Heute ist Montag, der 20. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Weisheit aus Afrika

Gestern hab ich seit Ewigkeiten den nackten Rücken eines Mannes berührt … Lars kam auf die Terrasse: Gut, dass du draußen bist! Er hat sich meinen Biergarten-Stuhl umgedreht und sich rittlings, mit dem Oberkörper zur Lehne, vor mich hingesetzt, sein T-Shirt bis zum Hals hochgezogen und gesagt: Ich hab eine Stelle am Rücken, die piekt und tut weh, guck mal, ob du was sehen kannst. Er hatte auf der Rückenmitte einen Leberfleck,  der gerötet war – mit einem schwarzen Etwas im Zentrum, sah aus wie ein Splitter. Gut, dass er mein Gesicht in dem Moment nicht sehen konnte. Für solche Sachen bin ich nicht geeignet. Ich hab meine Hand neben die Stelle gelegt und gesagt: Ich will da nicht mit der Pinzette ran, geh damit am besten zum Arzt … warte mal, ich fotografier dir das, dann siehst du es. Von der Pinzette war er auch nicht begeistert.

Das war eine Intimität, die mir fast zu weit ging – vor allem war ich darauf nicht vorbereitet. Ich glaub, wär die Stelle an der Rückseite seines Oberschenkels gewesen, hätte er seine Hose runtergezogen und dasselbe gesagt, nur Bein statt Rücken, mit so einer Selbstverständlichkeit, wie er das gemacht hat …

Nachmittags-Käffchen mit Sigi bei Christa im Haus ihrer Tochter, war herrlich …

Heute ist Sonntag, der 19. Mai

„Sei immer du selbst. Außer, es gibt Bier, dann sei betrunken.“ Johannes, der Säufer, Kiste 4, Flasche 3 aus Reihe 1. Solche abgewandelten Bibelsprüche schickt mir Ulla, 2. Frau des Vaters meines 1. Kindes per WhatsApp. Oh Ulla …

Bier: Habt Ihr Weißbier?, hat mich ein Mann aus dem guten Gästelager gefragt. Wir haben Schwarzbier …

Sowas sind witzige Szenen. Oder ich sag mal Sätze wie: Ich muss mich revidieren – Panna Cotta ist nicht mit Apfel-Minz-Gelee, sondern mit Holunderblüten-Gelee. Macht das jetzt ’n Unterschied – groß? Das hatte ich nämlich grad auf der mit Kreide beschriebenen Speisekarten-Tafel gesehen und nicht gemerkt, dass Anja das Topping inzwischen den jahreszeitlich zur Verfügung stehenden Naturschätzen angepasst hat. Das groß hatte ich noch angehängt, damit es nicht ganz wie die Axt im Walde klingt.

Oder: Was gibt es als Vorspeise? Beluga-Linsen-Salat, wahlweise mit Ziegenkäse oder Merguez. (Das ist ’ne scharfe Lamm-Bratwurst.) Ich mag beides nicht so, können Sie mir eine Alternative anbieten? Beluga-Linsen-Salat mit Grünzeug …

Oder: Mit wem kann ich hier mal über das Wein-Angebot reden? Mit mir …

Oder: Meine Freundin aus dem anderen Gästelager – Wir hätten gern zwei Flaschen Wasser und Gläser und eine Flasche Cremant. Wahrscheinlich hat sie gedacht, ich hätte sonst Tassen gebracht in meiner Unzulänglichkeit.

Eben, halb 12, hab ich einen Anruf bekommen, die Gäste für heute Abend haben abgesagt. Auch gut, hab ich zur Chefin gesagt. Ja, findet sie auch …

Heute ist Sonnabend, der 18 Mai

Die Typologie des Gastes ist vielgestaltig. Gestern war eine Gruppe, bestehend aus 8 Frauen und einem Mann, teilweise deutsch und englisch sprechend, dabei, die in die Kategorie anstrengend fällt. Anja hatte mich schon vorgewarnt – die sind anstrengend, schon seit sie hier sind. Ich hab dann die Bestellungen aufgenommen – da hat es sich fortgesetzt. Nicht nur sehr spezielle Nahrungsmittelunverträglichkeiten – okay, das gibts – auch so hakelte es. Die Gruppe gegenüber mit 11 Personen, teilweise aus dem Sachsenland, das genaue Gegenteil. Freundlich, die Teller entgegen genommen mit: Geben Sie her, wir reichen das durch … Es ist nämlich ziemlich enge  bei uns, wenn die Hütte voll ist. Für die gegenüber war die Bedienung Luft – nicht nur kein Entgegenkommen beim Entgegennehmen –  sie rührten sich kein Stück, und ich konnte sehen, wie ich meine flüssigen und festen gastronomischen Goodies auf dem Tisch platziere …

Besonders mit einer von der linken Sparte war gleich das Ei kaputt. Typ Superfrau. Groß und blond und stylisch. Sie kam mit meiner herben Schönheit, sowohl  in Sprache wie Erscheinung – ich nur Lippenstift, sie das perfekte Makeup – wohl nicht klar. Ich muss auf einen heftigen Widerstand in ihr getreten sein, war zwar weiter freundlich, da man mir aber jede Gemütsregung irgendwie am Gesicht ansieht, hat sie gemerkt, das geht mir links am Arsch vorbei – mich ignoriert und nur noch bei Anja bestellt.

Heute ist zum Glück Buffet …

Heute ist Freitag, der 17. Mai

Bjarne klingelt gerne überall im Haus mal. Als Wolfgang das zuviel wurde, hat er gesagt: Du kannst doch nicht immer bei uns klingeln! – Du bist doof! – Wat hast du eben jesagt?, das will ich nicht noch mal hören, mein Freund. Christa hat mir erzählt, zu ihr hat er neulich gesagt: Tschüss, alte Frau. Sie hat ihn in Schutz genommen, er kennt den Begriff alte Dame noch nicht. Der kennt jeden Begriff, Christa. Als ich ihn neulich von der Kita abgeholt habe, hat er eine Schnecke vom Gehweg ins Grüne gesetzt. Das ist aber lieb von dir, hab ich ihn gelobt.  Tierschutz … sagt er ganz trocken.

Das macht er schon ganz gezielt mit 4, um die Reaktionen zu testen. Du bist doof bei Wolfgang war die Steigerung von: Du hast aber einen dicken Bauch. Ich bin bis jetzt ganz gut weggekommen: Du hast ja große Brüste …

Bis Mittag im Bett, Baden, 2 neue Pflanzen in meinem Terrassen-Blumen-Paradies verankert und tagträumend den Kirchturm-Uhrzeigern zusehen, wie sie auf halb 5 schleichen – Guti-Gutshaus …

 

Heute ist Donnerstag, der 16. Mai

Als ich bei unserem Notfall-Begleitungs-Treffen gesagt habe, die nächsten 4 Monate bin ich nicht dabei aus Arbeitsgründen, hat unsere Team-Leiterin hoffnungsfroh gefragt: Und im September …? Ich hab nur eine Sekunde gezögert – Da haben wir auch noch full house. Wenn ich eins gelernt habe, dann für meine Interessen einzustehen. Gut, dann sehen wir uns im Gutshaus, hat ihr Mann gesagt, der auch mit von der Partie ist. Ja …

Immer noch Grabeskälte, nur kombiniert mit Nässe. Na, wie läuft’s?, hat mich Christinchen vorhin gefragt. Drei tolle Tage Guti-Gutshaus, Freitag, Sonnabend, Sonntag! Na, dann machste heut noch’n chilligen und ab morgen … Ja, genau – ich hab gleich Tam, Massage … Das war sowas von gut, dass mir die drei Late-Night-Schichten, egal wie stressig sie werden, nichts anhaben können. Ich hab die Heizungen aufgedreht und mich mit einem schönen Buch von ihr – Die Zweisamkeit der Einzelgänger – in die Horizontale fallen lassen.

Letztes Jahr um die Zeit hätte man fast schon schwimmen gehen können, dieses Jahr glaubt man, Petrus hat sich das Leben genommen …

Heute ist Mittwoch, der 15. Mai

Na, wie ist dein Befinden?, hab ich Lars gestern gefragt, als er raus kam. Geht so, es war schon besser. Ja, bei mir auch …

Ein halbes Jahr ist nicht viel, seit dem Totenstille zwischen uns herrscht, gemessen an zwölf Jahren. Und doch ist es eine Ewigkeit.

Questico schickt mir ab und an noch Werbepost, zusammen mit einer Tarot- oder Engelkarte. Diesmal Asmodiel – Engel der Zuversicht. Ich bin zuversichtlich, außer in Liebesdingen. Text auf der Rückseite der Karte: Seine Themen sind – Stabilität, Ausdauer, Gelassenheit, Selbstvertrauen, Intuition und Entscheidungskraft.

Es kamen nochmal alle möglichen unschönen Gefühle hoch in den letzten Tagen. Ich weiß, das ist kontraproduktiv, doch ich hab alles Recht der Welt, sie zu haben. Merkur ist der Rechtsanwalt unter den Jahresregenten …

Die sind alle anders als ich – von der Natur und vom Wesen her. Von der Weiblichkeit auch, als wenn er sich beweisen will: Es muss eine andere sein, als du … Das hat gedauert, es nicht persönlich zu nehmen und zu verstehen, warum er das macht.

Er ist da irgendwo mit irgendwem, denk ich jetzt. Vorher war es auch nicht besser, nur konkreter: Praxis und Ehefrau im Eigenheim. Je mehr andere Frauen er hatte, um so weniger schmerzhaft wurde es für mich, weil bedeutungsloser. Verrat spürt man nur beim ersten Mal existenziell.

Die letzte Eisheilige Sophie ist heute – ich bin fast erfroren …

 

Heute ist Dienstag, der 14. Mai

Was ist das bloß für ein Jahr? Der schönste Monat verkommt zum Arbeitsmonat, an den Wochenenden. Alles, was mit Mai zu tun hat, sehe ich nicht oder es ist nicht da, bis auf die Maiglöckchen von Sabinchen …

Ich hab bis um Elf geschlafen. Jetzt fahr ich mit dem Auto zum Parkplatz Pension Fledermaus und geh in den Wald. Mein Fahrrad steht immer noch im Keller. Ich bin noch um keinen See gefahren und war auch noch nicht im Nationalpark. Das war noch in keinem Jahr so. Entweder war es zu kalt, oder ich war krank oder hab gearbeitet oder war k.o. und hab lieber mit einem Buch auf der Couch gelegen …

 

Heute ist Montag, der 13. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall. Giacomo Casanova

Um halb 10 ist heute unsere Zusammenkunft von Notfallbegleitung, bei der auch die Bereitschaftspläne für die kommenden 4 Monate ausgefüllt werden. Bei mir ist das easy diesmal, ich klink mich über Sommer aus. Der Guti-Gutshaus-Front-Einsatz reicht mir, da sind mir zusätzliche ehrenamtliche Bereitschaftswochen einfach zuviel.

Gestern Abend kam die Anfrage, wie es nächstes Wochenende bei mir aussieht. Um 23:40 Uhr. Nächstes Wochenende kann ich, nur das darauf nicht. Da ist die Hochzeit in Berlin. Zu Anja hab ich gesagt: Na, wir haben ja ein tolles Profil – souverän, liebenswert, schnell und humorvoll. Das ist ein schönes Gäste-Feedback, hat Lars auch gesagt.

Wenn ich spätabends noch die Motoren der Biker bis zum Anschlag dröhnen höre, denk ich – Fahr dich tot, wenn du den Kick brauchst …

Manche Tage sind einfach gut, wenn sie vorbei sind. Heute ist so einer.

Heute ist Sonntag, der 12. Mai

Ist das schön, mal mich auszuruhen, nach zwei arbeitsreichen Tagen. Mehr mache ich heute nicht. Das ist mehr als genug. Heiliger Sonntag …

Alles Liebe zum Mutti-Tag war heute früh das Erste, was ich gehört habe. So schön hat Lars mich auf der Terrasse begrüßt.

Na, das war der Knaller heute – mit meinem ruhigen Sonntag! Um Eins hat Aniko gesagt, sie hat 5 VIP-Karten für das Prinzen-Konzert in der Marienkirche. Ein Prinz war bei ihr im Blumenladen, sie hat ihm zwei Sträuße gebunden und hatte danach die Zusage für 5 Konzert-Plätze. Sigi und Wolfgang hatten keine Lust und ich auch keine große, doch dann sind wir spontan mitgegangen. Es war toll – das war ihr 6. Konzert in unserer schönen Kirche und anderthalb Stunden mitreißende Stimmung. Mann im Mond – Ich wär so gerne Millionär – Alles nur geklaut – Küssen verboten …

Wir saßen in der abgesperrten reservierten Reihe als VIP-Gäste – Klasse!

Hallo liebe Mutti, das ist hier jetzt zwar kein Fleurop-Blumenstrauß, aber anlässlich des Muttertages möchte ich dir sagen, dass ich die kleine rote Frau mit den roten Haaren – das hatte mal ein kleines Mädchen im Guti-Gutshaus über mich gesagt – ganz gerne als Mutter habe. Smiley – WhatsApp von meiner Tochter! Ich denk, das ist schöner als ein Fleurop-Strauß, der nur verwelkt. Das ist das erste Mal, dass meine Tochter sich zum Muttertag gemeldet hat. Sonst immer nur mein Sohn …

Heute ist Sonnabend, der 11. Mai

Nach unserem ersten Treffen hätte ich mich nicht mehr gemeldet, wenn er danach nicht gefragt hätte: Na, was sagt deine Nase? Das war auch das erste und letzte und einzige Mal, dass er die Initiative ergriffen hat. Warum denk ich an das erste Treffen und nicht an das letzte? An das erste kann ich mich erinnern, beim letzten wusste ich nicht, dass es das letzte war.

Das hab ich mir nachts nach Feierabend eine Stunde lang auf Youtube angesehen:

Tessa Virtue & Scott Moir (Olympic Champions 2018) – Perfect – Ed Sheeran

Das ist überirdisch schön. Sie im roten Kleid, er ganz in Schwarz. Tanzen und Eistanz sind die einzigen Sportarten, die ich mir ansehe, weil ich es nicht als Sport sehe, sondern als getanzte Leidenschaft.

Gestern war ich um Mitternacht zuhause, heute auch wieder ab 16:00 Uhr Spätschicht.

Eben, 09:00 Uhr, kam eine Mail von unserer Chefin. Betreff Abendbrot – Kaum die Augen auf und schon gelobt! Vielen Dank! Und das Lob hat sie gleich mitgeschickt: Liebe Bettina, es war sehr gut bei Euch, es hat wunderbar geschmeckt und auch die beiden Frauen waren toll, souverän, liebenswert, schnell und humorvoll, Gruß Jo und Eva

So macht es doch Spaß! Anja und ich sind auch ein tolles Team. Wenn es auch anstrengend ist, merkt uns das doch keiner an …

Sabinchen hat mir gestern einen Strauß Maiglöckchen geschenkt – herzlichen Dank!