Heute ist Mittwoch, der 10. April

Worum es jetzt geht, ist mir mein Leben so schön wie möglich zu gestalten – auch ohne ihn. Ich hab ein gutes Umfeld und die Leute suchen meine Nähe. Ich hab meinen Glauben und Vertrauen und ich merke, sie wollen, dass ich ihnen davon was abgebe. Und ich hab auch für jeden ein gutes Wort oder mehrere, doch teilweise fühle ich mich überfordert damit. Sonnenschein verteilen, kann auch eine Lebensaufgabe sein, doch ich denke, wo bleibe ich dabei?

Ich kann nur so viel weitergeben, wie mir zufließt – und nicht mal alles, ich brauch auch noch genug für mich. Wenn das auch alles gründlich schief gegangen ist in der Vergangenheit, erhole ich mich langsam davon und bin froh über die Ruhe, die jetzt eingekehrt ist. Doch immer noch möchte ich mit einem Mann leben, der mir seine Hand reicht, und nicht den kleinen Finger. Das heißt, ich denke in erster Linie auch an mich und kann mich nicht so verausgaben, bis für mich gar nichts mehr übrig bleibt.

Mit Lars nebenan ist es auch so’n Ding. Ich war gestern mit ihm im Dänischen Bettenlager, Verdunkelungs-Rollos kaufen. Da hat er mir erzählt, eine 19-Jährige will was von ihm. Er wird 42. Sie hat ein 3 Monate altes Baby und wurde sitzengelassen. Er hat Bedenken von wegen Alter, ist aber nicht abgeneigt. Gestern hab ich seine Eltern kennengelernt …

Heute ist Dienstag, der 9. April

Gestern der Tag ist wie nicht gewesen. Ich war wie erschlagen und hab nur geschlafen, tief und traumreich. Die Energien sind extrem zur Zeit und schlauchen. Ich fühl nur Kälte und Härte und muss meine ganze warme, weiche Weiblichkeit aufbieten, um einigermaßen damit klarzukommen und nicht zu erfrieren. Ich denk dabei an gute Zeiten und Zweisamkeit …

Lars vom Mars und ich von der Venus – es sind doch ganz geistreiche Unterhaltungen mit ihm möglich. Er spricht viel über Politik und Gesellschaft und Philosophie – und dafür, dass er Rationalist ist, klingt es sogar sehr spirituell. Es fallen Worte wie Schicksal und Karma. Gestern hat er wieder was zu Toleranz gesagt – eins seiner Lieblings-Themen: Toleranz kommt von Lateinisch tolerare – ertragen, aushalten. Wär ich nicht tolerant, hat er gesagt, hätte ich nicht ertragen, dass mir deine Putzfee neulich was von Gott erzählt hat. Das hat sie wirklich, als sie beim letzten Mal hier war, und ich hab schon gedacht, das kannst du dir sparen, das stößt bei ihm auf taube Ohren. Das wär es auch, aber nicht wegen tolerare hat er es gehört, sondern weil sie süß und sexy ist – klein, zierlich, lange schwarze Haare – und im Minikleid putzen kommt. Damit er sich nicht unnötig Illusionen macht, hab ich ihm gesagt, was sie mir gesagt hat: Ich heirate im Juli. Es ist 27, das Engelchen, und goldig …

Heute ist Montag, der 8. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Das Gras  wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.  Afrikanisches Sprichwort

Das hat was mit Geduld zu tun. In dem Karten-Reading, von dem ich gestern geschrieben hab, wurde auch gesagt: Du wirst gezwungen, Geduld zu haben. Dir bleibt gar nichts anderes übrig …

Gestern hab ich mit Aniko das Video für Steffi und Max zur Hochzeit gedreht – auf der Terrasse mit Kirchturm und Glockenläuten im Hintergrund. Sie haben sich von allen eins gewünscht, das dann zu Einem zusammen geschnitten wird. Darin sage ich: Bei den Sprüchen, die ich zur Hochzeit gesucht habe, fand ich den am besten: „Eine Ehe ist dann gut, wenn man lieber nach Hause kommt, als wegfährt.“

In meiner Ehe gab es mal eine Zeit, in der ich nicht mehr nach Hause kommen wollte. Da war mein Sohn noch ganz klein. Damals hatte mein Mann einen Machtkampf mit meiner Tochter, die in der Pubertät war, und beide wollten, dass ich zu ihnen halte. Da stand ich zwischen zwei Fronten. Das war ein Jahr lang ein vergiftetes, eisiges Familienklima. Erst, als ich gesagt habe, ich nehm meinen Sohn und gehe, hat es sich aufgelöst.

Es war herrliches Wetter gestern – blauer Himmel und Sonnenschein. Das Video ist toll geworden. Lars kam auch dazu, bevor er zur Nachtschicht ging – er ist morgens der Erste, den ich sehe, und abends der Letzte …

 

Heute ist Sonntag, der 7. April

Jederzeit wieder … Das war seine erste Falschaussage. Da hab ich mich schon gefreut, aber zu früh. Er wusste nicht, wie sich sein Kopf zu einer Affäre verhält. Hätt er mal früher gucken sollen, was sein kluges Köpfchen dazu sagt. An sowas muss ich manchmal denken …

Auch, wenn ihr lange keinen Kontakt hattet – du weißt, dass es richtig ist, was du fühlst, und dass es bei ihm auch so ist. Auch, wenn du es nicht siehst, oder von ihm hörst. Du spürst es. Es wird ruhiger – und du fühlst dich sogar ganz wohl dabei. Das haben sie neulich in einem Karten-Reading gesagt. Da haben sie mal Recht. Das trifft nicht immer zu.

Was kochen wir denn heute Schönes?, ist immer meine erste Frage bei Ankunft im Guti-Gutshaus. „Heute gibt’s mal ganz was anderes – Roastbeef.“ – „Lasst mich raten – mit Ofengemüse?“ Das gab es die letzten drei Mal schon. Aber diesmal hat sich der Chef-Koch in Personalunion selbst übertroffen. Das Fleisch zerging wie Butter auf der Zunge. Überhaupt war das entspannt gestern, zu viert, und ich war um 10 schon zu Hause. Ostern hab ich frei, dafür nächstes Wochenende Donnerstag, Freitag, Samstag.

Kurz vor Mitternacht noch ein Terrassen-Plausch mit Lars. Unverbindlich ist das und ganz nett. Dann wurde ihm kalt. Oh, ich frier wie ne Sau, ich geh rein, Gute Nacht! Ja, schlaf schön, bis morgen …

Heute ist Sonnabend, der 6. April

Gerade so – es ist kurz nach Mitternacht. Wir haben ein schönes Feuer gemacht bei meiner Schwester. Sie hat ihre Tagebücher von 2001 an verbrannt, ich Fotos, das hat Spaß gemacht. Zu manchen hab ich noch was gesagt: Alles Gute oder Farewell oder was mir dazu einfiel. Es war ein Wort-und-Bild-Feuer-Werk, genau zum Neumond im Widder, ihrem Sternzeichen. Danach haben wir eine Laterne mit einer Kerze auf dem See in die Nacht schwimmen lassen. Das war magisch …

Soll ich dir was vorlesen?, hat sie mich gefragt. Ja – und mir dann eine Geschichte von ihr vorgelesen, bei der sie an einer Stelle weinen musste, ihre Lebensgeschichte. So ähnlich wie meine Schwanen-Geschichte – meine Lebensgeschichte. Danach hat sie sie verbrannt. Ich würde nie auf die Idee kommen, meine zu verbrennen. Das Feuer war ein schönes Ritual für uns – so hat sie sich von ihren 5 Jahren, die sie dort verbracht hat, gelöst – und ich hab endlich einen Platz für die Bilder gefunden, die ich nicht weiter aufbewahren will, weil sie keinen Bezug mehr zu mir haben. Eine neue Ära fängt an, sagt sie.

Heute gibt es ein gutes Abendessen. Das heißt, ich speise mal wieder im Guti-Gutshaus. Das hört sich besser an als: Ich hab die lange Spätschicht. Wenn ich da hinfahre, ist es jedesmal eine Überraschung – sowohl das Menü wie auch die Gäste, die mich da erwarten …

Heute ist Freitag, der 5. April

Heute sind WLAN-Ausfälle bei Vodafone. Davon bin ich betroffen, weil ich das meiner Nachbarin nutze. Also, hab ich statt Blog schreiben erstmal ein ausgiebiges Salzbad genommen – Neumond-Reinigung. Jetzt noch Bettchen frisch beziehen und heute Abend Lagerfeuer bei meiner Schwester, Altes verbrennen. Ich hab auch noch einen Karton mit Fotos stehen, durchweg männlich – Lebens-Abschnitts-Gefährten, den ich heute den Flammen übergebe. In die Kategorie fällt mein Herzmann nicht, denk ich, also gehen die Fotos nicht in Flammen auf. Weiß ich noch nicht, was ich damit mache …

Gesprächsthema im Haus ist heute die 20-prozentige Mieterhöhung ab Juli, die allen Mietern in die Briefkästen geflattert ist. Anpassung an die ortsübliche Miete. Sind natürlich alle sehr aufgebracht. Bei mir macht das 65 € mehr Kaltmiete im Monat aus. Bei Christine, in Elternzeit mit 2 Kleinkindern, sind 75 € pro Monat mehr schon ein Posten, der zu Buche schlägt. Bei mir schlägt es auch zu Buche, aber ich denk mir, das ist die erste Mieterhöhung seit ich hier bin, also seit 7 1/2 Jahren. Während die anderen sich aufregen, denk ich, der Vermieter macht nur von seinem Recht Gebrauch. Das würde jeder machen. Kommt immer nur drauf an, auf welcher Seite man steht.

Zwischendurch ging das Internet mal wieder – aber mein Entwurf, den ich schon geschrieben hatte – war weg, nicht gespeichert durch die Störung. Zu dumm aber auch, so musste ich noch mal neu schreiben …

Heute ist Donnerstag, der 4. April

Décalcomanie – das ist ein herrliches Wort, finde ich. Damit habe ich mit Martina – sie hatte die Idee – meine Einladungen zum Geburtstag gestaltet. Für jede die gleiche Technik, immer mit einem anderen Ergebnis – fantasievoll, farbenfroh und einzigartig. Das passt zu mir. Ich hab das noch nie gemacht und hatte so viel Spaß dabei – und die Resultate sind verblüffend. Es sind also alles Prototypen.

Unter Décalcomanie versteht man die künstlerische Technik des Farbabzuges oder des Farbabklatsches. Sie ist dem Bereich der Monotypie zuzuordnen, unterscheidet sich aber dadurch, dass sie nicht darauf abzielt, ein Motiv abzubilden, sondern selbständig als Motiv zu fungieren.

Als wir mitten im kreativen Prozess waren, kam Manuel dazu, der schon Feierabend gemacht hatte, weil er nur noch maximal 4 Patienten pro Tag behandelt. Das entspricht seiner gegenwärtigen Leistungsfähigkeit. „Und welche davon krieg ich?, hat er erwartungsfroh gefragt. „Ähm … gar keine“, hätte ich fast gesagt. Ich wollte ihn nur mündlich einladen. „Überraschung …“, hab ich gesagt. Wo er das nun schon mal gesehen hat, haben wir uns veranlasst gesehen, für ihn auch noch eine zu entwerfen, die zu ihm passt.

Mit Manuel sind es 13 Einladungskarten geworden. Das ist eine krumme Zahl – und ich hab noch Jemand eingeladen, eine Herz-Briefmarke draufgeklebt und sie in die telepathische Post gegeben. Es kann sein, dass sie zurückkommt mit „Empfang verweigert“, es kann aber auch sein, dass sie ankommt …

Heute ist Mittwoch, der 3. April

Gestern war Saison-Besprechung in Guti-Gutshaus, inklusive Frühstück. Anschließend haben wir vor der Tür bei strahlendem Sonnenschein ein Foto aufgenommen. Das ist das Profilbild für die WhatsApp-Gruppe. Ich hab es an Ulla, Martina und meine Tochter geschickt. Ulla hat gefragt: Wo hast du denn die irren Stiefelchen her?, Martina hat gesagt: Morgen musst du mir mal erklären. who is who?, und meine Tochter hat geschrieben: Hey Mutti, cooles Team. Ja, macht Spaß …

Als ich zurück war, hat erst Manuel angerufen und gefragt, ob wieder Portal-Tage sind, er konnte nicht schlafen, und als Sigi zum Kaffee kam, hat sie von sich und Wolfgang dasselbe gesagt. Außerdem hatte Wolfgang Schmerzen, ihm taten alle Narben weh und davon hat er reichlich. Ich dachte auch, es zer-reißt mich und ich fühl den Schmerz meiner ganzen Umgebung – in  den Beinen bis zum Kreuzbein, trotz Tablette noch so stark, dass mir schlecht war. Ich dachte schon, ich muss das Frühstück absagen.

Komischerweise fing das gleichzeitig mit meiner Löschungs-Aktion am Montag  an, erst seit gestern nachmittag wurde es erträglich und war dann ganz weg – als ich gesagt habe, okay – lassen wir das …

Heute wieder Rostock – Manja Nageltante und Martina. Wir wollen die Einladungskarten zu meinem Geburtstag kreieren. Während ich das schreibe, ist es 3 Uhr nachts. Da weiß ich schon, der Schlaf fehlt mir am Tage – aber ist dann eben so …

 

Heute ist Dienstag, der 2. April

Heute ist doch nicht der 8. April, hab ich gestern gedacht, als ich am Laptop saß und mein Blick auf den Kalender, der daneben steht, fiel. Ich hatte gleich 2 Blätter umgedreht und somit ist der neue Montags-Gelassenheitsspruch der für nächste Woche. Den für diese gibt’s dann nächsten Montag …

Fang an zu löschen … hab ich oder wer auch immer mir gestern Abend gesagt und – nach kurzem Zögern – mit den WhatsApps angefangen, die noch hin und her gingen nach seinem „Ich schreibe dir hiermit zum letzten Mal.“ Ich hatte ihm zwar mitgeteilt „Das ist das Ende, was noch offen war“, es aber für mich noch nicht umgesetzt. Also will ich nach und nach, jeden Tag ein paar, von den Nachrichten, Fotos und Videos tilgen, von denen er am Ende gesagt hat: Ich hatte nie eine Absicht.

Sie verteilen sich auf diverse Handy-Leichen in der Schublade und meine beiden aktuellen. Damit fang ich an … Ganz zum Schluss kommen die ausgedruckten Fotos. Sie werden dem Osterfeuer übergeben – diesem oder dem nächsten. Die Kreuzigung Christi steht für das Ende des Leidens.

„Steh zu deiner Wahrheit“ – das sagen sie immer wieder in den Karten-Readings. Im Tarot Feuerherz & Flügelschwert sagt die Karte Der Gehängte, die für Stagnation steht:

THETS FPOK MED FUA EID,  THIEHRHAW EID TFO TSI EHCSLAF SAD – DAS FALSCHE IST OFT DIE WAHRHEIT, DIE AUF DEM KOPF STEHT …

Heute ist Montag, der 1. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wenn du erkennst, dass es dir an nichts fehlt, gehört dir die ganze Welt. Laotse

Was hab ich neulich grad geschrieben? Ich habe noch nicht alles, was möglich ist, aber vieles. Nachdem ich das heute früh gelesen habe, denk ich: Doch, ich habe alles. Ich lebe es nur noch nicht so, wie ich es mir vorstelle …

Wer auch noch nicht so lebt, wie er es sich vorstellt, ist Lars. Ich hab mich schon gefragt, warum um Himmels Willen er mir als Nachbar geschickt wurde. Sigi hat neulich beim Kaffee erwähnt: Der ist nichts für dich, schade. Da fehlt was, für eine Partnerschaft. Ja, das hab ich auch schon festgestellt …

Er sagt, er ist nicht auf der Suche. Doch seine Verabredungen, also Dates, werden immer kurzfristig unter fadenscheinigen Begründungen abgesagt. Die eine hat Fieber, die andere Migräne … Das hat er mir neulich frustriert abends auf der Terrasse berichtet und abgewunken: Das ist wohl mein Schicksal … Oh, denk ich, Schicksal – das ist nichts, was man sehen oder anfassen kann – und nur daran glaubt er, hat er gesagt. Ich lass mich doch nicht verarschen … war sein Fazit. Das liegt doch an dir, hab ich gesagt. – Sie  sagen doch ab … Du musst es nicht zulassen!

Heute helfe ich meiner Schwester, ihre Wohnung für die Übergabe am Sonnabend vorzubereiten. Genau 5 Jahre war das ihr Zuhause …