Heute ist Sonnabend, der 20. April

Gestern fiel mir die Umstellung von Kür auf Pflicht besonders schwer. Ich hätte gut weiter die Zeit verschlafen und mich im Bett und in der Sonne aalen können, statt Gäste zu bedienen. Ich hätte mal lieber absagen sollen. Heute bin ich nun richtig krank. Aber so gab es Feiertags-Zuschlag, Trinkgeld und diesmal ganz besonders gutes Essen, von einem Oster-Wochenend-Koch aus der Hauptstadt, der sich von seiner katalanischen Frau in der Küche inspirieren lässt. Immer neue Gaumenfreuden …

Als ich vorhin mit Earl Grey in meinem Korbsessel am Fenster saß – das ist immer mein zweites Morning-Getränk nach Kaffee – sind wohl 20 Schwäne über den Markt geflogen, ich konnte sie gar nicht so schnell zählen – es können auch 22 gewesen sein. Eine ganze Formation zu Ostern …

Heute Abend ist Osterfeuer im Guti-Gutshaus-Garten, das lass ich wegen Erkältung ausfallen. Das Einzige, was ich heute in puncto Guti-Gutshaus unternehme, ist – meine Stundenabrechnung einreichen. Stichtag: 20. des Monats.

Den morgendlichen Terrassen-Talk mit Lars gab’s auch schon – ich hatte noch nie so eine locker-leichte Beziehung mit einem Mann und einem Nachbarn. Wir müssen uns nicht an- und abmelden, trotzdem weiß jeder, wann der andere wo ist. Gestern ist er zu seinen Eltern zum Kaffee gefahren und hat gesagt: Dann wünsch ich dir eine schöne Schicht, wenn ich zurück bin, bist du ja bestimmt schon weg. Fast hätte ich gesagt: Grüß sie schön!

Heute ist Freitag, der 19. April

7:00 Uhr – Verschnieft und mit Husten, so fängt der vom Wetter her prächtige Karfreitag an. Geplant war, dass wir mit mehreren Leuten und Bernd von Lila-Grün ins Park- und Auenland fahren. Das ist der Naturpark Mecklenburgische Schweiz. Wir wollten dort zu einer Quelle in der Nähe von Malchin, mit Picknick und Beisammensein. Mein Osterspaziergang fällt nun aus und nach dem Kaffee aus meiner Herz-Tasse auf Terrasse geh ich erstmal wieder ins Bett, damit ich heute Abend für Guti-Gutshaus wieder einigermaßen auf den Beinen bin. Schade, das wär schön geworden …

Hasen, Eier, Küken, Hühner – Knospen, Blüten, Triebe – das sind alles Symbole für Fruchtbarkeit. So krank bin ich denn wohl doch nicht, wenn mir das im Bett einfällt … Meine 2 herzallerliebsten Osterküken A & M hat Aniko neulich erstmal in eine andere Position gebracht – anders als ich – und gesagt: Die müssen schnäbeln … Jetzt küssen die sich vor meinen Augen.

Heute ist Donnerstag, der 18. April

Ich war gestern spät zurück von Guti-Gutshaus. Nach Ausschlafen geht’s jetzt gleich zu meiner Podologin-Freundin, Frühlings-Füße machen lassen, mit Lack. Anschließend gibt’s Eiersalat-Brötchen und Eierlikör zur Oster-Einstimmung. Dann geht’s gleich weiter zu meiner Schwester, ihren Geburtstag feiern – mit Katrin und Paul, ihre jüngste Tochter mit Mann, und den Kindern – Anna Sophia und Oskar. Das sind dann 4 April-Geburtstagskinder, außer Paul. Ich bring natürlich allen was Schönes mit …

Wir waren alle in einer Kreativwerkstatt irgendwo auf dem Dorf. Das hat meine Schwester ihrer Tochter und ihrer Enkelin geschenkt. Das war toll und interessant. Wieder hab ich Leute kennengelernt, mit einem alternativen Lebenskonzept. Da herrscht reges Treiben auf den Dörfern und es wird viel auf die Beine gestellt. Alles in herrlicher Natur, abseits der großen Straßen. Die Kopfsteinpflasterstraße sah aus, als wär sie von 1300. So hab ich schon einige Lebenswege und -pläne kennengelernt. Einmal da, wo meine Schwester jetzt wohnt, und dann durch die Leute, mit denen sie zusammen ist. Und die kennen wieder welche und die dann auch und immer so weiter … Und ich hab gedacht, die Dörfer sterben aus. Ganz im Gegenteil.

Ich hab mich schon auf schöne freie Tage gefreut, da kam vorhin die Anfrage, ob ich morgen ab 17 Uhr kann, und ich hab zugesagt, obwohl ich mich krank und erkältet fühle. Eine Schicht wird schon noch gehen und dann ist Ostern …

 

Heute ist Mittwoch, der 17. April

Seit 3 Tagen will ich Baden und Haarewaschen und komm nicht dazu. Gestern war extrem Telefon- und Besuchstag. Von 10 bis nach 12 war Sigi zum Käffchen da und hat mir ein Frühstücks-Tablett mitgebracht.

Dann hat mein Tantchen angerufen, was gut anderthalb Stunden gedauert hat. Das ist eine Mischung aus Pflichtgefühl und Zuneigung bei mir. Die Reihenfolge der Gesprächsthemen ist festgelegt: Ärzte, Symptome, Tabletten, Nebenwirkungen und zusätzlich ihre Knie-OP vor 8 Wochen. Dann kommt die Dorfgemeinschaft und die Verwandtschaft dran, an denen kein gutes Haar gelassen wird. An dem Punkt versuch ich sie immer auf die positiven Aspekte zu lenken und sich auf die Leute zu konzentrieren, mit denen sie gut kann, was mir nur teilweise gelingt. Sie braucht das Ablästern, dann ist ihr wohler, sagt sie. Das geht auf meine Kosten.

Dann kommt mein Onkel, ihr Mann, der schon in unsere Geistige Heimat zurückgekehrt ist. Dabei kommen ihr die Tränen. Ich hab bis zuletzt seine Hand gehalten, sagt sie. Er hatte bis zum Schluss lichte Momente – Demenz. Da fühl ich mit ihr – dem Mann seines Lebens die Hand im Sterben halten, und sage: Ihr wart euer ganzes Leben lang zusammen, ist doch klar, dass er dir fehlt. Mir fehlt er nicht, ich fühle mich mit ihm verbunden, als wenn er noch lebt. Das hab ich natürlich anders umschrieben. Du hattest auch nicht so die Verbindung zu ihm, sagt sie. Doch, die hatte ich – er war mein liebster Onkel.

Zum Schluss kriegt noch ihre älteste Tochter, meine liebste Cousine Angelika, ihren Teil ab, indem sie sagt: Silvia – ihre zweite Tochter – ist immer für mich da. Dann kommen noch Carlos und Benny, die beiden Hunde, und Katze Paulinchen, an denen sie ihre Freude hat, was ein Segen ist, und ich weiß, ich hab es bald geschafft.

Sie hat diesmal auch aus ihrer Kindheit erzählt: Ich hatte nicht mal ein Bett. Bis ich 12 war, hab ich bei Mama mit im Bett geschlafen und dann auf dem Sofa. Ich kenn die Situation aus Erzählungen, in der sie mich im 1. Lebensjahr zusammen mit meiner Großmutter betreut hat, weil meine Mutter ein Jahr lang nach meiner Geburt im Krankenhaus war.

Danach hat Carmen-Sternchen angerufen und wir haben uns spontan für Venezia verabredet und am Hafen in italienischem Flair die Sonne angebetet. Das Highlight des Tages!

Zurück zu Hause ein Anruf von Manuel, der 30 Minuten gedauert hat, nach dem ich gedacht habe, mit meinen Klienten geht es auch nicht so richtig vorwärts. Dann kam Wolfgang, um mir was zu bringen und seine letzte Zigarette auf meiner Dachterrasse zu rauchen … Zu guter letzt noch ein Anruf von Dani, bei der ich am Donnerstag meinen Fußpflege-Termin habe. Hast du kurz Zeit zum Telefonieren …?

Dann endlich Badewanne …

Heute ist Dienstag, der 16. April

05:20 Uhr – Der Mond steht über dreiviertel voll dicht über den Häusern zum Markt raus, da wo sonst die Sonne untergeht. Er leuchtet orangerot wie eine Laterne. Das sieht herrlich aus …

Gestern war Terrassen-Party mit Aniko und mir, Floydi Hofhündchen und teilweise mit Lars. Wir sind zwischendurch immer wieder rein gegangen, um uns aufzuwärmen. Das war ein schöner Abend, wenn man davon absieht, dass ab 09:00 Mario immer wieder geschrieben hat, sie soll endlich nach Hause kommen oder wenigstens den Hund ins Bett bringen. Erst Nachrichten, dann Sprachnachrichten, dann andauernd Anrufe. Sie ist nicht mehr ran gegangen. Dann schrieb er: Dann soll es so sein … Er hat sie richtig runter geputzt und ich hab sie gefragt, warum sie sich so kontrollieren lässt. Das macht er ständig. Außerdem hat er sie in Verdacht, dass sie was von Lars will, was nicht ganz abwegig ist. Vorher haben wir uns immer nur unten bei Sigi und Wolfgang getroffen, bei mir nur zu besonderen Anlässen wie Geburtstag. Seit Lars hier wohnt, hat sie das Bedürfnis öfter, herzukommen. Obwohl es schön war, soll es nicht zur Gewohnheit werden. Denn dann ist meine Ruhe dahin hier oben. Das gestern seh ich als Frühlings-Auftakt-Feier.

Ich hab ihre verkorkste Beziehung gestern live miterleben können und gedacht, wenn, will ich mit meinem Mann in Ruhe und Frieden leben – und den habe ich …

Heute ist Montag, der 15. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut. Eduard Mörike

Zu Eduard Mörike fällt mir ein: Frühling, lässt sein blaues Band, wieder flattern durch die Lüfte; süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. – Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist’s! Dich hab‘ ich vernommen.

Darauf freut man sich, auf das blaue Frühlingsband. Sein Gedicht ist besonders schön, mit Doppelbedeutung für mich. Es heißt: Er ist’s …

 

Heute ist Sonntag, der 14. April

Irgendwie ist der anders als wir, hab ich gestern zu Anja gesagt und den Koch gemeint. Ja, spießig – war ihr Urteil. Er bleibt auch nicht, 2 Tage Probe und goodbye. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Er passt da nicht richtig rein, obwohl er gut gekocht hat. Danke für den schönen Abend, hat er zu mir gesagt, als er sich verabschiedet hat, als ob wir ein Date gehabt hätten.

Hier kann man doch bestimmt gut Motorrad fahren?, hat mich einer von den Gästen gefragt und damit ein Bild vor meinen Augen herauf beschworen. Äh – ja … Jetzt hab ich frei bis Mittwoch, dann wieder die Spätschicht mit Anja. Arbeit, die Spaß macht, ist ein Vergnügen …

Heute Nachmittag hat mich Nicole, unsere Frühstücks-Fee, angerufen und mich gefragt, ob ich am Sonnabend mit ihr zum Guti-Gutshaus-Osterfeuer komme, sie würde sich freuen. Ja, gute Idee, mach ich. Dann hab ich ihr erzählt, was mir Robert zum Abschied gesagt hat. Darauf sie: Zu mir hat er gesagt: Anita hat das Herz am richtigen Fleck, auf sowas achte ich, es hat Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten. Das erklärt dann auch sein „Danke für den schönen Abend“.

Und dann kam noch ein kleines Mädchen beim Frühstück zu ihr und hat sie gefragt, wo die kleine Frau mit den roten Haaren heute ist?. „Meinst du Anita?“ Schulterzucken. „Die kommt heute nicht.“ Schade …

Heute ist Sonnabend, der 13. April

Darling, a beautiful thing is never perfect – das denk ich, wenn ich morgens mit meiner Kaffeetasse auf die Terrasse gehe, so wie ich gerade aus dem Bett komme, und mir nur Wasser ins Gesicht geschüttet habe. Wenn Lars raus kommt, sieht er strahlend gut aus, sogar nach der Nachschicht, und wünscht mir einen guten Morgen. Ich fühl mich unperfekt schön, auch wenn ich aussehe wie die Nacht um Eins. Den Spruch hab ich in einem WhatsApp-Profil gesehen.

Als wir neulich mit Aniko das Video zur Hochzeit gedreht haben, kam er dazu, barfuß in Bermudas. Da war es schon mal wärmer als jetzt mit 2 Grad. Ich hab immer auf seine Füße geguckt und gedacht, ob ich mir wohl Sex mit ihm vorstellen könnte. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen, denn ich hab nicht wirklich auf sie, sondern durch sie hindurch geguckt. Das war keine Option.

Das Wetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeschauern verleitet zum Auswandern. Ich bin gar nicht richtig da und liege an einem tropischen Strand und schwimm im warmen Wasser. Sonne und Wärme sind mein größtes Bedürfnis in dieser lausigen Kälte. Ich hab bis mittags geschlafen. Nachher noch Schicht 3/3 von Guti-Gutshaus und dann wieder ab auf die Insel …

Robert, der Koch, entspricht optisch nicht meinen Idealen, doch sein Handwerk ist verehrungswürdig. Sein Lammbraten war vorzüglich gestern. Heute gibt’s Saibling … Gutshaus Lexow – Lexow – Germany auf Youtube eingeben und 5 Minuten lang erscheint die beste Wirkungsstätte, die ich je hatte, in ihren schönsten Vollbild-Modus-Facetten!

Heute ist Freitag, der 12. April

Gestern sind es 55 Wörter mehr geworden. 277 statt 222 – das hab ich dem wundervollen Vogel zu verdanken. Ich schreib es immer so, dass die Wörter Doppelzahlen sind … Damit es nicht so aussieht, als ob es überhaupt nicht vorwärts geht: Früher hab ich mich gezwungen, ihm über lange Strecken nicht zu schreiben, wenn von ihm nichts kam – jetzt geht das von alleine.

Wenn ich die Kommentare zu den Karten-Readings lese – die Videos seh ich mir so gut wie gar nicht mehr an, weil ich schon nach den ersten Sätzen bedient bin – glaube ich ihnen nicht, was sie schreiben. Das ist entweder, dass sie alleine genauso oder sogar noch glücklicher sind, oder dass sie mit einem anderen genauso oder sogar noch glücklicher sind. Das ist zwar theoretisch möglich, aber an ihrer Wortwahl und Ausdrucksweise merke ich, da ist viel Frust und Verletztheit – wie ein bockiges kleines Kind, im Sinn von: Ich kann auch ohne dich, das werd ich dir schon beweisen … Ich glaube, immer bleibt im Hinterstübchen, wie wäre es mit ihm geworden? Da würden jetzt sicher viele auf die Barrikaden gehen, wenn sie das lesen, und ich will auch nicht alle über einen Kamm scheren, aber so ist mein Empfinden. Die Videos schalte ich ab nach Sätzen, wie: Er ist auf dem Weg zu dir … Unglaublich tiefe Gefühle … Dein Herzensmensch ist jetzt erwacht …

Ich kann sie auch gut verstehen. Jeder in der Lage versucht, so gut wie möglich damit umzugehen und zumindest das zweitschönste Leben zu leben, das möglich ist. Ein Video hieß: Diese Begegnung ist dein Schicksal. Auch das hab ich nicht geguckt, das weiß ich auch so.

Heute ist Donnerstag, der 11. April

Dualität spirituell – hab ich eben, 4:00 Uhr, bei Google eingegeben und einen Artikel von Armin Risi, Philosoph, Autor und Referent, gefunden: Polarität und Dualität, die Brisanz der ganzheitlichen Spiritualität. Auslöser dazu war gestern ein Telefongespräch mit Manuel, dem ich mit meiner ganzen Kompetenz, wie er sagt, den Begriff Dualität erklären sollte. Darauf ist er während der Behandlung eines Patienten gekommen.

Hinterher hab ich gedacht, es ist mir eigentlich egal, ob das nun ein Tisch ist oder die Illusion von einem Tisch. Ich bin grad bodenständiger oder geerdeter, um mich mit Begriffsbestimmungen und Definitionen abzugeben. Ich bin in mehreren Welten zuhause, doch mit beiden Beinen auf der Erde ist mir grad am sichersten und unkompliziertesten. Heute, morgen und übermorgen bin ich im Guti-Gutshaus – das ist eine verlässliche Größe und zur Zeit auch der beste Ausgleich von Geben und Nehmen bei mir. Es macht Spaß, es gibt gutes Essen und Austausch mit Gästen. Es nährt mich also, wenn man so sagen will, in mehrfacher Hinsicht und auf allen Ebenen. Und im Gegensatz zu vielen anderen meiner Aktivitäten wird es bezahlt. 

Mein bodenständiges Denken kam gestern auch darin zum Ausdruck, dass ich mich an den Abwasch gemacht habe, mit Überwindung, denn ich frier und bin müde zur Zeit. Meine Motivation war: Ich will erst bei mir zuhause alles in Ordnung haben, bevor ich mich woanders einbringe.

Als ich vorhin auf der Dachterrasse war, ist ein MILAN am grauen Himmel gekreist. Da sind die ersten 3 Buchstaben von mir und von ihm drin. Ich weiß nicht, wie mir sowas einfällt. Wohl, weil ich traurig bin, dass es so gekommen ist – da kommt der Vogel geflogen und bringt sowas wie einen Gruß von oben …