Heute ist Donnerstag, der 22. Februar

22.2. – Dualseelen-Datum! Es ist knackig kalt. Die Temperaturen passen zu meinen literarischen Ausflügen ins alte Russland. Dort sind minus 25 Grad, so frostig ist es hier nicht. Doch was hier an Außen-Temperaturen fehlt, zeigt sich auf dem inneren Thermometer.

Das war nochmal richtig tiefer Schmerz, der hoch kam, angesehen werden wollte, und dann gegangen ist. Mit mir hat er keine Wochenenden arrangiert oder mich mit zum Seminar genommen, obwohl die Möglichkeit bestand. Heute genau vor 11 Monaten war er auch auf einem Seminar und schrieb mir von dort: „Ich hatte darüber nachgedacht, dich einzuladen.“ Und weiter: „Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, dich hier zu haben.“ Oder: „Ich wache immer wieder auf.“ Das ist noch kein Jahr her. Ich hatte ihm geantwortet: „Das schreibst du mir auch noch.“ Wenn er im Stillen darüber nachgedacht und sich dagegen entschieden hätte … Nein, er besitzt die Unverschämtheit, mir das auch zu sagen.

Manuel hat ihn gefragt, wie es denn war, das Wochenende, das er so geschickt mit der „anderen“ eingefädelt hat. „Scheiße war es …“ Wenigstens Das. Er wollte eigentlich mit seiner Frau dahin reisen. Das ist für mich die doppelte Klatsche: Mit seiner Frau oder einer anderen JA – MIT MIR NICHT!

Sicher, das ist nur Ego. Doch was heißt nur? Ego ist Aura-Schutz! Gerade beginnt es, sacht zu schneien und nimmt meinen Worten die Härte …

Heute ist Mittwoch, der 21. Februar

Ich bin bei der Familie Rostov in Otradnoje, im Russland von 1810, und der Hälfte von „Krieg und Frieden“: „Geht es dir auch manchmal so“, fragte Natascha, „dass es dir vorkommt, als geschehe überhaupt nichts mehr?“ Rein gar nichts? Als sei all das, was gut ist, schon gewesen? Und dass dich das nicht etwa langweilt, sondern traurig stimmt? – „Und ob!“, erwiderte Nikolaj. „Schon manches Mal, wenn alles gut und richtig war, wenn alle anderen vergnügt waren, kam es mir plötzlich in den Sinn, dass sowieso nichts gelingt und alles sinnlos ist. Besonders dann, wenn ich früher in der Armee auch nur von ferne Musik hörte.“ – „Ganz genau! Das kenne ich, das kenne ich“, fiel Natascha ein. „Als ich noch klein war, ging es mir auch so …“

So in etwa fühle ich mich jetzt. Nur statt traurig gefühllos. Tränen wären erlösend gewesen … Sonne, Mond und Sterne sind das Schönste, was ich wahrnehme. Schöner als alles andere, was hier unten vor sich geht – siehe Maik. Heute ein strahlender Wintermorgen beim Kaffee auf Terrasse mit Sonne im Gesicht. Wenn ich nachts wach werde, gehe ich manchmal raus rauchen, so wie heute Nacht. Rechts von mir hing die zunehmende Mondsichel über dem schlafenden Markt und beim Blick nach oben habe ich gedacht, was für ein Wunder es doch ist, dass ein Himmel voller Sterne über uns glänzt …

Heute ist Dienstag, der 20. Februar

In EINEM Monat ist Frühlingsanfang! Der Frühling naht und neues Leben. Das soll anders für mich sein, als bisher. Mit Freude statt Kummer. Nach dem, was Manuel mir erzählt hat von Maik – das liegt 2 Jahre zurück, sagt er – wollte ich mich davon abgrenzen, das kann ich meist gut. Doch gestern kroch das Gesagte in jede Zelle, bis mein ganzer Körper weh tat, ohne dass ich es verhindern konnte. Schlimm war das. Heute ist es wieder gut.

Am 20. des Monats werden immer die Stunden zur Abrechnung bei Guti-Gutshaus eingereicht. Das war nur eine Frühschicht diesmal. Mit höher steigender Sonne ändert sich das und die Arbeitszeiten werden wieder länger. Als ich an dem Sonntag Anfang Februar da war, hab ich Maik geschrieben: Wenn ich hier ankomme, höre ich immer Kraniche. Er auch gerade beim Paddeln, schrieb er zurück. Das fand ich schön, wir haben beide die Vögel des Glücks gehört. Nur seine für ihn und meine für mich. Als Manuel ihm gesagt hat, er soll mir endlich eine ehrliche Antwort geben, hat er ihn auch gefragt: „Was ist das eigentlich mit Euch?“- „Ach, weiß ich auch nicht …“ – Nein, natürlich nicht. Er weiß nur, was es mit seiner Ehefrau ist und seinen Affären …

Einmal war Tagesspruch: Der Güte und der Weisheit machen wir nur halbe Versprechen, dem Schmerz folgen wir ganz. Der hätte gestern gepasst …

Heute ist Montag, der 19. Februar

Heute neuer Montags-Gelassenheitsspruch auf einem schönen Seerosen-Teich: Wenn man seine RUHE nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.

„Seine Scheiß-Harley – er hat sich schon wieder eine gekauft und eine verkauft – und seine Piss-Sonnenbrille …“ Ich hab Manuel noch nie so wütend erlebt und über Maik reden hören. „So ein Macho!“ Das war ein denkwürdiges Wochenende. Ich hab gemerkt, wie gut er es mit mir meint, wie empathisch und mitfühlend und mir zugewandt er ist.

Und ich hab das Gegenteil gefühlt – bei Maik. Manuel konnte mit seinen Worten zwar nicht meine Grundfesten erschüttern, hat aber sehr was in Bewegung gesetzt. Mein erster Impuls war, jetzt mal endgültig einen Schlussstrich zu ziehen. Die einzigen „Antworten“ von Maik an mein Herz waren und sind Zurückweisung, Missachtung, Ignoranz oder Ironie. Ich halte mich für sehr viel wertvoller, als er mich behandelt bzw. wie ich mich hab behandeln lassen. Doch dann habe ich gedacht: Seine Reaktion – sein Glück bei anderen zu suchen oder bei der Ehefrau zu bleiben – bei ihm ist es nicht oder sondern und – ist genau das, was in der Dualseelen-Praxis an der Tagesordnung ist. Nur um eben DEM oder DER aus dem Wege zu gehen, genau das zu verdrängen, was berührt und deshalb Angst macht und deshalb herunter gewürdigt wird.

Gelassenheit ist, meine Ruhe in mir finden und nicht ihn anprangern …

Heute ist Sonntag, der 18. Februar

Manuel hat mir nicht nur von Maiks fachlichen Qualitäten erzählt, auch von denen als Frauenheld. Ich werde nicht finden, was ich bei Frauen suche, außer vielleicht Sex. Das Gespräch, das er mit Maik hatte, hat er mir nicht erzählt,  weil er mich nicht verletzen wollte. Aber nun doch. Ich denke, er will mir reinen Wein einschenken, um meine Einstellung zu ändern. Beides hat er nicht erreicht – er konnte mich damit nicht verletzen und auch mein Gefühl nicht ändern. Er hat für mich Partei ergriffen und Maik gesagt, dass ich ganz anders fühle, und wenn es bei ihm nicht so ist, soll er es mir ehrlich sagen und Schluss machen. „Nein, das mach ich nicht.“

Das muss er auch nicht.  Meine Reise mit ihm nähert sich ihrem Ende. Bald habe ich alles zusammen für meine Entscheidung. Der Tenor, bei allem was ich geschrieben habe in den Jahren mit ihm, war immer: Ich bin keine Zweitfrau und ich bin keine von vielen! Wenn er auch nicht findet, was er bei Frauen sucht – legitimiert das außer Sex vielleicht seine emsige Suche. Ich war der Auftakt zu seinen Abenteuern, ich bin nicht der Abschluss. Er bleibt bei seiner Ehefrau und speist sie mit Lügen – fährt zum „Seminar“, während es eine ganz andere Weiterbildung ist. Danke, dass ich nicht seine Ehefrau bin und nicht sein beliebiges „Liebchen“.

Heute ist Sonnabend, der 17. Februar

Dieses Jahr ist alles bisschen anders. Maik kommt mir vor wie eine Fata Morgana. Ich bin noch nicht ganz angekommen in dem Zustand, ohne ihn zu leben, rede mir aber gut zu – Das wird schon, lass dir Zeit, dich daran zu gewöhnen: Apathie – Teilnahmslosigkeit …

Als Manuel gestern kam, hat er vorher gefragt, ob ich ihm 2 Flaschen Flensburger und uns zum Abendbrot Tatar besorgen kann. Wenn er sonst kam, hat er entweder gleich Pizza vom Italiener mitgebracht oder wir sind Essen gegangen. Frühstück war immer beim Bäcker angesagt. Diesmal haben wir ausgiebig lange geschlafen. Jetzt ist er zu M 1 Frisör gegangen und er will auf dem Rückweg Einkaufen und wir frühstücken bei uns zu Hause. Das ist das erste Mal – Premiere! Wir führen eine Wochenend-WG wie ein langjähriges Ehepaar. Sehr entspannt, sagt er – so brauch ich das … „Es stört dich doch nicht, wenn ich von Maik erzähle?“, hat er gestern gefragt. Hauptsächlich erzählt er, wie er ihn als Kollegen bewundert und schätzt. Nein, das stört mich nicht – es lässt aber auch nicht mein Herz höher schlagen. Das meine ich mit Apathie.

Als ich mit Manuel mal zum Brunch bei Carmen mit ihren Hunde-Freunden war, haben die sich gefragt, wie wir wohl zusammen gehören, hat sie mir erzählt: Mutter und Sohn – oder haben die was miteinander? Sehr interessant … Das fragen sich wohl einige hier.

Gestern war Freitag, der 16. Februar

Gestern war Besuchstag. Erst meine liebe Sonne Carmen am Nachmittag und abends dann Manuel übers Wochenende. Mit Carmen haben wir mit ihrem Crémant, der hier schon seit Jahresanfang steht und den wir zusammen leeren wollten, noch auf das neue Jahr in Kombination mit Valentinstag angestoßen. Die Pulle stand noch in der Geschenktüte, so wie sie sie mir übergeben hat, hier. „Oh, Crémant!“, freu ich mich als ich sie daraus befreie. „Den kennt kaum einer“, erwidert sie. „Arbeiten bildet, den haben wir im Gutshaus im Angebot.“ Es macht Spaß, mich restaurant- und gourmet-technisch zu entwickeln. Gehobene Klasse – wie Entrecôte – ist sowas wie Rib-Eye-Steak.

Ja, Valentinstag. Lass dich überraschen, hab ich gedacht, was nicht gelingen konnte, weil die sich selbst erfüllende Prophezeiung eingetreten ist: Das wird sowieso nichts! Von wem denn? Aber was mir zu Valentinstag ohne Valentin eingefallen ist: Der Junge, mit dem ich das erste Mal … hieß mit Nachnamen Valentin. Er ging in meine Klasse. Es war auf dem Dielenfußboden im Anbau des alten Gutshauses … Als ich ihn bei unserem letzten Klassentreffen gesehen habe, war das ein schönes Gefühl. Er hat seine Hand auf meinen Arm gelegt und gesagt: „Du hast aber auch viel von deiner Mutter.“ Nicht in der Art des Vorwurfs wie das „Du bist genau wie deine Mutter“ bei Paaren oder Ehepaaren, sondern vertraut und zärtlich, ja liebevoll.

Heute ist Donnerstag, der 15. Februar

Manchmal entlassen die Ärzte einen aus der Klinik mit den Worten an die Angehörigen: Lassen Sie sie essen und trinken und tun, was sie will. Dann weiß jeder Bescheid. So lebe ich jetzt – ich mach mir die restliche Zeit noch so schön wie möglich …

Ich erlaube mir alles. Mal schreib ich ihm, mal im Blog, mal beides und mal nur im Blog. Mal rede ich abends mit ihm – ohne Telefon – und mal führe ich Selbstgespräche. Das ist mein selbst entworfener Therapieplan, angepasst an die jetzige Situation. Ohne ihn zu leben, daran würde ich mich irgendwann gewöhnen. Aber die Alternative ist nicht vorgesehen bei so einer Verbindung. Man muss lernen damit zu leben – so, wie es ist … Er lässt sich nicht wegdenken, durch einen anderen ersetzen, ignorieren, eleminieren oder sonst ein …ieren. Ich weiß, es war kein Irrtum, keine verlorene Zeit, keine Enttäuschung – und doch geht es nicht. Wie damit leben? Als Erstes: Nicht mehr Planen. Wie die Buddhisten im Hier und Jetzt sein. Von Augenblick zu Augenblick leben – von einem Moment zum anderen. Und als Zweites: Weiß ich noch nicht … Vielleicht zulassen, dass ich ihn stets und ständig fühle.

Neulich war Tagesspruch: Wir müssen unser geplantes Leben aufgeben, um das Leben zu finden, das auf uns wartet. Mag sein. Nur: Ich habe es nicht geplant – Es Ist So Gekommen. ER ist gekommen …

 

 

Heute ist Mittwoch, der 14. Februar

Was schreibt man am Tag der Verliebten, wenn es so ist, wie es ist? Was Schönes, Maik

Ich kann ihn nicht Nichtlieben, nur weil er verheiratet ist. Gestern hab ich ihm anlässlich Kinobesuch Shades of Grey meine aktualisierte Meinung zu Liebe und Ehe geschrieben. Dass es für mich immer so was wie ein heiliger Bund der Ehe war. Doch ich hab schon zwei Ehen hinter mir und keine davon war heilig. Die Kerzen am Anfang bei unseren Treffen waren heilig. Und vielleicht auch die Kamera, mit der er es aufgenommen hat. Wie kann er jetzt so sein?, hab ich hier vor ein paar Tagen gefragt, und was soll ich daraus lernen? Ich denke, bedingungslose Liebe, unabhängig von seinem Familienstand. Die Ehe ist ein Versprechen, das man gegeben hat. Und daran hält er sich.

Wir schreiben uns. Mehr ich, als er. Doch wir telefonieren nicht mehr. Einmal wollten wir, da hab ich gesagt, ich kann ihn nicht verstehen, also hören. Schade, hat er gesagt. Es ging nicht, seine Stimme zu hören – und dabei Telefonsex zu machen.

Das anhaltende Hoch mit Frost und Sonne wirkt sich wohltuend aufs Gemüt aus. Und in 2 Wochen fängt bei den Meteorologen schon der Frühling an. Wie freu ich mich auf die wärmenden Strahlen der Märzsonne. Am Wochenende will Manuel kommen, Freitag bis Sonntag. Das wird auch sehr schön …

Heute ist Dienstag, der 13. Februar

Heute ist eine Hochzeit. Ana und Christian heiraten – im Kino im dritten Teil von Shades of Grey – Befreite Lust. Ich guck mir das Happy End mit meiner jüngsten Schwester an, wie auch schon die ersten beiden Teile in den vergangenen zwei Jahren. „Das ist das Highlight im Februar“, hab ich Maik geschrieben, „nur Frauen im Kino.“ – „Und ein paar Muschi-Männer“, meint er. – „Die gibt’s hier nicht. Hier sind die Männer alle Jäger oder Angler und die Frauen Sammler.“ – „Ist ja ein Traum, perfekt world“, seine Antwort. – „Die Welt ist nicht perfekt hier, aber in Ordnung und sehr gesund. Was woanders nicht geht, geht hier auch nicht, aber hier kommt man besser damit klar. Da, wo man zuhause ist, Maik, geht es einem auch gut.“ Das weiß ich für mich und das hoffe ich für ihn. „Gute Nacht“ – „Gute Nacht“

Als ich geschrieben hab, ich seh ihn in seinem Kreis, hat mich das an das alte Kinderspiel Lange Nase erinnert. Zwei Spieler in einiger Entfernung ziehen einen Kreis um sich und versuchen daraus, mit Stein werfen das Land des anderen zu erobern. Bis da, wo er aufkommt, wird eine Nase an den Kreis gemalt. So erobert man den anderen, ohne seinen Kreis verlassen zu müssen …

Gestern war Rosenmontag – ohne Rosen, nur im Badewasser. Morgen ist Valentinstag – ohne Valentin, auch nicht in der Badewanne …