterwald hab ich am Kirchgemeinde-Haus einen Spruch gesehen: Noch ist es nicht verloren, noch ist Hilfe in Sicht …

Manuel war immer der Verbindungsmann zwischen uns, der Götterbote. Seit das nicht mehr ist, hab ich Mühe, die alte Vertrautheit wieder herzustellen …