Heute ist Donnerstag, der 3. Oktober

Die beiden haben ein Thema – sie reden über sich, und zwar nur und ausschließlich. Damit geh ich überhaupt nicht in Resonanz, und es interessiert mich auch nicht mehr, weil ich mit mir zu tun habe.

Gestern Vormittag hab ich alle Frisörläden in der City abgeklappert. M 1 existiert nicht mehr. Bei Türkisch-Alanya kein Termin, bei 5 weiteren – auch nicht. Beim vorletzten hat es endlich geklappt. Ergebnis ist zufriedenstellend.

Meine Tochter hat Fotos vom Einzug geschickt, das sieht schon wie ein Zuhause aus. Und sie hat dazu geschrieben: Huhu Mutti, haben jetzt WW und Heizung – sehr geil! Nicole und ich haben gestern über dich gesprochen, dass der öffentliche Dienst nervt wie – Bild von Schwein – und wir auch nicht mehr hin wollen. Ich hab mit 49 die Flinte ins Korn geworfen. Sie wird im November 39 und ist an der Uni Rostock im Sprachenzentrum, Fachbereich Englisch. Nicole ist im Sozialamt, jetzt in leitender Position, und hasst ihren Job inbrünstig seit Jahren. Der öffentliche Dienst besticht seine Mitarbeiter mit einem sicheren, geregelten Einkommen.

Meine Flur-Nachbarin Wiebke, 38, hat mir gestern das gleiche erzählt. Sie ist beim Umweltamt und nah am Burnout, klagt sie.

Ich hab die Fronten gewechselt – von Leistungserbringer zu Leistungsempfänger, durch vorzeitige Versetzung in den Ruhestand. Bei Du bist connected hab ich das in gewisser Weise auch getan, als es mir gereicht hat: Von der Bittstellerin zur Regentin …

Der Unterschied zwischen seiner Art von Anwesenheit und einer realen besteht darin: Er geht zwar mit mir die Treppe hoch und sitzt mit mir am Tisch, hilft mir aber praktisch nicht, die Einkäufe mit hoch zu tragen. So ungefähr kann man sich das vorstellen …

Heute ist Mittwoch, der 2. Oktober

Ja, nun doch – mit Lukas und Ü/F in Pension am Hafen, zwei Minuten von hier. Ich bin froh, dass ich frei hab und Ruhe. Obwohl die Chefin gestern Abend gefragt hat: Liebe Anita, könntest du zur Not am Donnerstag, wenn es brenzlig wird? – Ja, das geht Bettina, müsstest du dann nur sagen, wann. Ich hab ab morgen Besuch, aber der kann sich auch mal alleine beschäftigen …

Manuel nimmt wieder seine tausend Beziehungskisten auseinander – Schnee von gestern und ich kann es nicht mehr hören. Vor allem kommt nichts bei raus. Es ist immer das gleiche. Das sag ich ihm diesmal auch. Hier laufen ausnahmsweise sogar mal gleich zwei gute Filme, die man gucken kann: König der Löwen und Gut gegen Nordwind. Das werd ich als Abendgestaltung vorschlagen …

Hier residiert die holde Weiblichkeit. Mein ganzes Interieur spiegelt das. Alle, die nicht wissen, wer sie sind und wo sie hinwollen, bringen nur Unruhe rein. Das nervt. Hier ist der sichere Ankerplatz im Heimathafen, die ruhige Bucht, das gute Klima  …

Leute, die kein Auto haben, lassen sich gerne kutschieren. Martina ist die rühmliche Ausnahme, sie legt alle Distanzen zu Fuß oder mit Fahrrad zurück, bei fast jedem Wetter. Gestern Abend, als es weltuntergangsmäßig geschüttet hat, hab ich Sigi angerufen und gesagt: Wenn morgen auch so’n Wetter ist, fahr ich euch zum Bahnhof – oder wenn es regnet. Heute früh 10 nach 8, ich lag noch im Bett, hat sie angerufen: Hi Anita, hättest du Lust, uns trotzdem zu fahren? Blauer Himmel und Sonnenschein … Hätte ich Lust? Nee, das war ein Angebot für Regen! Ja, kann ich machen … Dabei wär das gut machbar gewesen, vom Markt bis Waren Hauptbahnhof  ist es nur eine Viertelstunde Fußweg und die Koffer sind heutzutage alle Modell Hacken-Porsche – sie lassen sich rollen! Das ist doch dreist. Nochmal biete ich das nicht an, auch nicht, wenn’s regnet.

Um so mehr freu ich mich auf mein Natur-Retreat im Seehaus am Kreuzsee von Montag bis Mittwoch. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – sehen nur die rot-gelb-goldenen Herbstfarben im Nationalpark …

Ich wollte noch was sagen zum 2. Oktober, denn 2 ist mein Blog-Thema. Bei einer, die im aktuellen Google-Ranking ein Stückchen über mir steht – Dualseelen, Seelenpartner und Telepathie von M. M. heißt es: Du bist connected. Das trifft sehr gut das, was ich meine mit: Er ist immer da – für da kann man auch hier sagen oder anwesend oder präsent. Das heißt nicht, dass ich an ihn denke, das heißt nur, er ist da. Und wie connected ich bin … Manchmal sind Sparwochen, da merke ich kaum was, manchmal sind Intensivwochen, da ist es, als hätten wir gestern gerade erst … Nur ganz weg – ist er nie.

Das kann manchmal bedrohlich sein, schreibt sie weiter. Bedrohlich finde ich das nicht, nur manchmal anstrengend. Ich bin sozusagen immer in seiner Gesellschaft und das rund um die Uhr, Tag für Tag, Nacht für Nacht, und das seit Jahren. Ich bin ja nie alleine …

Damit versuche ich, das Phänomen zu erklären – wie es mir damit geht. Das ist auch keine Ausnahme, das schreiben viele, die so eine Begegnung hatten. Die kennen das und denen brauche ich auch nichts zu erklären. Und die anderen – begreifen es nicht.

 

Heute ist Dienstag, der 1. Oktober

Das Seifen-Schulprojekt war erfolgreich gestern. Ich hatte erst 6 Mädels, 5. und 6. Klasse, dabei und dann kamen noch 2 nach mit langen Gesichtern, von einem Kurs der ausgefallen ist – Puppenspiel. Dann hat es ihnen aber doch Spaß gemacht, wie den anderen und mir auch. Alle, die reinkamen, haben gesagt, das duftet hier aber schön … nach Rose, Lavendel, Orange, Granatapfel, Verbene, Olive – das waren meine Pflanzenöl-Seifen. Sie haben auch gefragt, ob sowas nochmal angeboten wird. Die Lehrerinnen und die Schulleiterin, die sich mit mir unterhalten haben, haben gesagt, die Schule hat den Projekttag zum 20. Jubiläum ein Jahr lang im Voraus geplant. Sie hatten viele schöne Angebote – das ist toll gelungen. Ein Tag, das reicht aber auch – Schule ist nicht mein Biotop. Zu laut und zu viele auf einem Haufen … Ich war froh, als ich wieder zuhause war.

Heute um halb 9 ist Christine gekommen, immer noch ohne Heizung und Warmwasser – da muss eine neue Anlage rein, das soll nächste Woche passieren – und ich hab ihr zum zweiten Mal die Haare gewaschen, mit Becher auf dem operierten Ohr, damit kein Wasser reinläuft. Dann ist sie zur Nachkontrolle nach Neubrandenburg gefahren und ich hatte eine Stunde Lymphdrainage und eine Stunde Beine ausmessen für Kompressionsteil in Violet Colour … Jetzt ist sie auf dem Rückweg und kommt nochmal ran – zur Fortführung ihrer analytischen Beziehungsstress-Beschreibung en detail, hat noch nicht gereicht heute morgen. Kurzfassung: Sie kriegt ihn nicht so hingebogen, wie sie ihn gerne hätte. Das ist das dominante Kombi-Therapeuten-Steinbock-Syndrom. Das geht mir grad ziemlich auf den Kranz …

Als ich gestern von der Schliemann-Schule zurück war, hat Tine Schwesterchen mir noch einen Obi-Eimer voll mit Wiesen-Champis gebracht. Sie kam von Parodontose-Behandlung vom Zahnarzt – von dem, der mir demnächst das Implantat macht – und hing erschlafft auf meiner roten Couch. Heute hat sie das gleiche Spiel nochmal, nur untere Kauleiste. Als ich beim Pilze putzen war, hat Lars an die Scheibe geklopft und ich hab gesagt: Hier, willst du welche abhaben? Ich schaff die nicht alle. Da hat er sich gefreut …

Manuel hatte gestern 3mal und heute 5mal angerufen. Ich war vorhin grad dabei, mir ein Fertig-Thai-Curry-Gericht in die Pfanne zu hauen, als er wieder angeklingelt hat – ob er nun morgen kommt oder nicht, wegen Wetter, und wenn ja – ob mit oder ohne Lukas, und wenn mit Lukas dann mit Übernachtung in Pension …

Von Sigi war eine SMS da: Anita, denk dran, heute nochmal runter zu kommen! Sie fahren morgen für drei Tage nach Berlin zur Familie ihres Sohnes und ich soll ihre fleischfressenden Pflanzen gießen und sie will mir dazu den Schließmechanismus ihrer Hochsicherheitstrakt-Eingangstür zeigen.

Das geht mir grad ziemlich auf den Kranz alles … Aber die schöne Venus hab ich mir gekauft – gestern war geschlossen.

Heute ist Montag, der 30. September

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Der Weg ist immer besser als die schönste Herberge. Miguel de Cervantes

Gestern und vorgestern hatte ich eine schöne kindliche Begegnung mit einem goldigen Engelchen. Der Kleine, dreieinhalb, mit blonden Locken, hatte ein Fahrrad bekommen, mit dem er noch am gleichen Tag mit Highspeed um unser Rosen-Rondell gekurvt ist. Papa hat gefilmt. Dann wurde das Video jäh unterbrochen – durch Sturz. Oh, war das Geschrei groß. Beim Abendbrot – das war eine Familienfeier mit 18 Personen – hat er gesagt: Das mag ich nicht … Kannst du mir was anderes bringen? Was denn? Nudeln … Dann hat Anja ihm einen schönen Teller mit Bandnudeln, Butterflöckchen und Käse angerichtet. Beim Abräumen war er schon im Bett. Das hat ihm geschmeckt, hat der Vater zu mir gesagt. Aber er hat kapituliert, hab ich gesagt – es war noch ein Rest auf dem Teller. Sein Papa und ich hatten auch einen guten Draht.

Gestern ist noch ein Paar mit zwei Kindern angereist, das gefragt hat, ob noch mehr Kinder im Haus sind, wegen Spielgefährten. Oh ja …

Da hab ich ihn erstmal gefragt: Wie heißt du denn? Loui – und wie heißt Du? Anita. Es sind noch zwei Kinder hier, die würden gerne mit dir spielen – ein Mädchen, ein bisschen kleiner als du, und ein Junge, ein bisschen größer als du … Aber ich bin auch schon groß! Ja, das bist du. – Guck mal, wie groß ich bin, siehst du, was ich für große Beine habe? – und er zeigt an sich runter auf seine geringelte Strumpfhose. Aber Du bist ja ganz groß, meint er zu mir. Na, so groß bin ich auch wieder nicht … Doch, Du bist viel größer als ich … Ich bin ja auch viel älter als du …

Das war wirklich herrlich mit ihm und hat Spaß gemacht Was machst du jetzt?, hat er abends gefragt. Ich fahr nach Hause …

Heute ist Sonntag, der 29. September

Hallo Andrea, ich wünsch euch einen reibungslosen Umzug und dass alles gut klappt. Ich hab nochmal Guti-Gutshaus-Wochenende und denk an euch! Liebe Grüße Mutti

Danke liebe Mutti, hat alles gut geklappt und wir liegen gerade das erste Mal im neuen Haus im Bett. Die letzte Woche war hart, weil wir meist erst nach Mitternacht ins Bett sind, aber jetzt ist alles durch. Haben leider keine Heizung und kein Warmwasser wegen den Elektrikern.

Aber ihr seid da und habt es geschafft! Heizung und Warmwasser ist wie bei meiner Nachbarin, die umgezogen ist, nur sie ist Mieterin und ihr seid Eigentümer. Das werden die Elektriker ja noch schaffen, bevor es kalt wird. Ich wünsch euch eine besonders schöne erste gute Nacht von vielen in eurem Heim und freu mich mit euch!

Schriftverkehr mit meiner Tochter gestern. Jetzt wohnen sie auf dem Lande – und arbeiten in Rostock.

Happy Birthday! Manuel hat Geburtstag heute, 37 – und dreht sich immer noch im Kreis. Nächste Runde: Abgebrochener Student, 22. Den hat er aus dem gleichen trüben Wasser gefischt, wie alle bisher – Gay Romeo. Ich bin eine Stufe weiter, hat er neulich ganz stolz verkündet. Wohl kaum …

Ich könnt’n ganzen Tag im Bett bleiben bei dem Pieselwetter. Beim Schaumbad eben – um in Gang zu kommen – ist mir eingefallen, wenn ich morgen noch das Seife im Wollmantel-Schulprojekt hinter mir habe, belohn ich mich für 3 Tage Working, 2 davon mit Wochenend-Tarif, mit einer schönen Venus-Statue für’s Bad, die mir schon lange aus dem Schaufenster zulächelt …

 

 

Heute ist Sonnabend, der 28. September

Es war gegen 9. Er kam aus der Westsiedlung und hatte, wie jeden Abend die letzten Tage, seine kleine Freundin – klein im Sinn von könnte seine Tochter sein – mit Baby und Hund nach Hause gebracht. Der Empfang am Hauseingang war ein Rivale, der dort auf sie gewartet hatte und sie zur Rede gestellt hat: Wie lange geht das schon mit euch? Mir schreibst du, du liebst mich, hast meinen Schlüssel und, und, und … Die Schöne tat wortlos unbeteiligt, während er ihr eine Szene gemacht hat. Lars ging rauchend auf und ab und schließlich nach Hause, nachdem der Nebenbuhler noch einen Blumenstrauß aus seinem Auto geholt hatte. Hier, die sollten für dich sein …

Ich hab mir schon gedacht, dass sie ein doppeltes Spiel spielt, hat er gemeint. Der andere hatte schon in Facebook seinen Beziehungsstatus mit ihr gepostet, und sie ein Foto von sich mit einer halben Herzkette um, so eine, wie ich sie von Sigi habe, und die bei mir auf dem Tisch liegt. Die ist von ihrem Opa, hat sie ihm erklärt. Alles klar! Das Einzige, zu dem sie sich herabgelassen hat, war zu sagen: Das mit Dir ist freundschaftlich, Gefühle hab ich für ihn – Lars.

Das muss eine Show gewesen sein, zumal der andere kleinwüchsig ist. Aber er hat Kohle und ein dickes Auto, was ich ihr nicht bieten kann – Lars.

Und das mir, hat er gestöhnt. Ich hätte das ganze Wochenende vögeln können – mit seiner psychotischen Ex – aber nein, ich musste ihr ja schreiben: Es gibt da eine andere … Er gehört auch nicht zu den von Amor Begünstigten – er zieht sowas an, solche Kisten.

Guti-Gutshaus von 16 – 23 Uhr. Je länger ich frei habe, um so weniger Lust hab ich auf Gästebetreuung, obwohl es dann ganz amüsant ist. Bei 3-Gänge-Menü im Plan hatte ich die vage Hoffnung auf einen Koch. Denkste, der Chef hat gekocht. Morgen hab ich die Café-Schicht von 14 – 18 Uhr. Kuchen muss ich selber backen, da Anja mal 3 Tage frei hat.

Meine schönste Oase ist mein Bett, mein Tempel meine Wohnung …

Heute ist Freitag, der 27. September

Gestern hat nach 9 noch das Handy geklingelt, als ich grad beim Einschlafen war. Hat Manuel noch was vergessen? Es war meine jüngste Schwester Tine, die ihre Tochter Steffi vom Bahnhof abholen und vorher noch zu mir kommen wollte. Wir haben uns schon eine Weile nicht gesehen, und so bin ich nochmal aufgestanden …

Als ich nachmittags mit Manuel telefoniert hab – er will jetzt nächste Woche Mittwoch bis Sonntag kommen – hat er nochmal gefragt, ob er Lukas mitbringen kann, obwohl ich schon mal Nein gesagt hab. Zu zweit ist es zu eng hier, das mach ich nicht mehr. Ja, versteht er, hat aber trotzdem ein zweites Mal angefragt. Besuch eigentlich gar nicht mehr mit Übernachtung, da fühl ich mich eingeschränkt. Ich steh oft nachts auf, koch mir einen Kaffee, schreibe, geh auf die Terrasse … Wenn Manuel unten auf der Couch schläft, geht das trotzdem, der schläft wie ein Baby. Also bleibt es bei Nein, obwohl mir Lukas, das wandelnde Evangelium, sehr sympathisch ist … Er liest grad mein Buch, hat mir Manuel erzählt und hat sich gefragt: Was ist das bloß für ein Typ? – Der in M – Liebesgeschichten … Das fragen alle.

Meine Überraschungen kommen schon eine ganze Weile nicht mehr von Amor. Dafür hat sich der himmlische Finanzminister meiner angenommen. Heut war Post im Kasten. Oh, 36 € mehr ab Oktober, das war aber nur die Zwischensumme – auf der Rückseite stand die Nachberechnung für das ganze Jahr. Das ergab eine Nachzahlung von 326 Eus, warum auch immer. Und ab Oktober + 36 …

Das Leben ist geil, sagt Lars. Kann es sein, sag ich – das war der Auftakt unserer Terrassen-Abendunterhaltung heute. Unglaublich, was dann kam …

Heute ist Donnerstag, der 26. September

… und Mittags-Treffen mit Tantchen, die heute hier ihren Doc-Termin hat, steht wieder an. Im Bistro bei Rewe, in der Westsiedlung. Das kann man essen, zumal es nur alle 6 Wochen ist. Sonst achte ich auf gute Kost – auch bei geistiger Nahrung.

Wenn ich auch mal – selten – Phasen habe, wie jeder, der seine Gefühle in Wort, Bild oder Klang ausdrückt, nämlich kein Input von oben, Lesen geht immer, wenn schon nicht schreiben. Anja hat mir neulich ein Buch mitgebracht:

Zusammen ist man weniger allein, Anna Gavalda. Das ist Gourmet-Kost für’s Gehirn. Gibt’s als Buch und Film. Den Titel kannte ich, hab es aber weder gelesen noch gesehen. Über Sommer hab ich mir reichlich Bistro-Bücher einverleibt, in Ermangelung von was Besserem. Dagegen ist das jetzt eine Delikatesse!

Ich hab das Grundsortiment umgestellt: Brot aus „Sonnenblume – Dein Bio-Laden“ und Tomaten aus „Papillon“, dem Lebenshilfswerk-Laden in der Kirchenstraße, direkt neben Christines neuer Adresse. Der Laden ist eigentlich ein Wohn-Deko-Paradies, bietet aber auch Blumen und Gemüse aus eigener Gärtnerei an – regional, saisonal …

Halb zehn: Ich kram schöne alte Erinnerungen zusammen, um mich für das Treffen mit Tantchen zu wappnen. Vorher kommt Christinchen noch, die grad angerufen hat. Beides ist sowas wie Notfallbegleitung, dabei reicht es mal grad für mich selber. Heute gibt’s zwei Suppen – goldgelbe Hokaidosuppe im Kochtopf und gruselgraue Nebelsuppe in der Himmelsküche … Om, alles wird gut!

Heute ist Mittwoch, der 25. September

Um halb 4 bin ich gestern endlich losgekommen, um bei schönstem Wetter um den Tiefwarensee zu radeln. Das sind 10 Kilometer. Ich denk immer daran, dass mein Sohn mal gesagt hat: Wenn ich so einen schönen Radweg vor der Tür hätte, würde ich ihn jeden Tag fahren …

Vormittags hat Lars mir seinen Stick gegeben, auf dem er alles von meinem alten Laptop gespeichert hat. Alles Alte und Überflüssige hab ich großzügig gelöscht, es sind nur meine geschriebenen Worte übrig geblieben.

Dann kam Sigi zum Käffchen, um mir die Sachen zu zeigen, die sie für ihre Enkelkinder Phili wie Collins und Leona, beide fast 4 Jahre alt, gekauft hat. Als sie wieder ging, war es schon 12. Ich häng noch die Wäsche auf und dann fahr ich los, hab ich gedacht. Doch dann hat Christine angefragt, ob ich hier bin, und ist zu ihrer täglichen Einkehr bei mir gekommen, bei der sie sich ihre Sorgen und Nöte vom Herzen redet. Zwischendurch noch ein Anruf von der Schliemann-Schule, um das Seifen-Filzen-Projekt am Montag abzusprechen.

Dann die Seen-Runde und als ich zurück war, hatte mir mein Sohn ein süßes Kurz-Video von Jonti-Mann, so nennt er ihn,  geschickt. Schöne Überraschung! Abends um 7 noch eine Stunde Telefonat mit meiner Freundin Silvi aus Rostock und später noch angeregtes Abendgespräch mit Lars auf Terrasse. So geht es hier meistens zu, wie im Taubenschlag …

Heute ist Dienstag, der 24. September

Gestern stand Kaninchen vor der Tür, mit Rotkohl und Klößen. Das war die in Tupperdose verpackte Einladung zum Sonntagsessen bei Sigi und Wolfgang, nur da bin ich um Eins schon Richtung Guti-Gutshaus gefahren.

Mittags war Christine hier, mit Ohr-Verband nach ihrer OP. Sie haben noch keinen Mietvertrag für die neue Wohnung und folglich kann sie sich noch nirgends anmelden. Sie ist grad dabei, alles zu organisieren. Sie hat noch kein Internet, Heizung und Warmwasser sind auch ausgefallen, die Kinder sind erkältet und ihr Arbeitgeber bzw. die selbsternannte Vize-Chefin, der Drachen, macht ihr das Leben schwer. Sie ist diese Woche noch krankgeschrieben und soll sich eigentlich schonen, ist aber nur am wirbeln und organisieren. Ich müsste Rasen mähen im Garten, sagt sie, das müsste doch gehen, das ist doch leichte Tätigkeit. Nichts im Garten ist leichte Tätigkeit, außer im Liegestuhl liegen, hab ich gesagt, das lass mal schön sein. Ich hab aber noch nichts gemacht heute, hat sie geklagt – Steinbock-Frau. Ich hab heute noch nichts gemacht, außer Waschmaschine anstellen und Blumen gießen, was auch schon mein Tagespensum ist. Du hast schon eine Menge erledigt! So unterschiedlich sind unsere Gemüter.

Aniko hat sich zurückgezogen und trauert um ihr verlorenes vierbeiniges Kind. Sie lässt sich nicht sehen und war immer als Symbiose mit Floydi auf dem Hof. Versteh ich, sie muss sich wie gezweiteilt vorkommen …