Heute ist Sonntag, der 14. April

Irgendwie ist der anders als wir, hab ich gestern zu Anja gesagt und den Koch gemeint. Ja, spießig – war ihr Urteil. Er bleibt auch nicht, 2 Tage Probe und goodbye. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Er passt da nicht richtig rein, obwohl er gut gekocht hat. Danke für den schönen Abend, hat er zu mir gesagt, als er sich verabschiedet hat, als ob wir ein Date gehabt hätten.

Hier kann man doch bestimmt gut Motorrad fahren?, hat mich einer von den Gästen gefragt und damit ein Bild vor meinen Augen herauf beschworen. Äh – ja … Jetzt hab ich frei bis Mittwoch, dann wieder die Spätschicht mit Anja. Arbeit, die Spaß macht, ist ein Vergnügen …

Heute Nachmittag hat mich Nicole, unsere Frühstücks-Fee, angerufen und mich gefragt, ob ich am Sonnabend mit ihr zum Guti-Gutshaus-Osterfeuer komme, sie würde sich freuen. Ja, gute Idee, mach ich. Dann hab ich ihr erzählt, was mir Robert zum Abschied gesagt hat. Darauf sie: Zu mir hat er gesagt: Anita hat das Herz am richtigen Fleck, auf sowas achte ich, es hat Spaß gemacht, mit ihr zu arbeiten. Das erklärt dann auch sein „Danke für den schönen Abend“.

Und dann kam noch ein kleines Mädchen beim Frühstück zu ihr und hat sie gefragt, wo die kleine Frau mit den roten Haaren heute ist?. „Meinst du Anita?“ Schulterzucken. „Die kommt heute nicht.“ Schade …

Heute ist Sonnabend, der 13. April

Darling, a beautiful thing is never perfect – das denk ich, wenn ich morgens mit meiner Kaffeetasse auf die Terrasse gehe, so wie ich gerade aus dem Bett komme, und mir nur Wasser ins Gesicht geschüttet habe. Wenn Lars raus kommt, sieht er strahlend gut aus, sogar nach der Nachschicht, und wünscht mir einen guten Morgen. Ich fühl mich unperfekt schön, auch wenn ich aussehe wie die Nacht um Eins. Den Spruch hab ich in einem WhatsApp-Profil gesehen.

Als wir neulich mit Aniko das Video zur Hochzeit gedreht haben, kam er dazu, barfuß in Bermudas. Da war es schon mal wärmer als jetzt mit 2 Grad. Ich hab immer auf seine Füße geguckt und gedacht, ob ich mir wohl Sex mit ihm vorstellen könnte. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen, denn ich hab nicht wirklich auf sie, sondern durch sie hindurch geguckt. Das war keine Option.

Das Wetter mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneeschauern verleitet zum Auswandern. Ich bin gar nicht richtig da und liege an einem tropischen Strand und schwimm im warmen Wasser. Sonne und Wärme sind mein größtes Bedürfnis in dieser lausigen Kälte. Ich hab bis mittags geschlafen. Nachher noch Schicht 3/3 von Guti-Gutshaus und dann wieder ab auf die Insel …

Robert, der Koch, entspricht optisch nicht meinen Idealen, doch sein Handwerk ist verehrungswürdig. Sein Lammbraten war vorzüglich gestern. Heute gibt’s Saibling … Gutshaus Lexow – Lexow – Germany auf Youtube eingeben und 5 Minuten lang erscheint die beste Wirkungsstätte, die ich je hatte, in ihren schönsten Vollbild-Modus-Facetten!

Heute ist Freitag, der 12. April

Gestern sind es 55 Wörter mehr geworden. 277 statt 222 – das hab ich dem wundervollen Vogel zu verdanken. Ich schreib es immer so, dass die Wörter Doppelzahlen sind … Damit es nicht so aussieht, als ob es überhaupt nicht vorwärts geht: Früher hab ich mich gezwungen, ihm über lange Strecken nicht zu schreiben, wenn von ihm nichts kam – jetzt geht das von alleine.

Wenn ich die Kommentare zu den Karten-Readings lese – die Videos seh ich mir so gut wie gar nicht mehr an, weil ich schon nach den ersten Sätzen bedient bin – glaube ich ihnen nicht, was sie schreiben. Das ist entweder, dass sie alleine genauso oder sogar noch glücklicher sind, oder dass sie mit einem anderen genauso oder sogar noch glücklicher sind. Das ist zwar theoretisch möglich, aber an ihrer Wortwahl und Ausdrucksweise merke ich, da ist viel Frust und Verletztheit – wie ein bockiges kleines Kind, im Sinn von: Ich kann auch ohne dich, das werd ich dir schon beweisen … Ich glaube, immer bleibt im Hinterstübchen, wie wäre es mit ihm geworden? Da würden jetzt sicher viele auf die Barrikaden gehen, wenn sie das lesen, und ich will auch nicht alle über einen Kamm scheren, aber so ist mein Empfinden. Die Videos schalte ich ab nach Sätzen, wie: Er ist auf dem Weg zu dir … Unglaublich tiefe Gefühle … Dein Herzensmensch ist jetzt erwacht …

Ich kann sie auch gut verstehen. Jeder in der Lage versucht, so gut wie möglich damit umzugehen und zumindest das zweitschönste Leben zu leben, das möglich ist. Ein Video hieß: Diese Begegnung ist dein Schicksal. Auch das hab ich nicht geguckt, das weiß ich auch so.

Heute ist Donnerstag, der 11. April

Dualität spirituell – hab ich eben, 4:00 Uhr, bei Google eingegeben und einen Artikel von Armin Risi, Philosoph, Autor und Referent, gefunden: Polarität und Dualität, die Brisanz der ganzheitlichen Spiritualität. Auslöser dazu war gestern ein Telefongespräch mit Manuel, dem ich mit meiner ganzen Kompetenz, wie er sagt, den Begriff Dualität erklären sollte. Darauf ist er während der Behandlung eines Patienten gekommen.

Hinterher hab ich gedacht, es ist mir eigentlich egal, ob das nun ein Tisch ist oder die Illusion von einem Tisch. Ich bin grad bodenständiger oder geerdeter, um mich mit Begriffsbestimmungen und Definitionen abzugeben. Ich bin in mehreren Welten zuhause, doch mit beiden Beinen auf der Erde ist mir grad am sichersten und unkompliziertesten. Heute, morgen und übermorgen bin ich im Guti-Gutshaus – das ist eine verlässliche Größe und zur Zeit auch der beste Ausgleich von Geben und Nehmen bei mir. Es macht Spaß, es gibt gutes Essen und Austausch mit Gästen. Es nährt mich also, wenn man so sagen will, in mehrfacher Hinsicht und auf allen Ebenen. Und im Gegensatz zu vielen anderen meiner Aktivitäten wird es bezahlt. 

Mein bodenständiges Denken kam gestern auch darin zum Ausdruck, dass ich mich an den Abwasch gemacht habe, mit Überwindung, denn ich frier und bin müde zur Zeit. Meine Motivation war: Ich will erst bei mir zuhause alles in Ordnung haben, bevor ich mich woanders einbringe.

Als ich vorhin auf der Dachterrasse war, ist ein MILAN am grauen Himmel gekreist. Da sind die ersten 3 Buchstaben von mir und von ihm drin. Ich weiß nicht, wie mir sowas einfällt. Wohl, weil ich traurig bin, dass es so gekommen ist – da kommt der Vogel geflogen und bringt sowas wie einen Gruß von oben …

Heute ist Mittwoch, der 10. April

Worum es jetzt geht, ist mir mein Leben so schön wie möglich zu gestalten – auch ohne ihn. Ich hab ein gutes Umfeld und die Leute suchen meine Nähe. Ich hab meinen Glauben und Vertrauen und ich merke, sie wollen, dass ich ihnen davon was abgebe. Und ich hab auch für jeden ein gutes Wort oder mehrere, doch teilweise fühle ich mich überfordert damit. Sonnenschein verteilen, kann auch eine Lebensaufgabe sein, doch ich denke, wo bleibe ich dabei?

Ich kann nur so viel weitergeben, wie mir zufließt – und nicht mal alles, ich brauch auch noch genug für mich. Wenn das auch alles gründlich schief gegangen ist in der Vergangenheit, erhole ich mich langsam davon und bin froh über die Ruhe, die jetzt eingekehrt ist. Doch immer noch möchte ich mit einem Mann leben, der mir seine Hand reicht, und nicht den kleinen Finger. Das heißt, ich denke in erster Linie auch an mich und kann mich nicht so verausgaben, bis für mich gar nichts mehr übrig bleibt.

Mit Lars nebenan ist es auch so’n Ding. Ich war gestern mit ihm im Dänischen Bettenlager, Verdunkelungs-Rollos kaufen. Da hat er mir erzählt, eine 19-Jährige will was von ihm. Er wird 42. Sie hat ein 3 Monate altes Baby und wurde sitzengelassen. Er hat Bedenken von wegen Alter, ist aber nicht abgeneigt. Gestern hab ich seine Eltern kennengelernt …

Heute ist Dienstag, der 9. April

Gestern der Tag ist wie nicht gewesen. Ich war wie erschlagen und hab nur geschlafen, tief und traumreich. Die Energien sind extrem zur Zeit und schlauchen. Ich fühl nur Kälte und Härte und muss meine ganze warme, weiche Weiblichkeit aufbieten, um einigermaßen damit klarzukommen und nicht zu erfrieren. Ich denk dabei an gute Zeiten und Zweisamkeit …

Lars vom Mars und ich von der Venus – es sind doch ganz geistreiche Unterhaltungen mit ihm möglich. Er spricht viel über Politik und Gesellschaft und Philosophie – und dafür, dass er Rationalist ist, klingt es sogar sehr spirituell. Es fallen Worte wie Schicksal und Karma. Gestern hat er wieder was zu Toleranz gesagt – eins seiner Lieblings-Themen: Toleranz kommt von Lateinisch tolerare – ertragen, aushalten. Wär ich nicht tolerant, hat er gesagt, hätte ich nicht ertragen, dass mir deine Putzfee neulich was von Gott erzählt hat. Das hat sie wirklich, als sie beim letzten Mal hier war, und ich hab schon gedacht, das kannst du dir sparen, das stößt bei ihm auf taube Ohren. Das wär es auch, aber nicht wegen tolerare hat er es gehört, sondern weil sie süß und sexy ist – klein, zierlich, lange schwarze Haare – und im Minikleid putzen kommt. Damit er sich nicht unnötig Illusionen macht, hab ich ihm gesagt, was sie mir gesagt hat: Ich heirate im Juli. Es ist 27, das Engelchen, und goldig …

Heute ist Montag, der 8. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Das Gras  wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.  Afrikanisches Sprichwort

Das hat was mit Geduld zu tun. In dem Karten-Reading, von dem ich gestern geschrieben hab, wurde auch gesagt: Du wirst gezwungen, Geduld zu haben. Dir bleibt gar nichts anderes übrig …

Gestern hab ich mit Aniko das Video für Steffi und Max zur Hochzeit gedreht – auf der Terrasse mit Kirchturm und Glockenläuten im Hintergrund. Sie haben sich von allen eins gewünscht, das dann zu Einem zusammen geschnitten wird. Darin sage ich: Bei den Sprüchen, die ich zur Hochzeit gesucht habe, fand ich den am besten: „Eine Ehe ist dann gut, wenn man lieber nach Hause kommt, als wegfährt.“

In meiner Ehe gab es mal eine Zeit, in der ich nicht mehr nach Hause kommen wollte. Da war mein Sohn noch ganz klein. Damals hatte mein Mann einen Machtkampf mit meiner Tochter, die in der Pubertät war, und beide wollten, dass ich zu ihnen halte. Da stand ich zwischen zwei Fronten. Das war ein Jahr lang ein vergiftetes, eisiges Familienklima. Erst, als ich gesagt habe, ich nehm meinen Sohn und gehe, hat es sich aufgelöst.

Es war herrliches Wetter gestern – blauer Himmel und Sonnenschein. Das Video ist toll geworden. Lars kam auch dazu, bevor er zur Nachtschicht ging – er ist morgens der Erste, den ich sehe, und abends der Letzte …

 

Heute ist Sonntag, der 7. April

Jederzeit wieder … Das war seine erste Falschaussage. Da hab ich mich schon gefreut, aber zu früh. Er wusste nicht, wie sich sein Kopf zu einer Affäre verhält. Hätt er mal früher gucken sollen, was sein kluges Köpfchen dazu sagt. An sowas muss ich manchmal denken …

Auch, wenn ihr lange keinen Kontakt hattet – du weißt, dass es richtig ist, was du fühlst, und dass es bei ihm auch so ist. Auch, wenn du es nicht siehst, oder von ihm hörst. Du spürst es. Es wird ruhiger – und du fühlst dich sogar ganz wohl dabei. Das haben sie neulich in einem Karten-Reading gesagt. Da haben sie mal Recht. Das trifft nicht immer zu.

Was kochen wir denn heute Schönes?, ist immer meine erste Frage bei Ankunft im Guti-Gutshaus. „Heute gibt’s mal ganz was anderes – Roastbeef.“ – „Lasst mich raten – mit Ofengemüse?“ Das gab es die letzten drei Mal schon. Aber diesmal hat sich der Chef-Koch in Personalunion selbst übertroffen. Das Fleisch zerging wie Butter auf der Zunge. Überhaupt war das entspannt gestern, zu viert, und ich war um 10 schon zu Hause. Ostern hab ich frei, dafür nächstes Wochenende Donnerstag, Freitag, Samstag.

Kurz vor Mitternacht noch ein Terrassen-Plausch mit Lars. Unverbindlich ist das und ganz nett. Dann wurde ihm kalt. Oh, ich frier wie ne Sau, ich geh rein, Gute Nacht! Ja, schlaf schön, bis morgen …

Heute ist Sonnabend, der 6. April

Gerade so – es ist kurz nach Mitternacht. Wir haben ein schönes Feuer gemacht bei meiner Schwester. Sie hat ihre Tagebücher von 2001 an verbrannt, ich Fotos, das hat Spaß gemacht. Zu manchen hab ich noch was gesagt: Alles Gute oder Farewell oder was mir dazu einfiel. Es war ein Wort-und-Bild-Feuer-Werk, genau zum Neumond im Widder, ihrem Sternzeichen. Danach haben wir eine Laterne mit einer Kerze auf dem See in die Nacht schwimmen lassen. Das war magisch …

Soll ich dir was vorlesen?, hat sie mich gefragt. Ja – und mir dann eine Geschichte von ihr vorgelesen, bei der sie an einer Stelle weinen musste, ihre Lebensgeschichte. So ähnlich wie meine Schwanen-Geschichte – meine Lebensgeschichte. Danach hat sie sie verbrannt. Ich würde nie auf die Idee kommen, meine zu verbrennen. Das Feuer war ein schönes Ritual für uns – so hat sie sich von ihren 5 Jahren, die sie dort verbracht hat, gelöst – und ich hab endlich einen Platz für die Bilder gefunden, die ich nicht weiter aufbewahren will, weil sie keinen Bezug mehr zu mir haben. Eine neue Ära fängt an, sagt sie.

Heute gibt es ein gutes Abendessen. Das heißt, ich speise mal wieder im Guti-Gutshaus. Das hört sich besser an als: Ich hab die lange Spätschicht. Wenn ich da hinfahre, ist es jedesmal eine Überraschung – sowohl das Menü wie auch die Gäste, die mich da erwarten …

Heute ist Freitag, der 5. April

Heute sind WLAN-Ausfälle bei Vodafone. Davon bin ich betroffen, weil ich das meiner Nachbarin nutze. Also, hab ich statt Blog schreiben erstmal ein ausgiebiges Salzbad genommen – Neumond-Reinigung. Jetzt noch Bettchen frisch beziehen und heute Abend Lagerfeuer bei meiner Schwester, Altes verbrennen. Ich hab auch noch einen Karton mit Fotos stehen, durchweg männlich – Lebens-Abschnitts-Gefährten, den ich heute den Flammen übergebe. In die Kategorie fällt mein Herzmann nicht, denk ich, also gehen die Fotos nicht in Flammen auf. Weiß ich noch nicht, was ich damit mache …

Gesprächsthema im Haus ist heute die 20-prozentige Mieterhöhung ab Juli, die allen Mietern in die Briefkästen geflattert ist. Anpassung an die ortsübliche Miete. Sind natürlich alle sehr aufgebracht. Bei mir macht das 65 € mehr Kaltmiete im Monat aus. Bei Christine, in Elternzeit mit 2 Kleinkindern, sind 75 € pro Monat mehr schon ein Posten, der zu Buche schlägt. Bei mir schlägt es auch zu Buche, aber ich denk mir, das ist die erste Mieterhöhung seit ich hier bin, also seit 7 1/2 Jahren. Während die anderen sich aufregen, denk ich, der Vermieter macht nur von seinem Recht Gebrauch. Das würde jeder machen. Kommt immer nur drauf an, auf welcher Seite man steht.

Zwischendurch ging das Internet mal wieder – aber mein Entwurf, den ich schon geschrieben hatte – war weg, nicht gespeichert durch die Störung. Zu dumm aber auch, so musste ich noch mal neu schreiben …